Aktualisiert 09.09.2011 16:54

Inzest-Vorwurf

Töchter entlasten 80-jährigen Vater

Ein Österreicher, der wegen sexuellen Missbrauchs seiner geistig behinderten Töchter verhaftetet wurde, ist wieder auf freiem Fuss. Beide Töchter sagten aus, nicht missbraucht worden zu sein.

Ein wegen Inzest- und Missbrauchsvorwürfen verhafteter 80-jähriger Österreicher ist wieder auf freiem Fuss. Das Landesgericht Ried im Innkreis habe den Haftbefehl gegen den Mann am Freitag aufgehoben, teilte die Leitende Staatsanwältin Ernestine Heger am Nachmittag auf Anfrage mit. Die beiden Töchter des Mannes hätten in den Vernehmungen «dezidiert in Abrede gestellt», von ihrem Vater sexuell missbraucht worden zu sein, sagte Heger.

Der 80 Jahre alte Gottfried W. aus dem bayerisch-österreichischen Grenzort St. Peter am Hart war Ende August festgenommen worden. Damals bestand der Verdacht, W. hätte seine geistig behinderten Töchter mehr als 40 Jahre lang gefangen gehalten, körperlich misshandelt und sexuell missbraucht. Staatsanwaltschaft und Polizei hatten sich dabei ausdrücklich auf die Aussagen der beide heute 45 und 53 Jahre alten Frauen gestützt.

Misshandlungsvorwurf bleibt bestehen

Staatsanwältin Heger sagte am Freitag weiter, die Frauen hätten zwar die Inzestvorwürfe zurückgenommen. Die Misshandlungsvorwürfe gegen den Vater blieben jedoch bestehen. Hier müsse jetzt geprüft werden, ob die Taten bereits verjährt seien.

Die vermutlich fälschlich erhobenen Inzest-Anschuldigungen gegen den Vater sind Heger zufolge durch Verständigungsprobleme mit den geistig zurückgebliebenen Frauen zustande gekommen. Der «Passauer Neuen Presse» sagte Heger, es sei fraglich, ob die Frauen bei ihren Befragungen die entsprechenden Begriffe überhaupt verstanden haben.

Vater beteuerte stets seine Unschuld

Gottfried W. selber hatte den sexuellen Missbrauch seiner Töchter stets bestritten. Der Rentner lebte seit dem Frühsommer bis zu seiner Verhaftung in einem Seniorenheim. Dorthin war er umgezogen, nachdem er in seinem Haus in St. Peter hingefallen war und sich verletzt hatte.

Die Polizei war bisher davon ausgegangen, dass W. gestürzt war, als er sich erneut an einer der Frauen vergehen wollte. Die Beamten berichteten damals, die beiden Frauen hätten den hilflosen Vater dann zwei Tage lang im Haus liegen lassen.

Die beiden Töchter waren damals in eine Betreuungseinrichtung gebracht worden. Dort hätten sie dann von den brutalen Misshandlungen und dem angeblichen sexuellen Missbrauch durch den Vater berichtet. (dapd)

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