Obertoggenburg: Toggenburger Bergbahnen droht die Trennung

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ObertoggenburgToggenburger Bergbahnen droht die Trennung

Die Bergbahnen im Obertoggenburg liegen im Clinch. Grund: Nachdem auf dem Chäserrugg der Prestige-Bau eröffnet worden ist, wollen die Betreiber mehr Geld.

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rar
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Die Bergbahnen im Toggenburg verhandeln zurzeit ihre Differenzen ...

Die Bergbahnen im Toggenburg verhandeln zurzeit ihre Differenzen ...

ZVG
... um Touristen ein bestmögliches Angebot bieten zu können.

... um Touristen ein bestmögliches Angebot bieten zu können.

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Das neue Gipfelgebäude auf dem Chaeserrugg der Basler Architekten Herzog & De Meuron ...

Das neue Gipfelgebäude auf dem Chaeserrugg der Basler Architekten Herzog & De Meuron ...

Keystone/Gian Ehrenzeller

Wollten Skifahrer und Wanderer im Obertoggenburg die Bergbahnen Wildhaus oder Chäserrugg nutzen, reichte bislang nur ein Billett. Dass dieses auf beiden Bergbahnen gültig ist, ist seit 35 Jahren eine Selbstverständlichkeit.

Seit diesem Frühling liegen die beiden Bergbahnen jedoch im Clinch: Die Toggenburger Bergbahn AG (TBB), auch Chäserruggbahn genannt, will mehr Einnahmen und hat deshalb das gemeinsame Wander- und Skiticket aus dem Sortiment gestrichen. Für Touristen bedeutet dies, dass sie nun zwei Billette für ein und dieselbe Tourismusdestination lösen müssen.

Hohe Investitionen auf beiden Seiten

Erst dieses Jahr wurde auf dem Gipfel des Chäserruggs ein neues Gipfelrestaurant eröffnet. Es wurde von den Basler Star-Architekten Herzog & de Meuron entworfen und kostete die TBB AG rund sieben Millionen Franken. Dieses Jahr hat die Bergbahn bereits 24 Millionen investiert und baut zurzeit an einer neuen Gondelbahn, die weitere 20 Millionen Franken kosten soll. Die Bergbahnen Wildhaus wollen ebenfalls ausbauen: rund 18 Millionen Franken wird die Erweiterung kosten.

Mélanie Eppenberger, Verwaltungsratspräsidentin der TBB, begründet die Kündigung gegenüber TVO: «Wir streben nicht einen Tarifverbund an, um unbedingt eine bestehende Struktur am Leben zu erhalten.» Ihr Ziel sei es, den Kunden zukunftsorientierte Produkte anbieten zu können und damit attraktiv zu bleiben.

Schaden für die ganze Region befürchtet

In Wildhaus versteht man das Vorgehen der TBB nicht: «Die TBB stellt die regionalen Tarife in Frage, obwohl sie für den Neubau ihrer Gondelbahn sowieso mehr Geld aus dem Tarif-Pool bekommt», sagt Urs Gantenbein, Geschäftsführer der Bergbahnen Wildhaus AG. Die TBB wolle nochmals ein paar hunderttausend Franken mehr herausholen, sagt Gantenbein: «Die Betreiber der TBB haben das Gefühl, sie hätten den Tarifverbund nicht mehr nötig.» Er befürchtet, dass die ganze Region Schaden nimmt, wenn die wichtigsten Bergbahnen nicht mehr mit einem Ticket befahren werden könnten.

Gantenbein gibt sich dennoch zuversichtlich: «Auch wenn die Betreiber auf dem Chäserrugg ein 'Top Of Toggenburg' errichten wollen, dürfen die Gäste nicht darunter leiden.» Er glaube nach wie vor, dass eine einvernehmliche Lösung möglich ist und der Tarifverbund gerettet werden kann: «Wir sind bereit, eine allfällige Neulösung zu prüfen und sofort anzuwenden.»

Tourismusverband hofft auf Einigung

Der Präsident des Toggenburger Tourismusverbands, Max Nadig, hofft ebenfalls, dass die Differenzen der Bahnbetreiber ausgeräumt werden können: «Noch laufen die Verhandlungen.» Die Bahnen hätten Millionenbeträge investiert und würden noch mehr Geld in den Ausbau ihrer Anlagen stecken. Nadig: «Nun läuft ein Pokerspiel, um möglichst viel Geld .» Bis Mitte September habe man noch Zeit.

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