Aktualisiert 08.03.2004 18:12

Tödlicher Drogenmix

Weil sie ihrem Freier einen Drogenmix spritzte und dieser daran starb, muss eine drogenabhängige Frau aus dem Emmental 30 Tage ins Gefängnis.

Das Kreisgericht Thun hat sie am Montag der fahrlässigen Tötung für schuldig erklärt. Ausserdem wurde die 46-jährige Frau wegen unterlassener Hilfeleistung und wegen Missbrauchs von Betäubungsmitteln verurteilt. Sie muss die Verfahrenskosten von 6200 Franken tragen.

Die Drogenabhängige hatte regelmässig einem Bekannten, der zeitweilig auch ihr Freier war, Heroin und Kokain verschafft und ihm die Drogen injiziert. Er habe nicht mit Spritzen umgehen können und sie deswegen jeweils um die Verabreichung gebeten, sagte die Angeschuldigte vor Gericht.

In der Nacht auf den 13. April 2002 spritzte sie dem Mann zweimal ein Heroin-Kokaingemisch, worauf er am Morgen verstarb. Sie habe die Verschlechterung seines Zustands in der Nacht bemerkt und ihm deshalb eine Kochsalzlösung injiziert, sagte die Angeschuldigte. Sie habe geglaubt, dies helfe ihm.

«Jetzt muss ich ins Gefängnis»

Er sei in ihrer Wohnung eingeschlafen, sie selbst sei bis um halb vier Uhr morgens ausgegangen. Beim Heimkommen sei sein Puls noch fühlbar gewesen, danach sei sie eingeschlafen. Um sieben Uhr sei sie aufgestanden, um zur Drogenabgabestelle zu gehen. «Da habe ich gemerkt, dass er tot ist, und wusste: jetzt muss ich ins Gefängnis».

Sie habe einfach noch vorher zu Drogen kommen wollen und habe deshalb weder Sanität noch Polizei alarmiert.

Fahrlässige Tötung

Gerichtspräsident Jürg Walter Santschi hielt den Tatbestand der fahrlässigen Tötung für erfüllt. Es sei unvorsichtig und gefährlich gewesen, dem nicht regelmässig Drogen konsumierenden Mann zweimal eine starke Dosis zu verpassen. Er sei eindeutig an einer Mischvergiftung von Heroin, Kokain und Alkohol gestorben.

Als noch schwerwiegender sei die unterlassene Hilfeleistung, sagte Santschi. Die Angeschuldigte habe schon in der Nacht gemerkt, dass es dem Opfer nicht gut gehe, aber nichts unternommen. Es sei ihr aber verminderte Zurechnungsfähigkeit zuzugestehen, da sie selbst unter Drogeneinfluss gestanden habe.

(sda)

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