Biologie: Tollwut unter Schweizer Fledermäusen
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BiologieTollwut unter Schweizer Fledermäusen

Bei den meisten Tieren ist die Tollwut in Europa ausgerottet. Doch bei einigen Fledermäusen, die in der Schweiz gelebt haben, konnte das Virus noch nachgewiesen werden.

In der Schweiz tragen zwar nur wenige Tiere den Erreger, wie eine Studie zeigt. Trotzdem sollte die Überwachung laut den Forschern verstärkt werden.

Über das Vorkommen des auch Lyssavirus genannten Tollwuterregers bei Schweizer Fledermäusen ist wenig bekannt. Zwischen 1976 und 2009 untersuchte die Schweizer Tollwutzentrale der Universität Bern insgesamt 837 tote Fledermäuse, die ihr zur Diagnose zugeschickt worden waren. Im Gehirn von drei Tieren fanden die Spezialisten das Virus.

Um einen Überblick über die Situation bei lebenden Fledermäusen zu bekommen, führten die Berner Forscher nun gemeinsam mit Kollegen der Universität Lausanne eine Studie durch. Dazu fingen und untersuchten sie im Jahr 2009 insgesamt 237 Fledermäuse an diversen Orten in der Westschweiz.

Gesunde Virenträger

Die an die Tollwutzentrale geschickten Fledermäuse stammten meist aus städtischen Gebieten, sagte der Hauptautor der Studie, Glenn Yannic vom Departement Ökologie und Evolution der Universität Lausanne, auf Anfrage. Zudem seien einige Arten untervertreten gewesen. Diese Verfälschung habe man mit der Studie korrigieren wollen.

Wie sie im Fachmagazin «Archives of Virology» berichten, fingen und testeten die Wissenschaftler vier verschiedene Fledermausarten: die Wasserfledermaus, das Grosse Mausohr, den Grossen Abendsegler und die Breitflügelfledermaus. Bei vier Wasserfledermäusen fanden sie Antikörper gegen den Tollwuterreger oder Erbgut des Virus.

Allerdings zeigten die Tiere keine Anzeichen einer Krankheit. Das sei einer der Unterschiede zur Tollwut bei hundeartigen Tieren, sagte Yannic: Fledermäuse, die mit dem sogenannten Europäischen Fledermaus-Lyssavirus befallen seien, könnten durchaus gesund bleiben.

Geringes Risiko

Das Virus selber konnten die Forscher im Blut der Fledermäuse nicht nachweisen. Gemäss den Vorschriften der Weltgesundheitsorganisation WHO würde damit die Tollwut als nicht nachgewiesen gelten, sagte Yannic. Die Forscher kommen denn auch zum Schluss, dass das Risiko für die Öffentlichkeit mässig bis gering ist.

Allerdings seien die erhobenen Daten bei Weitem nicht komplett. Eine verstärkte aktive und passive Überwachung erscheine deshalb angebracht. Länder wie Deutschland, Holland oder Grossbritannien würden ihre Fledermäuse und deren Krankheiten bereits seit mehreren Jahren aktiv überwachen, sagte Yannic.

Handschuhe tragen

Fledermäuse können den Tollwuterreger mittels Biss auf den Menschen übertragen. «Die Tiere sind aber sehr scheu und vermeiden im Allgemeinen jeglichen Kontakt mit dem Menschen», sagte Yannic. Ein Risiko bestehe also nur, wenn man eine Fledermaus in die Hand nehme. Tue man dies, sei es ratsam, feste Handschuhe zu tragen.

An Tollwut können alle Säugetiere erkranken. Das Virus verursacht eine akute Hirnentzündung. Die Krankheit kann durch rechtzeitige Impfung - auch noch kurz nach dem Biss - verhindert werden. Ohne Therapie verläuft Tollwut fast immer tödlich. In Europa sind bisher drei Fälle nachgewiesen, in denen Menschen nach einem Biss einer Fledermaus an Tollwut starben. (sda)

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