Aktualisiert 29.06.2005 18:37

«War of the Worlds»Tödliche E.T.s machen mobil

Tricktechnisch perfektes, inhaltlich ziemlich einfältiges Update des Science-fiction-Klassikers «Krieg der Welten» von H.G. Wells mit Hollywood-Superstar Tom Cruise. Regie: Steven Spielberg.

«Sind es Terroristen?», schreit die junge Rachel (Dakota Fanning), als sie mit ihrem Vater Ray Ferrier (Tom Cruise) und Bruder Robbie (Justin Chatwin) im Auto flüchtet, während hinter ihnen ganze Strassenzüge in die Luft fliegen. Verantwortlich für die Katastrophe sind gigantische dreibeinige Kriegsmaschinen, welche aus der Erde auftauchen und die Umwelt in Schutt und Asche legen. Ray und seine Kinder landen bei Flüchtlingen, die ebenfalls der Armee ausserirdischer Tripods entkommen wollen. Aber Sicherheit oder Schutz suchen sie alle vergeblich.

Bei Orson Welles' «The War of the Worlds»-Radiohörspiel nach der gleichnamigen Romanvorlage von H.G. Wells glaubten viele Amerikaner an einen Tatsachenbericht und brachen in Panik aus. Dasselbe wird ZuschauerInnen von Steven Spielbergs jüngster Hollywood-Kiste mit «Minority Report»-Star Tom Cruise trotz todernster Machart nicht passieren. Denn so sehr sich der Erfolgsregisseur auch um Glaubwürdigkeit der Story bemüht, so wirklichkeitsfremd wirkt sie spätestens dann, wenn die garstigen Aliens auftauchen.

Spannendste Filmfigur ist ein gebrochener Mann namens Ogilvy (Tim Robbins), der seine ganze Familie verloren hat und mit seiner Einmann-Rebellion die Machtlosigkeit der gesamten Menschheit im Kampf gegen die tödlichen E.T.s ausdrückt.

Betonte Roland Emmerichs Popcorn-Movie «Independence Day» (mit Will Smith) nebst plumpem US-Patriotismus die internationale Völkerverständigung angesichts einer ausserirdischen Bedrohung, so zelebriert Spielberg mit tollen Tricks und punktueller Spannungsmache Amerikas militante Terroristen-Hatz seit den Anschlägen vom 11. September 2001. Aliens als ultimativer Erzfeind einer ganzen Nation.

Für Humor, geschweige denn B-Movie-Charme (im Stil der ersten «Krieg der Welten»-Verfilmung aus dem Jahre 1953), bleibt da nur wenig Raum. Da hat Tim Burtons Kultstreifen «Mars At-tacks!» weit mehr Spass gemacht, zumal dort die Aliens mit Jodel-Sound verscheucht wurden.

Will heissen: «War of the Worlds» nimmt sich viel zu ernst und mündet letztlich in einem Happyend inklusive typisch spielbergschem Familienkitsch. Wer sich darauf einstellt, wird nicht enttäuscht.

Mohan Mani

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