Norwegen: Tödlicher Anschlag auf Schwulen-Bar – das ist der mutmassliche Täter von Oslo

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NorwegenTödlicher Anschlag auf Schwulen-Bar – das ist der mutmassliche Täter von Oslo

Nach einem mutmasslich islamistisch motivierten Terroranschlag in Oslo sind nun Details über den Beschuldigten bekannt. Der 42-Jährige war bei der Polizei kein Unbekannter.

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Beim mutmasslichen Täter handelt es sich um den 42-jährigen Zaniar Matapour.

Beim mutmasslichen Täter handelt es sich um den 42-jährigen Zaniar Matapour.

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Er wurde am Tatort mithilfe von Zivilisten überwältigt und schliesslich von der Polizei verhaftet.

Er wurde am Tatort mithilfe von Zivilisten überwältigt und schliesslich von der Polizei verhaftet.

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Der Beschuldigte kam im Alter von zwölf Jahren aus dem Iran als Flüchtling nach Norwegen.

Der Beschuldigte kam im Alter von zwölf Jahren aus dem Iran als Flüchtling nach Norwegen.

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Darum gehts

  • In der norwegischen Hauptstadt Oslo sind zwei Menschen getötet und mehrere verletzt worden.

  • Beim mutmasslichen Täter soll es sich um den 42-jährigen Zaniar Matapour handeln.

  • Die Polizei äusserte bereits 2015 die Befürchtung, der Mann könne sich radikalisiert haben.

Die queere Szene will in Oslo die erste grosse Pride-Parade seit Beginn der Corona-Pandemie feiern. Doch dann fallen Schüsse. Zwei Menschen sind tot, viele verletzt. Der norwegische Geheimdienst geht von islamistischem Terror aus.

Am Freitagabend gab es einen Anschlag auf einen Club, der beliebt bei Menschen aus der Queer-Szene ist. Bei der Tat wurden 21 Menschen schwer verletzt und zwei kamen ums Leben.

20min/Melchior Kall

Beim mutmasslichen Täter handelt es sich um den 42-jährigen iranischstämmigen Kurden Zaniar Matapour. Er kam im Alter von zwölf Jahren als Flüchtling nach Norwegen. Der norwegische Polizeisicherheitsdienst (PST) sei bereits 2015 auf den mutmasslichen Täter aufmerksam geworden, wie «Norway Today» berichtet. Man habe damals die Befürchtung geäussert, er könne sich radikalisiert haben und Teil eines islamistischen Kontaktnetzwerks in Norwegen gewesen sein.

Im Mai diesen Jahres sei es erneut zu einer Befragung des 42-Jährigen gekommen. «In diesen Gesprächen wurde nicht davon ausgegangen, dass er die Absicht hatte, Gewalttaten zu begehen, aber dem PST ist bekannt, dass der Täter Probleme mit seiner psychischen Gesundheit hatte», heisst es bei der Polizeibehörde. Der 42-Jährige ist nun wegen Mordes, versuchten Mordes und terroristischer Handlungen angeklagt.

Der Anwalt des Verdächtigen, John Christian Elden, sagte der norwegischen Nachrichtenagentur NTB, sein Mandant müsse sich voraussichtlich einer psychologischen Untersuchung unterziehen, wie es in solchen Fällen üblich sei. Bisher hat sich der Verdächtige geweigert, Fragen der Ermittler zu beantworten.

Königsfamilie trauert am Tatort

In der norwegischen Hauptstadt herrscht Trauer und Fassungslosigkeit. Kronprinz Haakon von Norwegen und Kronprinzessin Mette-Marit nehmen am Sonntagvormittag an dem Gottesdienst im Osloer Dom teil. Auch Ministerpräsident Jonas Gahr Store und weitere Politiker werden erwartet. «Dies rüttelt unsere ganze Gesellschaft auf», sagte eine Vertreterin der Kirche, Kristin Gunleiksrud Raaum, NRK zufolge. «Alle von uns, die queer sind, müssen nun von allen anderen Solidarität und Unterstützung erfahren.»



Eigentlich gilt Norwegen als friedliches Land. Doch der rechtsextrem motivierte Terroranschlag vor elf Jahren auf Utoya mit 77 Todesopfern hat eine tiefe Wunde in das Gefühl der Sicherheit gerissen. Wieder einmal sei das Land von einer brutalen Attacke auf Unschuldige getroffen worden, sagte Regierungschef Store am Samstag und versicherte der queeren Gemeinschaft: «Wir stehen an eurer Seite.» Umringt von einer grossen Menschentraube legten er und Kronprinz Haakon gemeinsam am Tatort Blumen nieder. Das Glockenspiel des Rathauses spielte «Somewhere over the Rainbow».

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen








(DPA/job)

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