Aktualisiert 07.10.2014 17:26

Soziale AusgrenzungTolle Geschichten behält man lieber für sich

Von spannenden Erlebnissen berichten wir gerne und ausufernd - um die Geschehnisse zu teilen, aber auch um im Mittelpunkt zu stehen. Doch damit manövrieren wir uns oft ins Aus.

von
fee
Wer einen Star wie Cate Blanchett getroffen hat, sollte davon nicht jedem erzählen.

Wer einen Star wie Cate Blanchett getroffen hat, sollte davon nicht jedem erzählen.

Die Begegnung mit einem Star, das Erreichen eines Gipfels oder ein unverhofftes Kompliment: Wer Aussergewöhnliches erlebt hat, erzählt seinen Mitmenschen gerne davon. Schliesslich möchte man seine Familie, Freunde und Bekannte daran teilhaben lassen. Doch statt ein Miteinander zu erzeugen, werden die begeisterten Erzähler oft zu Aussenseitern, wie Forscher der Universität Harvard im Fachjournal «Psychological Science» berichten.

Für seine Studie lud das Team um Gus Cooney 68 Probanden in Vierer- Gruppen in ihr Labor ein. Jeweils einer bekam dort einen besonders aussergewöhnlichen Film vorgespielt, in dem ein Magier viele Menschen beeindruckt. Die anderen Teilnehmer aus der Gruppe mussten sich einen vergleichsweise langweiligen Animationsfilm anschauen. Anschliessend kamen alle vier zu einer Gesprächsrunde zusammen, in der über das Gesehene gesprochen wurde. Dabei war allen klar, dass einer von ihnen einen ganz besonderen Streifen gesehen hatte.

Überraschende Erkenntnis

Danach wurden alle Studienteilnehmer gefragt, wie sie die Diskussion erlebt hatten. Das Ergebnis: Diejenigen, die den tollen Film geschaut hatten, fühlten sich durchschnittlich am schlechtesten und berichteten davon, sich während der Gesprächsrunde als Aussenseiter gefühlt zu haben.

Über diesen Nachteil scheinen sich Menschen im Allgemeinen nicht im Klaren zu sein, so die Forscher in einer Mitteilung der Association for Psychological Science. In einem weiteren Schritt baten sie die Probanden, die den langweiligen Film gesehen hatten, sich vorzustellen, wie sie sich wohl als «privilegierte» Teilnehmer gefühlt hätten. Diese stellten sich das besonders positiv vor und gaben an, sich in der Gesprächsrunde besonders stark integriert zu fühlen.

Die Studie zeige, dass man immer gut überlegen sollte, wann man wem welche Erlebnisse mitteilt. «Wenn eine Erfahrung dich als jemanden erscheinen lässt, der nichts mit anderen gemeinsam hat, dann wird dich die entsprechende Geschichte unterm Strich nicht glücklich machen, egal wie toll sie ist», so der Forscher. Denn soziale Interaktion basiere stark auf Gemeinsamkeiten.

Kennen Sie das auch? Haben Sie sich schon einmal mit einem Erlebnisbericht ins Aus manövriert? Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen im Kommentarfeld mit!

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