Tödlicher Unfall: Freispruch für Velofahrer
Aktualisiert

Tödlicher Unfall: Freispruch für Velofahrer

Nach einem tragischen Unfall einer älteren Frau auf dem Tierparkweg in Bern hat das Strafeinzelgericht Bern-Laupen zwei Velofahrer vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen.

Die beiden Velofahrer - eine heute 36-jährige Frau und ihr drei Jahre älterer Lebenspartner - waren Mitte Juli vergangenen Jahres auf dem Aareweg von der Elfenau auf dem Tierparkweg Richtung Restaurant Dählhölzli unterwegs, obwohl der Weg mit einem allgemeinen Fahrverbot belegt war.

Von weiten sahen die beiden Radfahrer zwei vor ihnen spazierende Frauen und bremsten ihre Räder auf Schritttempo ab. Sie seien mit Abstand langsam hinter den beiden Frauen hergerollt und hätten gewartet, dass die Fussgängerinnen sie passieren liessen, gaben die beiden Angeschuldigten vor Gericht an.

Sturz übers Aarebord

Eine der beiden Fussgängerinnen drehte sich um und wollte den Radfahrern Platz machen. Dabei stolperte sie über eine Unebenheit auf dem Weg und fiel das Aarebord hinunter. Die 76-jährige Frau verletzte sich bei dem Sturz so schwer, dass sie noch auf der Unfallstelle starb.

Die beiden Velofahrer leisteten sofort Hilfe. Der Mann konnte die teilweise im Wasser liegende Frau festhalten und zusammen mit weiteren herbeigeeilten Personen aus dem Wasser bergen.

Nicht mehr gut zu Fuss

Die zweite Fussgängerin gab als Zeugin vor Gericht an, die Radfahrer hätten überhaupt nicht gedrängelt, um an ihnen vorbei zu fahren. Das spätere Opfer sei nicht mehr allzu gut zu Fuss gewesen und habe - bedingt durch eine Augenkrankheit - ein eingeschränktes Sehvermögen gehabt.

Der Verteidiger forderte für seine Mandanten Freispruch vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung und eine Busse für die Missachtung des Fahrverbots. Der Einzelrichter des Gerichtskreises Bern-Laupen sah dies ebenso. Für die Missachtung des Fahrverbots sprach er eine Busse von je 30 Franken aus.

Todesfall nicht voraussehbar

Das Urteil möge einerseits unangemessen erscheinen, wenn man bedenke, dass eine Frau bei dem Unfall ihr Leben verlor, sagte Gerichtspräsident Sven Bratschi. Andererseits sei nach der allgemeinen Lebenserfahrung der Betroffenen der Todesfall nicht voraussehbar gewesen.

Die Fussgängerin sei durch die Velofahrer auch nicht erschreckt worden und die Radfahrer hätten sich - abgesehen von der Tatsache der Missachtung des Fahrverbots - vorsichtig verhalten.

Es könne zudem nicht ausgeschlossen werden, dass sich der Unfall in gleicher Weise zugetragen hätte, wenn die Spaziergängerinnen nicht von Radfahrern, sondern beispielsweise von anderen Fussgängern oder Joggern überholt worden wären, hielt der Gerichtspräsident fest. Die beiden Velofahrer bedauerten den Vorfall zutiefst.

(sda)

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