07.09.2020 14:01

«Sie heizen wie die Gestörten»Töfflifahrer (15) starb auf beliebter Raserstrecke

Nachdem am Freitag in Oberwangen TG ein Töfflifahrer bei einem Verkehrsunfall gestorben ist, melden sich nun die Anwohner zu Wort. Die Strasse sei als Raserstrecke berüchtigt, sagen sie.

von
Nathan Keusch
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Bei einer Kollision mit einem Auto in Oberwangen TG starb am Freitag ein 15-jähriger Töfflifahrer.

Bei einer Kollision mit einem Auto in Oberwangen TG starb am Freitag ein 15-jähriger Töfflifahrer.

Foto: Kapo TG
Anwohner sagen, die Strasse sei eine beliebte Raserstrecke: «Vor allem Töfffahrer heizen hier wie die Gestörten», so ein Anwohner.

Anwohner sagen, die Strasse sei eine beliebte Raserstrecke: «Vor allem Töfffahrer heizen hier wie die Gestörten», so ein Anwohner.

20 Minuten
Er beschreibt den Unfallort auf der Aumühlestrasse als unübersichtlich, schmal und kurvenreich.

Er beschreibt den Unfallort auf der Aumühlestrasse als unübersichtlich, schmal und kurvenreich.

Screenshot: Google Maps

Darum gehts

  • Die Strasse, auf der am Freitag ein Töfflifahrer von einem Auto erfasst wurde, gilt als beliebte Raserstrecke.
  • Anwohner beklagen sich über die Verkehrsrowdys, einige wünschen sich eine Temporeduktion.
  • In den letzten Monaten wurde auf der Strecke keine Geschwindigkeitskontrolle von der Polizei durchgeführt.

In Oberwangen, einem Ortsteil von Fischingen TG, ist es am Freitag zu einem tödlichen Unfall gekommen. Ein 15-Jähriger wurde beim Einbiegen in die Aumühlestrasse von einem Citroën erfasst und dabei schwerst verletzt. Wie die Kantonspolizei Thurgau mitteilte, verstarb er kurz darauf im Spital. Im Dorf ist die Unfallstelle als Raserstrecke berüchtigt.

Der Unfallort sei kurvenreich, unübersichtlich und schmal, schildert ein Anwohner: «Es hat wunderbare Kurven auf dem Abschnitt ausserorts. Vor allem Töfffahrer heizen hier wie die Gestörten.» Aber auch die Autofahrer seien auf der Strecke gerne zu schnell unterwegs. Sogar in seiner Wohnung höre er die Motoren der Temposünder jeweils deutlich.

Anwohner wünscht sich Blitzer und Kontrollen

Die Raser machten die Strasse zu einem Risikogebiet, sagt der Anwohner: «Als Fussgänger ist die Strasse sehr gefährlich. Wenn ich mit meinem 5-jährigen Sohn dort spazieren gehe, hat er mit dem Trottinett Angst auf der Strasse.» Es wäre an der Zeit, dass die Gemeinde aktiv würde, findet er. Er wünschte sich auf der Strecke vermehrte Tempokontrollen oder sogar einen Blitzer. Auch eine Reduktion der erlaubten Höchstgeschwindigkeit würde er begrüssen.

Ein Nachbar ist in diesem Punkt nicht einverstanden: «Es ist schon ein bisschen eine Raserstrecke, aber eigentlich ist sie ungefährlich», sagt dieser. Eine Geschwindigkeitsreduktion hält er für übertrieben. «Die Leute sollen sich einfach ans Tempolimit halten, dann ist gut.»

Den Behörden ist das Problem unbekannt

Gemeinderat Elmar Stillhart (FDP) ist verantwortlich für den Verkehr und die Sicherheit in Fischingen. Bislang sei die Situation auf der Aumühlestrasse noch kein Thema im Gemeinderat gewesen. Aber Stillhart kennt den unübersichtlichen Streckenabschnitt: «Bereits mit dem erlaubten Tempo 80 ist man auf der Strecke zügig unterwegs.»

Ein Herabsetzen der Höchstgeschwindigkeit sei jedoch ein schwieriges Unterfangen, weiss Stillhart. Da sich der besagte Streckenabschnitt ausserorts befinde, laufe die Temporeduktion über den Kanton. «Das Anliegen wäre schwer zu begründen, da es entlang der Strasse keine Liegenschaften hat», sagt Stillhart.

Polizei kontrollierte Geschwindigkeit zuletzt nicht

Ein Augenzeuge des Unfalls berichtete 20 Minuten bereits, dass das Auto nicht zu schnell unterwegs gewesen sei. Die Geschwindigkeit der Fahrzeuge ist nun Gegenstand der polizeilichen Untersuchung. «Wir wissen, dass das Töffli eine steile Strasse hinunterkam und auf die Gegenfahrbahn geriet», sagt der Thurgauer Polizeisprecher Matthias Graf. Ob der Töfflifahrer oder der Citroën am Freitag zu schnell unterwegs waren, müsse momentan noch abgeklärt werden.

«Der Bereich ist kein Unfallschwerpunkt», sagt Graf. Da es keine Hinweise auf überhöhte Geschwindigkeiten gegeben habe, sei das Tempo auf der Aumühlestrasse in den letzten Monaten nicht von der Polizei kontrolliert worden.

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