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Festnahme gefilmtTöffraser wollte mit Fahrt «den Kopf lüften»

Das Youtube-Video des Töffrasers A. R.* und seine Verhaftung schlugen im Juni 2015 hohe Wellen. Nun wurde er zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt.

von
taw

Vor dem Kreisgericht St. Gallen musste sich kürzlich der 42-Jährige A. R.* verantworten. Ihm wurden neun qualifizierte grobe, 46 grobe und 28 einfache Verletzungen der Verkehrsregeln vorgeworfen, wie das «St. Galler Tagblatt» am Dienstag schreibt. Sie alle wurden von seiner Helmkamera gefilmt, die er während der Fahrt trug. Zudem ist auf der Kamera eine weitere Fahrt mit diversen Verfehlungen vom 19. Juli 2014 zu sehen.

R. war vor Gericht geständig und zeigte sich reuig. Schon damals, als das Video im Juni 2015 aufkam, erklärte er gegenüber 20 Minuten: «Ich habe Scheiss gemacht und Menschenleben gefährdet.» Es sei ein einmaliger Fehler in seinem Leben gewesen. Die Staatsanwaltschaft klagte ihn deshalb in einem abgekürzten Verfahren an. Das Kreisgericht verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 23 Monaten mit einer Probezeit von zwei Jahren. Zudem muss er eine Busse von 1000 Franken und die Verfahrenskosten zahlen.

Viel zu schnell und ohne Kontrollschild

Zur Raser-Fahrt kam es am 1. September 2014. R. fuhr mit seinem Töff von Wittenbach her kommend Richtung St. Gallen, dabei überholte er waghalsig andere Fahrzeuge und verursachte übermässig Lärm. Zudem fehlte das Kontrollschild. Wie das «Tagblatt» schreibt, fiel der Raser auf der Langgasse einer Polizeipatrouille auf. Allerdings liess sich R. davon nicht beirren. Die Matrix-Leuchte «Stopp Polizei» ignorierte er und flüchtete. Es folgte eine wilde Verfolgungsjagd, bei der er diverse Rotlichter missachtete und seine KTM A 990 derart schnell beschleunigte, dass er zeitweise nur auf dem Hinterrad fuhr. An der Verzweigung Tablatstrasse / Rehetobelstrasse nahm die Flucht ein jähes Ende. Der Töfffahrer stürzt und wird sofort von zwei Polizisten überwältigt. Diese schlagen auf ihn ein und beleidigen ihn, wie auf dem Video der Helmkamera ersichtlich ist.

Als er vor Gericht nach dem Grund für die Fahrt gefragt wird, gibt er laut «Tagblatt» an, er habe zuvor ein Burn-out erlitten und dadurch seine Firma verloren. Zudem sei seine Ehe gescheitert. «Mit der Töfffahrt wollte ich meinen Kopf auslüften», so R. Dann sei plötzlich alles hochgekommen und so habe er zu rasen begonnen. Beim Anblick der Polizei sei es zu einer Kurzschlusshandlung gekommen. Zudem sei er noch heute wegen schwerer Depressionen in Behandlung.

Hier die komplette Raser-Fahrt:

Verhaftung von Töffraser in St.Gallen

* Name der Redaktion bekannt

Verfahren gegen Polizisten

Auch gegen die zwei an der Verhaftung beteiligten St. Galler Stadtpolizisten wurde ein Verfahren eingeleitet. Es war zu klären ob sich die Stadtpolizisten wegen Amtsmissbraucsh und Beschimpfungen verantworten müssen. Wie Andreas Baumann, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft St. Gallen, am Dienstag auf Anfrage sagt, ist das Verfahren abgeschlossen. Beim einen Polizisten wurde das Verfahren eingestellt. Das ist bereits rechtskräftig. Beim zweiten Polizisten wurde Anklage erhoben.

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