Aktualisiert 12.02.2015 10:33

Drei Muslime erschossen

«Tötungen hatten nichts mit Religion zu tun»

In den USA hat ein Mann drei Muslime getötet. Schnell machten Spekulationen über antiislamische Motive die Runde. Die Polizei geht von einem Parkplatzstreit aus.

Diese drei Personen wurden auf offener Strasse erschossen.

Diese drei Personen wurden auf offener Strasse erschossen.

Die Tötung dreier muslimischer Studenten hat am Mittwoch die US-Universitätsstadt Chapel Hill aufgewühlt und Spekulationen um antiislamische Motive hervorgerufen. Die Polizei nahm einen 46-jährigen Mann als mutmasslichen Mörder fest und erklärte, Motiv sei ein langer Streit unter Nachbarn um Parkplätze. Doch wurde in sozialen Medien unter den Stichwörtern «Das Leben von Muslimen zählt» und «Nenn' es Terrorismus» über antimuslimische Motive spekuliert. Die Polizei versprach gründliche Ermittlungen.

Der Verdächtige Craig H. beschreibt sich selbst als einen «bewaffneten» Atheisten. Nachbarn sagten, er scheine immer wütend gewesen zu sein und es sei regelmässig zu Streit mit ihm gekommen. Seine Exfrau berichtete, er sei besessen gewesen von dem Amoklauffilm «Falling Down - Ein ganz normaler Tag» mit Michael Douglas. H. habe zudem «keinerlei Mitgefühl» für andere Menschen gehabt.

Frau will sich scheiden lassen

Seine jetzige Frau Karen erklärte, die Tötungen «hatten nichts mit Religion oder dem Glauben der Opfer zu tun». Sie hingen vielmehr mit dem langanhaltenden Disput über die Parksituation zusammen. In einer weiteren Erklärung am Mittwochabend teilte sie mit, sie werde sich scheiden lassen.

Die drei Toten waren am Dienstagabend (Ortszeit) tot in einer Wohnanlage nahe der Universität von North Carolina in Chapel Hill entdeckt worden. Der 46-jährige H. wurde festgenommen und am Mittwoch erstmals vom Haftrichter vernommen. Er antwortete nur kurz auf Fragen zum Verfahren. Die Polizei bezeichnet ihn als kooperativ.

«Wir werden Hinweis nachgehen»

Abgesehen von dem Hinweis auf den Parkplatzstreit äusserten sich die Ermittler nicht zu Motiven. Polizeichef Chris Blue schrieb in einer E-Mail: «Wir verstehen die Bedenken über die Möglichkeit, dass dies hassmotiviert war, und wir werden jedem Hinweis nachgehen, ob das der Fall war.»

Die drei Opfer sind ein 23 Jahre alter Mann, dessen 21-jährige Frau sowie deren 19-jährige Schwester. Alle drei waren Muslime. Der junge Mann stammt nach Angaben eines Bekannten aus Syrien und studierte Zahnmedizin. Gleichzeitig habe er Geld für Flüchtlinge in seiner Heimat gesammelt, sagte Muneeb Mustafa, der das Opfer von Moscheebesuchen kannte.

Hilfe für Flüchtlinge mit Zahnproblemen

Die junge Frau, die ebenfalls ein Studium der Zahnmedizin aufnehmen wollte, war nach Mustafas Worten im Sommer in die Türkei gereist, um Syrien-Flüchtlingen mit Zahnproblemen zu helfen. Beide hatten bereits einen ersten Abschluss der North Carolina State University erreicht. An der Hochschule war am Mittwochabend eine Mahnwache für die Opfer angedacht.

Der Vater der beiden Frauen sagte, er sei überzeugt davon, dass Hass ein Motiv für die tödlichen Schüsse gewesen sei. «Die Medien hier bombardieren die amerikanischen Bürger mit islamischem, islamischem, islamischem Terrorismus und sorgen dafür, dass die Leute hier Angst vor uns haben und uns hassen und uns wegwünschen», sagte er.

Der Rat für amerikanisch-muslimische Beziehungen mahnte rasche Aufklärung an. «Angesichts der Brutalität in dem Fall und der religiösen Kleidung von zweien der Opfer und der wachsenden antimuslimischen Rhetorik in der amerikanischen Gesellschaft drängen wir die Vertreter des Staats und des Bundes, rasch auf die Spekulationen über Vorurteile als Motiv einzugehen», erklärte die Organisation. (sda)

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