Aktualisiert 19.10.2004 15:52

Tödlicher Zwischenfall in der Arztpraxis

Wegen fahrlässiger Tötung steht seit Dienstag eine 60-jährige Gynäkologin in Basel vor Gericht.

Im Mai 2001 war bei einem operativen Eingriff, den die Angeklagte durchgeführt hatte, eine 59-jährige Frau gestorben.

Die Ärztin hatte eine Gebärmutterspiegelung in ihrer Basler Privatpraxis vorgenommen. Dabei hatte eine mit Strom angetriebene Schlinge, mit der sie die Gebärmutterschleimhaut veröden wollte, die Gebärmutterbasis durchbrochen und eine Beckenschlagader und eine Beckenvene perforiert. Die Patientin starb an innerem Verbluten.

Aufklärungsgespräch nicht notiert

Die 59-jährige Patientin hatte sich wegen mehrwöchiger menopausaler Blutungen in die Behandlung ihrer Gynäkologin begeben. Gemäss Anklageschrift war sie über die Risiken des Eingriffs ungenügend aufgeklärt worden. Die Ärztin macht geltend, sie habe zweimal ein Aufklärungsgespräch geführt, dies aber ausnahmsweise in der Krankengeschichte nicht erwähnt.

Die Anklageschrift listet eine ganze Reihe weiterer Vorwürfe auf. Die Ärztin habe das für den Eingriff eingesetzte Hochfrequenz- Stromgerät nicht genügend beherrscht. Auch habe sie sich nicht um eine Behebung der Bildstörungen auf dem Monitor gekümmert. Zu diesen Problemen kam es, weil die Ärztin das Gerät falsch angeschlossen hatte.

Assistentin kündigte

Bei eingeschaltetem Strom habe es auf dem Bildschirm immer zu «schneien» begonnen, berichtete die ehemalige Praxisassistentin, die an jenem 23. Mai 2001 ihren letzten Arbeitstag in der Praxis der Angeklagten hatte. Sie selber hätte unter diesen Umständen nicht hingehalten, sagte sie. Ihr Unbehagen sei einer von mehreren Gründen für ihre Kündigung gewesen.

Im Weiteren bemängelte die Anklage, dass nicht die Ärztin, sondern die Assistentin das Strompedal betätigt habe sowie dass die Angeklagte den mit Risiken verbundenen operativen Eingriff in ihrer Privatpraxis und nicht wie empfohlen im Spital durchführte. Zudem war für einen Notfall kein Szenario vorbereitet.

Die Angeklagte hat keine Erklärung dafür, wie es zu dem tödlichen Zwischenfall gekommen ist. Wenn sie nichts mehr gesehen habe, habe sie den Strom unterbrechen lassen. In der Voruntersuchung hatte sie allerdings gesagt, sie habe während eines gewissen Zeitraums keine optische Kontrolle mehr gehabt.

Neu auch in Luxemburg

Seit dem Zwischenfall habe sie nach einem Gespräch mit dem Sanitätsdepartement freiwillig auf solche Eingriffe verzichtet, sagte die Ärztin. In der Zwischenzeit ist die Angeklagte auch in Luxemburg tätig. Als Motiv dafür nannte sie rein finanzielle Gründe.

Das Urteil des Strafgerichts wird am Donnerstag verkündet. Die zivilrechtliche Seite des Falls ist bereits erledigt.

(sda)

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