Aktualisiert 15.02.2006 21:33

Zürich, Freitag 19.5. / Samstag 20.5.Tollkühne Männer

Über den Wolken … muss die Schwerkraft bedeutungslos
sein. Was Reinhard Mey nicht auszusprechen wagte, beweisen draufgängerische Motocross-Fahrer bei ihrer täglichen Arbeit.

Seinen Übernamen erhielt er, als er wegen Diebstahls von Radkappen im Knast sass. Die Angst vor dem Sprung bekämpfte er mit Whiskey. Einem Reporter, der ihm Drogenkonsum unterstellt hatte, brach er mit einem Baseballschläger beide Arme, und sein Lieblingsdrink nennt sich Montana Mary: Eine Mischung aus Tomatensaft, Bier und Wild Turkey. Erwähnen sollte man noch die 35 Knochenbrüche, die er sich im Lauf der Jahre zugezogen hat, sowie den Umsatz von 300 Millionen Dollar, den die US-Spielzeugindustrie mit seinen Actionfiguren und ähnlichem Fanmaterial erzielte. Kurz: Evel Knievel ist eine schillernde Persönlichkeit.

Der Mann, der auch als semiprofessioneller Hockeyspieler, Minenarbeiter, Versicherungsvertreter und Kunstmaler arbeitete, erlangte seinen Ruhm mit tollkühnen Motorradstunts. Knievel begann mit dem Überspringen von zwei Autos und beschloss seine Karriere mit dem Flug über einen Canyon. Er sprang durch brennende Reifen, über Schlangen, Berglöwen und einen Tank mit Haifischen. Freestyle Motocross war damals noch nicht erfunden.

Diese Disziplin gibt es erst seit knapp zehn Jahren. Aber in Sachen Spektakel kann sie locker mit Knievel mithalten – auch wenn FMX, so die Abkürzung, auf Tiere verzichtet. Dafür überwinden die Fahrer scheinbar mühelos die Schwerkraft, wenn sie sich mit ihren Maschinen bis zu 15 Meter hoch in die Luft katapultieren lassen. Die Zeit des Fluges nutzen sie für atemberaubende Tricks.

FMX ist im Grunde eine Weiterentwicklung des Supercross. Bei diesen Motocross-Rennen geht es weniger um die Geschicklichkeit in unwegsamem Gelände, als vielmehr um die elegante Bewältigung von Hindernissen mittels waghalsiger Sprünge. In Sachen Eleganz und Akrobatik kann Supercross jedoch nicht mit dem Freestyle mithalten. Denn erstens findet Supercross in einer Rennsituation statt, und zweitens ist Freestyle rein auf die Sprünge konzentriert.

Was das Snowboard für den Alpinsport, das war das BMX für das Motorrad: ein Innovationskick. Die Fahrräder wurden von jungen Wilden genutzt, die nicht erst warten wollten, bis sie alt genug waren für eine motorisierte Maschine – oder bis sich die Disziplinen ihrer Rock'n' Roll-Attitüde angepasst hatten. Als die ersten BMXer auf Motorräder umstiegen, versuchten sie, auch die trickreichen Sprünge mitzunehmen, die sie zuvor auf den Erdpisten und in den Halfpipes geübt hatten. Nur dass ihnen der Motor grössere Sprünge, längere Flüge und mehr Loslösung von der Schwerkraft erlaubte.

Wie eng BMX und FMX heute noch verbunden sind, zeigen Interviews mit aktuellen Fahrern. Diese erlernen die Sprünge oft zuerst auf BMX-Rädern, mit denen sie in Swimmingpools landen, bevor sie mit der Maschine über einer Schaumgummigrube abheben – zum Beispiel beim Training für den Backflip, den Rückwärtssalto samt Motorrad. Für diesen Trick, erklärte der deutsche Fahrer Fabian Bauersachs dem «Stern», müsse man erst den eigenen Kopf überwinden, denn eigentlich mache man alles falsch: Zu viel Gas geben und das Gewicht nach hinten verlagern. Ähnlich viel Überwindung wird es brauchen, einen Sprung aus zehn Metern Höhe freihändig, mit weit von sich gestreckten Armen zu landen.

Von ihrem «Grossvater» Evel Knievel unterscheiden sich FMX-Stars deutlich. Nicht nur weil sie auf den Schluck Whiskey vor dem Wettkampf verzichten. Dustin Miller zum Beispiel möchte später Geschichtslehrer werden. Oder Jack Windham, der in der Schule am liebsten kochte – der sah das Gefängnis zwar auch schon von innen, allerdings bloss als «Correctional Officer». Aber am Spektakel – an dem hat sich nichts geändert.

Hardcore FMX

Der Wettkampf im Hallenstadion wird als Kampf der Kontinente gefahren: Die fünf amerikanischen Fahrer Mike Mason, Jake Windham, Dustin Miller, Jeff Fehr und Derek Burlew kämpfen gegen ihre europäischen Kollegen Nick De Wit, Jimmy Verburgh, Chris Birch, Fredrik Berggren und Busty Wolter um die Siegestrophäe. In mehreren Durchgängen präsentieren die Piloten ihre Tricks. Die Punktrichter küren schliesslich den spektakulärsten Fahrer des Abends.

Silvano Cerutti

Hardcore Freestyle Motocross Tour:

Europe vs. USA Tour

Datum: Freitag, 19. Mai 2006, Zeit 20 Uhr.

Datum: Samstag, 20. Mai 2006, Zeit 20 Uhr.

Ort: Hallenstadion, Zürich

Preis: CHF 95.– / 85.– / 75.– / 65.– / 55.-

Partner: KAWASAKI, MOTOREX, VBZ

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