Spendenfaule Schweizer: Todesursache Organmangel
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Spendenfaule SchweizerTodesursache Organmangel

Der Mangel an Organspenden in der Schweiz ist nach wie vor gravierend. Im vergangenen Jahr starben 62 Menschen, die auf ein Organ warteten.

Die Organspenderzahlen in der Schweiz waren auch 2008 tief. Der daraus resultierende Organmangel führte zu einer Warteliste von 1544 Patienten, die ein Organ benötigten. 62 Personen verstarben, ohne dass das rettende Organ für sie gefunden werden konnte.

Diese Zahlen gab am Freitag Swisstransplant, die Schweizerische Nationale Stiftung für Organspende und Transplantation, bekannt. Sie tat dies anlässlich des Kongresses und der Jahresversammlung der Swiss Transplantation Society in Interlaken.

Laut Swisstransplant-Direktor Franz Immer bildet die Schweiz mit einer äusserst geringen Anzahl von 11,8 Organspendern pro Million Einwohner nach wie vor das Schlusslicht in Europa. Ein Vergleich mit den Nachbarstaaten mache deutlich, dass das Potenzial fast doppelt so hoch wäre.

Diese Situation sei in einem Land wie der Schweiz nicht länger haltbar: «Was das Wissen über Transplantationschirurgie und medikamentöse Behandlung betrifft, gehört die Schweiz weltweit zur Spitze. Trotzdem fehlen uns hierzulande die dringend benötigten Organe», lässt sich Immer in einer Medienmitteilung zitieren.

Warteliste so gross wie noch nie

Transplantiert werden hauptsächlich Nieren, Lebern, Lungen und Herzen, aber auch Hände, ganze Arme, Hornhäute, Knochen und Haut. Letztes Jahr erhielten 296 Patienten eine gespendete Niere, 95 eine Leber, 40 eine Lunge und 29 ein Herz.

Die Zahlen von 2008 mit 90 Leichenspendern - plus 12,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr - lasse die Hoffnung aufkommen, dass der negative Trend der letzten zwei Jahre zumindest gestoppt werden konnte, heisst es im Communiqué. Erfreulich sei auch die Zunahme der Lebendspender von 112 im Jahr 2007 auf 128 (&14,3 Prozent) im Jahr 2008.

Mit einer Zunahme um 12,6 Prozent auf 1544 Patienten im Jahr 2008 sei die Warteliste jedoch so gross wie noch nie zuvor. Dem entspricht die erhöhte Sterberate auf der Warteliste mit 62 verstorbenen Patienten, gegenüber 50 im Vorjahr (&24,0 Prozent).

Informationskampagnen geplant

Das Jahr 2009 will Swisstransplant dafür nutzen, die Kommunikation über Organspende mit der Bevölkerung zu intensivieren. In Zusammenarbeit mit Expertengruppen sollen weitere Voraussetzungen für ein grundsätzliches und nachhaltiges Steigern der Bereitschaft zur Organspende in der Schweiz geschaffen werden.

«Denn jedes gespendete Organ kann Leben retten», schreibt die Stiftung. Geplant sind entsprechende Informationskampagnen für die breite Öffentlichkeit und gezielte Schulungen für Ärzte in Spitälern.

(dapd)

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