Aktualisiert 07.04.2015 08:58

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Todesurteile nehmen dramatisch zu

Weltweit sind 2014 fast ein Drittel mehr Menschen zum Tode verurteilt worden. Im Land mit den meisten Exekutionen sind genaue Zahlen ein Staatsgeheimnis.

von
kmo

Die Zahl der Todesurteile weltweit ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Rund um den Globus wurden nach einem Bericht von Amnesty International, der am Mittwoch veröffentlicht wurde, mindestens 2466 Todesurteile verhängt. Im Jahr zuvor waren es mindestens 1925 Urteile – ein Plus von 28 Prozent.

Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty sprach von einem «dramatischen Anstieg». Dieser sei unter anderem auf Massenverurteilungen im Zusammenhang mit den politischen Spannungen und gewaltsamen Auseinandersetzungen in Ägypten und Nigeria zurückzuführen.

«Todesstrafen sind beschämend»

«Regierungen, die mit der Todesstrafe Verbrechen bekämpfen wollen, betrügen sich selbst», erklärte Amnesty. Es gebe keine Belege dafür, dass die Todesstrafe mehr abschrecke als andere Strafen. Gerade angesichts der von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ausgehenden Gewalt sei es «beschämend, dass einige Staaten die Todesstrafe als Mittel gegen Terrorismus rechtfertigen».

Die Zahl der registrierten Hinrichtungen ging nach diesen Angaben allerdings deutlich zurück. Die Menschenrechtler kamen auf weltweit mindestens 607 Hinrichtungen (siehe Infografik oben), was einen Rückgang von 22 Prozent darstellt.

Positiv vermerkte Amnesty International, dass die Zahl der Länder, in denen die Todesstrafe vollstreckt werde, binnen 20 Jahren von 41 auf 22 gesunken ist. Die Zahlen der Todesurteile und Hinrichtungen in den USA und in Afrika gehen bereits seit Jahren zurück. Amnesty verwies auch auf ein im vergangenen Jahr verabschiedetes Gesetz zur Abschaffung der Todesstrafe in Madagaskar.

Keine genauen Zahlen für China

In den Statistiken fehlen die Zahlen für Nordkorea sowie China, wo genauere Angaben zu Hinrichtungen als Staatsgeheimnis behandelt werden. Amnesty gibt für die Volksrepublik nicht einmal Schätzungen bekannt. Im Bericht heisst es dazu nur: «China hat wieder mehr Hinrichtungen ausführen lassen als der Rest der Welt zusammen.» Dies würde bedeuten, dass es weltweit mehr als 1200 Exekutionen gab.

Nach letzten Schätzungen der amerikanischen Dui-Hua-Stiftung in San Francisco, die über gute Beziehungen in die chinesische Justiz verfügt, wurden 2013 in der Volksrepublik vermutlich etwa rund 2400 Menschen hingerichtet. Für 2014 gibt es noch keine neuen Daten. Der Dui-Hua-Vorsitzende John Kamm sagte der Nachrichtenagentur DPA: «Nach meinem Eindruck dürfte sich die Zahl auf dem Niveau von 2400 stabilisiert haben.»

Iran bleibt auf Rang zwei

Auf dem zweiten Platz der Liste liegt erneut der Iran, wo mindestens 289 Menschen gehängt wurden. Dazu kommen mindestens 454 weitere, die von den iranischen Behörden nicht bestätigt wurden.

Es folgen Saudi-Arabien mit 90 Hinrichtungen, der Irak (61) und die USA (35). In Europa vollstreckt als letztes Land nur noch Weissrussland (3) die Todesstrafe. Mit Ausnahme der USA sind das alles Mindestzahlen. Im Iran und in Saudi-Arabien gab es auch noch öffentliche Hinrichtungen. (kmo/sda)

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