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Bluttat von BaselTötete der Messerstecher im psychotischen Wahn?

Die psychische Gesundheit von Raphael F.*, dem Messerstecher von Basel, steht derzeit im Vordergrund der Ermittlungen. Tötete er seine Opfer in einem psychotischen Wahn?

von
lha

Die Bluttat von Basel beschäftigt Ermittler und Öffentlichkeit weiterhin. Noch immer ist das Motiv unbekannt, warum Raphael F.* am Montag zwei ihm offenbar nicht bekannte Frauen getötet hat. Die Staatsanwaltschaft sagt vorderhand nichts mehr zum Fall, während über F. nun ein forensisch-psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben wurde.

Dies deutet daraufhin, dass er sich zur Tatzeit in einem psychischen Ausnahmezustand befunden hat. Es gibt mehrere Indizien, die für diese Annahme sprechen. Schon in der Primarschule war F. wiederholt gewalttätig und Nachbarn schilderten ebenfalls Übergriffe in der jüngeren Vergangenheit. So soll er Drohungen ausgesprochen haben und auch frustriert gewirkt haben. Ausserdem war er im Haus als Kiffer bekannt. Aussagen, wonach die Polizei aus der Wohnung einkaufstaschenweise Marihuana abtransportiert habe, wurden von der Staatsanwaltschaft aber nicht bestätigt. Bekannt ist aber auch, dass F. nach der Tat zunächst Zuflucht bei einem Nachbarn gesucht hatte, wo er längere Zeit stumm auf einem Stuhl sass.

Cannabis kann Psychosen auslösen

Dass die Tat möglicherweise auch durch seinen Cannabiskonsum begünstigt wurde, lässt sich nicht ausschliessen, sagt Anita Riecher-Rössler, Chefärztin der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel und Spezialistin in der Früherkennung von Psychosen. «Cannabis wird generell unterschätzt», sagt sie. Insbesondere im Entzug kann es eventuell aggressive Tendenzen verstärken. Wenn eine Veranlagung beim Täter vorhanden war, könnte es auch sein, dass das Kiffen zu einer Psychose geführt hat. Das macht ihn aber nicht automatisch gefährlich. Eine Neigung zur Gewalt müsse da schon auch vorhanden sein, so Riecher-Rössler.

Dass Raphael F. auf Grund einer psychischen Störung gehandelt hat, klingt auch für den erfahrenen Aargauer Gerichtspsychiater Josef Sachs plausibel. «Wenn von aussen kein Anlass erkennbar ist, spricht es dafür, dass der Tatgrund aus seinem Inneren kommt», sagt er. Für eine psychische Erkrankung sprechen auch die beiden vordergründig zufälligen Opfer. Wenn F., wie die «Basler Zeitung» am Donnerstag spekulierte, eigentlich zu seinem Vater und danach zu einer Wohngemeinschaft, in der er verkehrt haben soll, wollte, hätte er sich zuerst im Haus und dann im Treppenaufgang geirrt. Das wäre wenig wahrscheinlich, sagt Sachs. Aber eine psychische Problematik könnte ein solches Verhalten erklären.

Die Tat ist kein Einzelfall

Unter den jährlich rund 60 bis 70 Tötungsdelikten, die in der Schweiz verübt werden, sind stets auch solche, die vergleichbar sind mit der Bluttat von Basel. «Sie stehen meistens im Zusammenhang mit psychischen Problemen», weiss Sachs. Speziell an diesem Fall seien aber die Opfer. In der Regel treffe es Leute aus dem Umfeld des Täters.

*Name der Redaktion bekannt

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