Rettungsringe als Souvenir: Tödlicher Diebstahl
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Rettungsringe als SouvenirTödlicher Diebstahl

In der Stadt Zürich werden regelmässig die Rettungsringe geplündert. Allein im letzten Jahr waren es 70. Einer hätte dem ertrunkenen Jamaikaner das Leben retten können.

von
meg
Hier ist schwimmen erlaubt: Limmat beim Flussbad Oberer Letten in Zürich.

Hier ist schwimmen erlaubt: Limmat beim Flussbad Oberer Letten in Zürich.

In der Stadt Zürich gibt es rund hundert Kästen, die mit einem Rettungsring ausgestattet sind. Sie sind entlang dem Zürichsee, der Limmat und der Sihl platziert. Am Samstag hätte ein Rettungsring vielleicht das Leben des Jamaikaners retten können, der im Fluss ertrank. Doch die Kästen entlang der Limmat waren laut der Freundin des ertrunkenen Mannes leer. René Ruf bestätigt gegenüber 20 Minuten Online, dass «offenbar kein Rettungsring im Kasten beim Dynamo war». Und das ist kein Einzelfall: Die Rettungsringe werden regelmässig geplündert.

Gerade in Zürich sei dieses Problem «akut», sagte Prisca Wolfensberger, Mediensprecherin der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) im Interview mit 20 Minuten Online. Von einem akuten Problem will die Stadtpolizei nicht sprechen. Ruf bestätigt aber: «Leider kommt es immer wieder vor, dass Rettungsringe fehlen, weil sie ins Wasser geworfen oder als Souvenir mitgenommen werden.»

Die Polizei hat bereits vor drei Jahren auf die Diebstähle reagiert. Seither werden die Kästen plombiert, um die Hemmschwelle für einen Diebstahl zu erhöhen. Allerdings müssen die Kästen trotz der Sicherung leicht zu öffnen sein. Ruf sagt, die Massnahme habe zu einer Verbesserung der Situation beigetragen. Die Polizei musste 2009 aber noch immer 70 Rettungsringe ersetzen. Ein Ring kostet inklusive Tauwerkzeug 180 Franken.

Wöchentliche Kontrollen

Doch auch der Aufwand für den Unterhalt ist beträchtlich. Die Polizei kontrolliert die Rettungskästen regelmässig. «Sie werden wöchentlich kontrolliert, bei Grossanlässen sogar täglich», sagt der Mediensprecher und appelliert an die Öffentlichkeit, die Finger von den Ringen zu lassen. Im Notfall müssen sie Leben retten.

Obwohl das Baden in der Limmat ausserhalb der Badeanstalten seit 1977 verboten ist, schwimmen an schönen Tagen beim Oberen Letten hunderte Personen im verbotenen Bereich. Eine Verbotstafel fehlt. Das wird vorläufig auch so bleiben. «Wir werden keine Sofortmassnahmen treffen», sagt Reto Casanova vom Polizeidepartement. Sobald die Ferien vorbei sind, werde die Situation aber zusammen mit Polizeivorsteher Daniel Leupi und weiteren Fachpersonen analysiert. Obwohl seit Jahren ein Badeverbot gilt, «macht es keinen Sinn, nun einen Schilderwald zu errichten», so Casanova weiter. Die Polizei warne immer wieder vor den Gefahren. «Die Leute müssen auch selber Verantwortung übernehmen», sagt Casanova.

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