Attentat von Orlando: Tötete Omar Mateen, weil er selbst schwul war?

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Attentat von OrlandoTötete Omar Mateen, weil er selbst schwul war?

Das Eigene am anderen bekämpfen: Ein Psychologe hält es für möglich, dass ein Motiv des Todesschützen von Orlando seine Homosexualität war.

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mlr
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Zeugen wollen den Schützen von Orlando bereits vor seiner Tat häufiger im bei Schwulen und Lesben beliebten Club Pulse gesehen haben. Omar Mateen erschoss dort am 12. Juni 2016 49 Menschen.

Zeugen wollen den Schützen von Orlando bereits vor seiner Tat häufiger im bei Schwulen und Lesben beliebten Club Pulse gesehen haben. Omar Mateen erschoss dort am 12. Juni 2016 49 Menschen.

AFP/Myspace.com
Der Psychologe Udo Rauchfleisch hält es für möglich, dass der Schütze von Orlando mit seiner eigenen sexuellen Orientierung haderte und diesen Kampf nach aussen verlegte.

Der Psychologe Udo Rauchfleisch hält es für möglich, dass der Schütze von Orlando mit seiner eigenen sexuellen Orientierung haderte und diesen Kampf nach aussen verlegte.

AFP/Myspace.com
Dass Mateens Homophobie in seiner eigenen Sexualität begründet liegen könnte, dafür gibt es auch in der Wissenschaft einige Hinweise .

Dass Mateens Homophobie in seiner eigenen Sexualität begründet liegen könnte, dafür gibt es auch in der Wissenschaft einige Hinweise .

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Nach dem blutigen Attentat auf den Nachtclub Pulse in Orlando spekulieren US-Medien über das Motiv des Schützen Omar Mateen, der sich zum «Islamischen Staat» bekannte. Dabei rückt die sexuelle Orientierung des Massenmörders immer weiter in den Vordergrund. Tötete der muslimische 29-Jährige aus Selbsthass 49 Menschen, weil er selber schwul war? Und welche Rolle spielte dabei seine Religion?

Zeugen berichten, sie hätten Mateen mehrmals im bei Schwulen und Lesben angesagten Club Pulse gesehen. Zudem sei er auf Dating-Apps für Homosexuelle aktiv gewesen, berichtet die «Washington Post», und seine Ex-Frau meinte laut «Daily Mail», homosexuelle Tendenzen bei ihm zu erkennen.

«Wie ein Vulkan»

Der Psychologie-Professor Udo Rauchfleisch schliesst nicht aus, dass der Schütze von Orlando mit seiner eigenen sexuellen Orientierung haderte und diesen Kampf nach aussen verlegte. Diese Strategie sei gerade unter jungen Männern häufig. «Sie bekämpfen am anderen das Eigene», sagt der Basler Psychologe zu 20 Minuten. Ausserdem könne die eigene religiöse Radikalisierung den Druck verschärft haben.

«Man kann sich das Verhalten wie einen Vulkan oder einen Dampfkochtopf vorstellen», so Rauchfleisch. Der immer grössere Innendruck führe dazu, dass plötzlich Gewalt hervorbreche.

Homophobie in der Wissenschaft

Dass Mateens Homophobie in seiner eigenen Sexualität begründet liegen könnte, dafür gibt es auch in der Wissenschaft einige Hinweise. Bereits Sigmund Freud, Urvater der Psychoanalyse, ging davon aus, dass homophobe Menschen mit ihrem Verhalten ihre eigenen homosexuellen Impulse bekämpfen. Labortests amerikanischer Psychologen stützen die These. Sie zeigten Männern, die selbst zugaben, homophob zu sein, Schwulenpornos. Über die Hälfte der homophoben Probanden reagierte auf die Filme mit sexueller Erregung. Bei den heterosexuellen Männern, die keine Probleme mit Homosexuellen hatten, waren es nur 24 Prozent.

Vorbehalte gegenüber Homosexuellen kommen Studien zufolge ausserdem gehäuft bei stark religiösen Menschen vor. Das zeigte unter anderem der Kieler Psychologe Bernd Simon, der gemäss «Welt» türkischstämmige junge Männer befragte. Dass religiöse Zugehörigkeit und die eigene sexuelle Orientierung Menschen in grosse Gewissenskonflikte stürzen können, beweist auch der Fall des evangelikalen US-Predigers Ted Haggard, der Homosexualität vehement verteufelte und später zugeben musste, ein sexuelles Verhältnis zu einem Callboy gehabt zu haben.

«Es war der einfachste Weg»

Der Psychologe Rauchfleisch zieht die katholische Kirche zum Vergleich heran. Es gebe viele Fälle von geistlichen Würdenträgern, die zum Teil auf massive Art gegen Lesben und Schwule vorgegangen seien, weil sie selbst homosexuell seien, dies ablehnen und dann an Schwulen bekämpfen würden. «Sie wenden keine brachiale Gewalt an», sagt Rauchfleisch. Sie seien überzeugt, dass sie mit ihrer Verurteilung von Homosexualität andere Menschen retten.

Warum aber beliess es der Massenmörder Omar Mateen nicht bei verbalen Attacken? Warum machte er einen möglichen inneren Konflikt nicht mit sich selber aus? «Auch wenn es schrecklich klingt: Es ist der einfachste Weg, die Gewalt nach aussen zu richten», glaubt Rauchfleisch. «Es wäre für so jemanden keine Lösung, sich einfach selber umzubringen.» Möglicherweise habe er das Massaker vor sich selbst auch als gute Tat gerechtfertigt.

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