Schlafzimmer-Räuber: «Tötet mich, aber bitte nicht meine Kinder»
Aktualisiert

Schlafzimmer-Räuber«Tötet mich, aber bitte nicht meine Kinder»

Eine Familie in Linden BE hat den blanken Horror erlebt. Unbekannte drangen nachts in ihre Wohnung ein, würgten den Sohn und drohten, alle umzubringen. Die Angst hat die Familie noch immer fest im Griff.

von
Nina Jecker

Für B.D.* wird das Leben mit ihrer Familie wohl nie wieder so sein wie vor dem vergangenen Wochenende. Die vierfache Mutter war in der Nacht auf Sonntag alleine mit zwei ihrer Kinder in ihrer Wohnung in Linden – ihr Mann befand sich auf einer Hochzeit in Langenthal. Als sie gegen ein Uhr durch Geräusche geweckt wurde, standen drei fremde Männer in der Wohnung. «Zuerst gaben sie sich als Polizisten aus», erzählt D. Doch die Einbrecher zeigten schnell ihr wahres brutales Gesicht.

Die mit Strümpfen beziehungsweise einem Tuch mit Löchern für Mund und Augen vermummten Täter holten den 15-jährigen Sohn aus dem Bett. Sie würgten ihn und drohten, den Jungen mit einem Schraubenzieher zu erstechen. «Er rief mir zu, dass er keine Luft mehr kriegt», so die immer noch sichtlich geschockte D. Ihr hielten die Einbrecher derweil eine Pistole an den Hals und verlangten Geld. «Sie wollten nicht glauben, dass nichts da ist, drohten immer wieder uns zu töten und durchwühlten die ganze Wohnung», so D. Die dreijährige, schlafende Tochter kippten sie dabei samt Matratze aus dem Bett. Weil die Wohnung im selben Gebäude ist wie die Gemeindeverwaltung und eine Raiffeisen-Filiale, waren die laut D. Albanisch und Schweizerdeutsch sprechenden Einbrecher überzeugt, dass etwas zu holen sein müsse. Nach rund 20 Minuten gaben sie die Suche dann aber doch auf.

Räuber drohten wiederzukommen

Doch damit ging für Mutter und Sohn der Albtraum weiter: «Ich musste ihnen dreimal mit Handschlag versprechen, nicht die Polizei zu informieren», so D. Immer wieder hätten die Täter gedroht, ansonsten sie, ihren Mann und jedes der Kinder umzubringen. «Sie sagten, sie würden uns überall finden.» Zur Sicherheit legten die Räuber das Haustelefon lahm. Trotz der Einschüchterungen riefen D. und ihr Sohn nach dem Abgang der Kriminellen völlig unter Schock ihren Nachbarn an, damit dieser die Polizei alarmiere. Das Mobiltelefon des Teenagers hatten die Täter übersehen und nicht eingesteckt. Auch ihren Mann rief D. an, «er erlitt fast einen Herzinfarkt, als er nach Hause kam und weinte nur noch», sagt seine Frau.

Die Nacht nach dem Überfall verbrachte die Familie in einem Hotel. Zurück in der Wohnung ist die Angst aber noch immer riesig. «Ich lasse meine Kinder nicht alleine nach draussen und habe fürchterliche Angst, dass sich die Täter an uns rächen werden.»

Nächte werden zu Zerreissproben

Auch bei der Gemeinde Linden zeigte man sich gestern tief betroffen: «Es ist unvorstellbar, was die Familie durchgemacht haben muss», so Gemeindepräsidentin Ruth Linder, die am Sonntagmorgen selbst vor Ort war und zur Betreuung der Opfer ein Care Team aufbot. Damit sich so etwas nicht wiederholt, müsse der Gemeinderat jetzt über Sicherheitsmassnahmen beraten, findet Linder. «Die beschädigten Türen werden sicher durch bessere ersetzt. Weitere Schritte, wie etwa einen Antrag auf Videoüberwachung einzureichen, werde man diskutieren.»

Für die betroffene Mutter, die seit der Tat keinen Schlaf mehr findet und immer wieder nach ihren Liebsten schaut, werden die nächsten Nächte trotzdem zur Zerreissprobe: «Es ist mir egal, wenn sie mich töten, aber bitte nicht meine Kinder.» Von den Tätern fehlt derweil jede Spur. Die Kantonspolizei fahndet nach drei Männern zwischen 20 und 30 Jahren, die um die 1.80 Metern gross sind. Bei der Tat trug einer schwarz-weisse Nike-Turnschuhe. Einer seiner Komplizen hatte eine auffällige weisse Jacke mit einem schwarzen Sujet an, möglicherweise handelt es sich dabei um einen Drachen.

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