Daniel Epp: «Tom braucht ein weiteres Lehrjahr»

Aktualisiert

Daniel Epp«Tom braucht ein weiteres Lehrjahr»

Tom Lüthis Manager Daniel M. Epp bereits entschieden, dass sein Schützling auch 2011 in der Moto2-WM bleibt und nicht in die MotoGP aufsteigt. Er sagt gegenüber 20 Minuten Online warum.

von
Klaus Zaugg
Tom Lüthi bleibt in der Moto2-Klasse.

Tom Lüthi bleibt in der Moto2-Klasse.

Beim GP von Italien in Mugello standen gerade noch 16 MotoGP-Piloten am Start. Noch nie war es so einfach, in die Königsklasse des Töffrennsportes zu kommen. Trotzdem soll Lüthi noch ein Jahr in der Moto2-Klasse bleiben.

20 Minuten Online: Sie führen diese Saison ein MotoGP-Team mit dem Japaner Hiroshi Aoyama. Wäre Tom Lüthi nächste Saison nicht der ideale zweite Pilot in diesem Team?

Daniel M. Epp: Nein. Und zwar schon aus dem einfachen Grund, weil es nicht möglich ist, einen zweiten Piloten zu finanzieren.

Tom Lüthi etabliert sich in der Weltspitze der Moto2-WM. Kommt ein Aufstieg in die Königsklasse MotoGP nur aus finanziellen Gründen nicht in Frage? Der logische Karriereschritt wäre ja nächste Saison der Aufstieg in die MotoGP.

Wir haben aus anderen Überlegungen entschieden, dass Tom auch 2011 die Moto2-WM fährt. Selbst dann, wenn er diese Saison Weltmeister werden sollte.

Hat er nicht genug Talent?

Doch, er hat genug fahrerisches Talent. Aber er braucht noch mehr technisches Verständnis.

Für die Abstimmung der Maschine?

Ja. Tom hat lange mit seinem Talent sehr gute Resultate erzielt. Talent genügte bis zu einem gewissen Grad bei den 125ern, aber nicht mehr bei den 250ern und in der Moto2-WM und schon gar nicht bei den MotoGP. Die Maschinen sind viel komplexer und die Abstimmung ist viel schwieriger. Tom braucht ein weiteres Lehrjahr in der Moto2-WM um später einmal dazu in der Lage zu sein, eine MotoGP-Maschine abstimmen zu können.

Ist denn die Klasse MotoGP so viel schwieriger?

Epp: Mehr als nur schwieriger. Es ist eine andere Welt. Ich erlebe das jetzt hautnah mit. Wenn der Fahrer nicht dazu in der Lage ist, ab der ersten Minute im Training die Maschine zu verstehen, aus dem Fahrverhalten die richtigen Schlüsse zu ziehen und seiner Crew präzise Informationen zu geben, ist er völlig chancenlos. An diesem technischen Verständnis arbeitet Tom.

Er scheint auf dem richtigen Weg zu sein. Teamchef Therell Thiel sagt, Tom sei ein richtiger Arbeiter geworden. Er halte sich ungewöhnlich lange in der Box auf und analysiere die technischen Aspekte doppelt so lange wie in früheren Jahren.

Diese Einschätzung ist richtig. Die Kommunikation im Team stimmt und Tom fühlt sich sehr wohl.

Wo sehen Sie für Tom Steigerungspotenzial in dieser Saison?

Tom macht sehr vieles sehr gut. Er braucht jetzt einfach noch mehr Konstanz. Er muss dazu in der Lage sein, im Training von der ersten Minute an ganz vorne zu fahren und die Maschine laufen auf höchstem Niveau abzustimmen.

Sie führen jetzt ein MotoGP-Team - haben Sie überhaupt noch Zeit, Tom Lüthis Manager zu sein?

Da brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Unsere Zusammenarbeit funktioniert nicht im Sinne Manager managt Fahrer. Natürlich haben wir unsere Zusammenarbeit vertraglich geregelt. Aber uns verbindet auch eine persönliche Freundschaft

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