Uznach (SG): Tödlicher Revolverschuss: Strafe massiv verschärft
Aktualisiert

Uznach (SG)Tödlicher Revolverschuss: Strafe massiv verschärft

Weil er 2005 in Uznach seinen 80-jährigen Geschäftspartner mit einem Revolver erschossen hat, muss ein heute 65-jähriger Mann zwölfeinheinhalb Jahre hinter Gitter: Das Kantonsgericht St. Gallen verschärft das Urteil des Kreisgerichts.

Das Kreisgericht See-Gaster hatten den Mann, der heute zuckerkrank und fast blind ist und wegen einer Beinamputation einen Rollstuhl braucht, Ende 2007 wegen vorsätzlicher Tötung und Raubs zu einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren verurteilt. Er zog den Fall weiter und die Staatsanwaltschaft reichte Anschlussberufung ein.

Das Kantonsgericht verhandelte den Fall am Mittwoch. Der Angeklagte war wegen seiner gesundheitlichen Probleme dispensiert. Während der Staatsanwalt von einem Raubmord ausging und eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren forderte, stellte der Verteidiger die Tötung als einen «Unfall» dar und beantragte eine milde Strafe.

Flucht und Unfall

Zwischen den beiden Männern war es am 1. März 2005 in einem Restaurant in Uznach zum Streit gekommen. Sie verliessen das Lokal, und wenig später fanden Passanten den 80-Jährigen mit einer Schusswunde auf der Strasse liegend. Er starb noch vor dem Eintreffen der Ambulanz.

Der Angeklagte fuhr mit dem Mercedes des Opfers davon. Als die Polizei ihn bei einer Grossfahndung in Bazenheid SG im Toggenburg aufspürte, ergriff er die Flucht. Kurz darauf verursachte er einen Unfall, bei dem er und ein zweiter Autofahrer verletzt wurden.

Laut Staatsanwalt wollte der Angeklagte das Auto seines Opfers in betrügerischer Absicht einem Dritten verkaufen. Diesem habe er mit einem fingierten «Vertrag» und einer «Quittung» vortäuschen wollen, das Auto sei ihm vom Geschäftspartner überlassen worden.

Mit dem Erlös aus dem Autoverkauf wollte der Angeklagte laut Staatsanwalt seine Flucht finanzieren. Er hätte wegen anderer Delikte eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren antreten sollen. Die Tat sei skrupellos und der Rentner wegen Mordes zu verurteilen.

Verteidiger: Keine Tötungsabsicht

Der Verteidiger schilderte die Geschichte völlig anders: Die Umstände der Schussabgabe seien unklar. Der Schuss könne sich beim Streit auch unabsichtlich gelöst haben. Nichts weise darauf hin, dass der Mann den langjährigen Geschäftspartner habe töten wollen.

Das Kantonsgericht sprach den Angeklagten mit seinem Urteil vom Freitag wie die Vorinstanz der vorsätzlichen Tötung, des Raubs und weiterer Delikte schuldig. Es setzte das Strafmass massiv hinauf.

(sda)

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