Der Reitsport zittert: Tödliches Herpes-Virus verbreitet sich auf mehreren Kontinenten
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Der Reitsport zittertTödliches Herpes-Virus verbreitet sich auf mehreren Kontinenten

Im Pferdesport grassiert ein Virus, das die Tiere verenden lässt. Bisher sind sechs Pferde daran gestorben und viele mehr daran erkrankt.

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Eine Tierärztin nimmt bei einem Pferd einen Nasenabstrich vor. 

Eine Tierärztin nimmt bei einem Pferd einen Nasenabstrich vor.

Dirk Caremans/BELGA/dpa
Hilmar Meyer hat bereits zwei Pferde an das Virus verloren. 

Hilmar Meyer hat bereits zwei Pferde an das Virus verloren.

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Dressurreiterin Dorothee Schneider sagt, dass der Verlust eines Pferdes sehr schmerzt: «Das ist so emotional, das können sich Aussenstehende nicht vorstellen.»

Dressurreiterin Dorothee Schneider sagt, dass der Verlust eines Pferdes sehr schmerzt: «Das ist so emotional, das können sich Aussenstehende nicht vorstellen.»

Friso Gentsch/dpa

Darum gehts

  • Im Pferdesport grassiert ein aggressives Herpes-Virus.

  • Dieses breitet sich schnell aus.

  • Bisher sind sechs Tiere daran gestorben.

  • Auch in Deutschland gibt es einen ersten Todesfall.

In Deutschland ist das erste Pferd nach einer Infektion mit einer neuen Herpes-Variante gestorben. Das Tier ist laut Reitsport-Weltverband FEI zuvor bei einem Turnier in Valencia am Start gewesen, wo vor rund zwei Wochen die aggressive Virus-Variante erstmals festgestellt worden war. Damit erhöht sich die Zahl der gestorbenen Vierbeiner nach FEI-Angaben auf sechs. Teilnehmer des Turniers hatten zuvor von noch mehr toten Pferden berichtet. «Der Ausbruch ist wahrscheinlich der schlimmste seit vielen Jahrzehnten in Europa», sagte FEI-Generalsekretärin Sabrina Ibáñez. Der Weltverband hat mit der Absage aller internationalen Turniere in zehn Ländern reagiert. Diese Regelung gilt zunächst bis am 28. März.

Inzwischen hat die Virusvariante aus Valencia auch die USA erreicht. Nach Angaben eines Turnierveranstalters gibt es in Florida einen positiven Test. Auf dem eigenen Gelände des World Equestrian Center in Ocala, wo seit mehreren Wochen eine Turnierserie läuft, gebe es kein infiziertes Pferd, hiess es in einer Mitteilung. In Katar gibt es ebenfalls positive Tests: In Doha, wo an diesem Wochenende die Global Champions Tour starten soll, waren am Montag zwei Pferde positiv getestet worden.

«Das Virus ist sehr aggressiv»

In Valencia kämpfen derweil viele Pferde mit schweren Krankheitsverläufen gegen den Tod. «Wir kämpfen hier Schulter an Schulter um unsere Pferde», sagte Hilmar Meyer, der einen Handels- und Ausbildungsstall betreibt und bisher zwei Pferde verloren hat. «Ein Albtraum, den niemand erleben sollte», kommentierte die Springreit-Weltmeisterin Simone Blum die Lage. «Das Virus ist sehr aggressiv», berichtete Mike Patrick Leichle. Ein Pferd des Reiters und Turnierstallbetreibers ist bisher in Valencia gestorben. Nach Angaben der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) verursachen die Viren «keine auf Menschen übertragbaren Krankheiten».

Für Mannschafts-Olympiasiegerin Dorothee Schneider wäre das neue Herpesvirus im eigenen Stall «der Super-Gau». In einem Interview beschrieb die 52-jährige Dressurreiterin auch, wie sehr der Verlust eines Pferdes schmerzt. «Das ist so emotional, das können sich Aussenstehende nicht vorstellen», sagte Schneider: «Pferde wachsen uns ans Herz, das ist ein jahrelanges Miteinander. Es ist eine schreckliche Situation. Vor einiger Zeit habe ich den Verlust bei einer Bekannten mitbekommen.»

(dpa/hua)

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