Währungskrieg: Tokio fürchtet Zorn Trumps wegen Export-Boom
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WährungskriegTokio fürchtet Zorn Trumps wegen Export-Boom

Der schwache Yen beflügelt die japanischen Ausfuhren. Einige Experten glauben, die Nationalbank werde bald von ihrer ultralockeren Geldpolitik abrücken – oder abrücken müssen.

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rub
Die USA weisen im Handel mit Japan ein grosses Defizit aus: Japan- und USA-Fähnchen am Desk eines Devisenhändlers in Tokio. (24. Januar 2017)

Die USA weisen im Handel mit Japan ein grosses Defizit aus: Japan- und USA-Fähnchen am Desk eines Devisenhändlers in Tokio. (24. Januar 2017)

Keystone/EPA/Kimimasa Mayama

Angesichts der Unsicherheiten über den Kurs von US-Präsident Trump verharren Japans Währungshüter in Wartestellung. Während sie die geldpolitischen Zügel locker halten, rechnen sie mit einem etwas stärkeren Anziehen der Wirtschaft. Der schwache Yen machts möglich.

Japans Wirtschaft dürfte nach Einschätzung der Notenbank dank des schwachen Yen weiter zulegen. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) der drittgrössten Volkswirtschaft der Welt werde im kommenden Fiskaljahr, das am 1. April beginnt, um real 1,5 Prozent zulegen, erklärte die Bank of Japan (BoJ) am Dienstag und hob damit ihre Prognose leicht an. Im November waren Japans Währungshüter noch von einem Wachstum von 1,3 Prozent ausgegangen. Auf ihrer ersten Sitzung nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump entschieden sie, die Geldschleusen unverändert offen zu halten.

Furcht vor Währungskrieg

In Marktkreisen gibt es Sorgen, dass Trump der BoJ vorwerfen könnte, den Yen durch die extrem lockere Geldpolitik absichtlich abzuwerten. Ein schwacher Yen verschafft Japan höhere Exporterlöse. Erst im September hatte die BoJ mit einem neuen langfristigen Zinsziel eine neue Phase ihrer Billiggeld-Politik eingeleitet, um so mehr Flexibilität bei der Ankurbelung der Wirtschaft zu gewinnen.

Seither wird der langfristige 10-Jahres-Zinssatz bei etwa null Prozent gehalten, während der kurzfristige Zins bei minus 0,1 Prozent verharrt. Die Geldmenge soll derweil so lange ausgeweitet werden, bis das Inflationsziel von zwei Prozent erreicht ist. Doch inzwischen wird an den Finanzmärkten darüber gerätselt, ob die BoJ im späteren Jahresverlauf unter dem Druck von Trump den Kurs ändern und ihre jahrelange extreme Lockerung der Geldpolitik möglicherweise beenden könnte. BoJ-Gouverneur Haruhiko Kuroda sah sich am Dienstag dazu veranlasst zu erklären, die Geldpolitik seines Hauses ziele nicht auf die Währung. Seit Trumps Wahl zum US-Präsident hat der Yen zum Dollar um mehr als 10 Prozent nachgegeben.

Der schwache Yen trug dazu bei, dass Japans Exporte und die Industrieproduktion anziehen. Im Dezember stieg die Produktion um 0,5 Prozent an, wie die Regierung am Dienstag erklärte. Auch die Erholung der US-Wirtschaft veranlasste die Notenbank, die wirtschaftlichen Aussichten etwas besser einzuschätzen. Auch die Inflation dürfte nach Einschätzung der Währungshüter dank des schwächeren Yen anziehen. (rub/sda)

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