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Tödlicher Chat

«Summerbabe» ist von der deutschen Polizei als Mörder der 15-jährigen Nadine überführt worden. Hinter dem Nicknamen versteckte sich ein 19-jähriger Abiturient, der im gleichen Ort wohnte wie sein Opfer.

Knapp einen Monat nach dem Mord an der 15-jährigen Nadine aus Wetter bei Hagen ist die Tat aufgeklärt: Wegen dringenden Tatverdachts erging am Freitag Haftbefehl gegen einen 19 Jahre alten Abiturienten aus Wetter. «Die Beweislast ist erdrückend,» sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Rahmer in Hagen. Der mutmassliche Täter bestreite die Tat jedoch.

Der 19-Jährige wurde laut Polizei bereits am Donnerstag in der elterlichen Wohnung festgenommen. Bei dem jungen Mann handele es um einen Schüler aus der ehemaligen Parallelklasse der Schwester des Opfers. Als Motiv vermutet die Polizei einen sexuellen Hintergrund. «Er ist schon mehrmals aufgefallen, weil er versucht hat, übers Chat mit dem Mädchen sexuell in Kontakt zu kommen, aber ohne Erfolg», erklärte Rahmer.

Nadine war in der Nacht vom 19. auf den 20. August in ihrem Elternhaus mit 15 Messerstichen ermordet worden. Die Eltern waren nicht zu Hause und fanden bei ihrer Rückkehr das Mädchen blutüberströmt in der Wohnung. Nach Polizeiangaben wurde sie mit einem noch unbekannten stumpfen Gegenstand niedergeschlagen. Anschliessend habe sie der Täter mit einem Telefonkabel stranguliert und mit einem Messer auf sie eingestochen. Spuren einer Vergewaltigung habe man nicht gefunden.

Die Reste eines in der Tatnacht verschwundenen Telefons, ein abgerissenes Kabel, Reifenspuren und vor allem die Chat-Kontakte mit der 15-Jährigen hätten die Ermittler letztlich auf die Spur des Wetteraners gebracht, erklärte der Oberstaatsanwalt. Der 19-Jährige habe sich im Internet mehrfach unter Frauennamen wie etwa «Summerbabe» mit Nadine und anderen Mädchen unterhalten. Offenbar habe der mutmassliche Täter auch über das Internet erfahren, dass die 15-Jährige in der Tatnacht alleine war, vermutete die Polizei. «Das Mädchen hat im Chatroom erzählt, dass die Eltern nicht zu Haus sind», erklärte Rahmer. «Weil sie ein nettes und hilfsbereites Mädchen war und den 19-Jährigen vom Sehen her kannte, wird sie ihm die Tür geöffnet haben.» Eine Beziehung oder Freundschaft zwischen Nadine und dem 19-Jährigen habe allerdings nicht bestanden, sagte Rahmer.

Bei seiner Festnahme habe der mutmassliche Täter «unverständlich cool» reagiert. Der Oberstaatsanwalt beschrieb den Wetteraner als «unauffälligen, zurückhaltenden jungen Mann» und als «Technikfreak». Nadines Eltern kannten den 19-Jährigen namentlich über die Schwester. Sie seien geschockt, aber auch froh, dass der mutmassliche Täter so schnell gefasst werden konnte, sagte Rahmer.

Im Zuge der Ermittlungen hatte die Polizei bereits zwei junge Männer aus Wetter verdächtigt, der anfängliche Tatverdacht bestätigte sich aber nicht. Zuletzt setzten die Ermittler auf einen Gentest: Mehr als 300 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums, das Nadine besucht hatte, wurden zu einer Speichelprobe gebeten. Die Polizei wollte die DNA-Proben mit Spuren vom Tatort vergleichen. Das führte jedoch nicht zum Erfolg. (dapd)

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