Tödliche Abhängigkeit von der Geliebten?
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Tödliche Abhängigkeit von der Geliebten?

Das Sexleben der Ex-Geliebten und mutmasslichen Mörderin des Bankiers Edouard Stern ist am Mittwoch erstmals vor Genfer Gericht von Vertretern der Familie des Opfers sowie der Verteidigung ausgebreitet worden.

Die Genfer Anklagekammer hatte einen Antrag der Zivilpartei zu beurteilen, die zusätzliche Zeugen befragen wollte. Dagegen sperrte sich aber die Verteidigung. Auf Wunsch der Angeklagten war die Anhörung am Mittwochmorgen öffentlich. Die des Mordes angeklagte 38-Jährige war ganz in Weiss gekleidet. Die Französin, die während vier Jahren Geliebte des französischen Bankiers war, ist seit 2005 in Haft, nachdem sie die Tötung gestanden hatte.

Der Anwalt Marc Bonnant, der die Familie des Opfers vertritt, bezeichnete die Angeschuldigte als blonde Seuche, listig und manipulativ. Stern sei leidenschaftlich verliebt und abhängig von ihr gewesen. Sie habe von Stern eine Million Dollar und die Heirat gefordert, sagte der Anwalt. Als sie das Geld nicht erhalten habe, habe sie entschieden, ihn kaltblütig umzubringen.

Um die Aussagen abzustützen, forderte die Zivilpartei die Anhörung zweier früherer Geliebter der Angeklagten. Auch verlangte sie die Berücksichtigung von Telefongesprächen, die den zügellosen Sex der Angeschuldigten beweisen sollten.

Die Verteidigung beschrieb die Angeklagte im Gegenzug als Opfer des reichenden Bankiers, verliebt und bereit, ihm seine Wünsche zu erfüllen. Stern habe sie sich zur Verfügung gehalten und sie bedroht, beschimpft und auch geschlagen, wenn sie sich von ihm entfernt habe. Die Tötung war gemäss Verteidigung ein Befreiungsschlag für die Frau.

Die Anwesenden erhielten ein Vorgeschmack auf den Prozess im kommenden Jahr, bei dem auch zahlreiche Persönlichkeiten aus Frankreich als Zeugen auftreten sollen. Unter ihnen ist der französische Philosoph Pascal Bruckner als ehemaliger Liebhaber der mutmasslichen Mörderin. Zahlreiche Medienvertreter aus der Schweiz und Frankreich wohnten der Anhörung bei. Die Anklagekammer wird ihren Entscheid im kommenden Januar fällen.

Der Tod des Bankiers im Februar 2005 hatte für Aufsehen gesorgt: Der 50-jährige Edouard Stern war in seiner Genfer Wohnung gefunden worden - gefesselt, in einem Latexkombi, niedergestreckt von mehreren Schüssen. Wenige Wochen später wurde die mutmassliche Mörderin festgenommen. Sie legte schnell ein Geständnis ab. (dapd)

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