Aktualisiert 23.10.2008 10:21

FlugunfallTödlicher Absturz am Zürcher Flughafen

Am Flughafen Zürich ist ein Kleinflugzeug vom Typ Cirrus SR22 abgestürzt. Vier Personen befanden sich an Bord, zwei Insassen kamen dabei ums Leben. Die Maschine verfehlte bei schlechten Sichtverhältnissen die Landebahn. Eine «Fallschirmrakete» verzögert die Bergung der Leichen.

Am Flughafen Kloten hat der Absturz einer vierplätzigen Maschine kurz vor 16 Uhr zwei Todesopfer gefordert. Zwei weitere Passagiere wurden schwer verletzt.

Bergung der Leichen verzögerte sich

Erschwert wurde die Bergung dadurch, dass das Flugzeug über ein spezielles System verfügt, das aus einer Art Rakete mit einem Fallschirm besteht. Im Notfall springt die Rakete aus der Maschine, der Fallschirm öffnet sich und das Flugzeug schwebt zu Boden.

Den Bergungskräften war nicht klar, ob die Rakete noch an Bord war und jederzeit «losgehen» könnte. Spezialisten haben die Treibladung des Rettungssystems der Maschine inzwischen deaktivieren können, so dass die Bergung der Toten und des Flugzeugs in Angriff genommen werden kann.

Das Flugzeug hatte sich im Landeanflug auf die Piste 14 befunden. Die von Norden kommende Maschine verfehlte die Landebahn und schlug rund hundert Meter vor der Piste auf.

Pilot wollte nach Berlin fliegen

Die einmotorige Maschine des Typs Cirrus SR 22 war um 14.45 Uhr in Genf gestartet. Ziel der Reise sollte eigentlich der Flughafen Schönhagen bei Berlin sein. Weshalb der Vierplätzer in Zürich landete ist laut Angaben der Zürcher Kantonspolizei noch unklar.

20 Minuten sprach mit einem Augenzeugen: «Das Flugzeug schlug ohne grösseres Getöse auf. Man hat weder einen Knall gehört, noch hat sich Rauch entwickelt», erklärt er. Das Flugzeug näherte sich in einem ungewöhnlich steilen Anflugwinkel der Landebahn und stürzte plötzlich ab.

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(Video: 20 Minuten Online/ Marius Egger)

Wetter war kritisch

Das Wetter dürfte einen massgeblichen Einfluss auf den Absturz gehabt haben. Laut dem Mediensprecher der Rega war «das Wetter kritisch». Die Sichtweite betrug zur Zeit des Absturzes gemäss Meteonews lediglich 2500 Meter. Es herrschten sehr trübe Verhältnisse. Weniger kritisch schätzte der Sprecher der Flughafenbetreiberin Unique, Marc Rauch, das Wetter ein.

Von den vier Insassen kamen zwei ums Leben. Zwei weitere, ein Mann und eine Frau, wurden mit schweren Verletzungen ins Zürcher Universitätsspital gebracht. Eine Person wurde per Rega-Helikopter transportiert, die andere mit dem Krankenwagen.

Die beiden Toten mussten in einer aufwendigen Aktion aus dem Flugzeugwrack geborgen werden. Ob der Pilot zu den Toten oder zu den Verletzten gehört, war noch ebenso unklar wie die Identität der Flugzeuginsassen. Das Büro für Flugunfalluntersuchungen des Bundes hat inzwischen Untersuchungen übernommen.

Immatrikulation in den USA

Die Maschine ist in den USA immatrikuliert unter der Nummer N467BD. Das Kleinflugzeug wurde 2004 gebaut und ist auf eine Firma in Houston, Texas, registriert. Bei Kleinflugzeugen sei eine Immatrikulation in den USA nicht unüblich, sagte Marc Rauch von Unique. Möglicherweise sei das Flugzeug dort gekauft worden, oder der Besitzer sei amerikanischer Staatsbürger. Andere Gründe nennt Hansjürg Bürgi, Aviatikexperte und Chefredaktor von Skynews.ch: Die Vorschriften bezüglich Unterhalt, Wartung und Betrieb seien in den USA weniger streng.

Infolge des Absturzes musste der Flughafen für insgesamt neun Minuten vollständig gesperrt werden. Nach wie vor ist die Piste 14 gesperrt. Durch die kurzzeitige Sperrung kam es lediglich zu geringfügigen Verspätungen.

20 Minuten Online/SDA

Cirrus SR22 - ein einmotoriges Propellerflugzeug

Bereits 2003 waren vier Schweizer beim Absturz eines Flugzeugs des Typs Cirrus SR22 umgekommen. Das Flugzeug prallte damals auf dem Flug von Ibiza nach Basel in einen Berg in den spanischen Pyrenäen. Das am 12. Oktober 2003 verunglückte Flugzeug eines Horgener Millionärs war ebenfalls in den USA immatrikuliert, wie der «Blick» damals schrieb.

Laut der Statistik der grössten amerikanischen Pilotenvereinigung AOPA sind seit Juni 2001 weltweit 67 Flugzeuge des Typs Cirrus SR22 abgestürzt.

Bei dem abgestürzten Kleinflugzeug, einer Cirrus SR22, handelt es sich um ein einmotoriges Propellerflugzeug. Nebst dem Piloten haben drei Passagiere Platz. Die Maschine erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 372 Kilometern pro Stunde, wie das Online-Lexikon Wikipedia festhält. Das Flugzeug hat eine Spannweite von 11,68 Metern, eine Länge von 7,92 Metern und eine Höhe von 2,71 Metern. (20 Minuten Online/SDA)

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