«Ich habe es gesehen»: Toni Brunner tritt Ende Jahr als Nationalrat zurück
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«Ich habe es gesehen»Toni Brunner tritt Ende Jahr als Nationalrat zurück

Jahrelang amtete Toni Brunner im Bundeshaus. Nun tritt er per Ende Jahr von seinem Amt als Nationalrat zurück. Doch vorher kritisiert er noch die Amtskollegen.

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fss
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Toni Brunner kehrt der Politik überraschend den Rücken zu.

Toni Brunner kehrt der Politik überraschend den Rücken zu.

Keystone/Anthony Anex
Er möchte sich wieder auf seine Familie, seinen Gast- und Bauernhof konzentrieren.

Er möchte sich wieder auf seine Familie, seinen Gast- und Bauernhof konzentrieren.

Keystone/Gaetan Bally
Der 1974 in Wattwil geborene SVP-Politiker und Landwirt gründete 1992 die SVP des Kantons St. Gallen mit.

Der 1974 in Wattwil geborene SVP-Politiker und Landwirt gründete 1992 die SVP des Kantons St. Gallen mit.

Keystone/Gaetan Bally

Seit 1995 ist Toni Brunner als Nationalrat tätig. Damals wurde er mit 21 Jahren zum jüngsten Nationalrat aller Zeiten gewählt. Nun tritt der SVP-Politiker zurück. Dies berichtet die «Schweiz am Wochenende». In der Zeitung gibt der 44-Jährige seinen Rücktritt bekannt: «Am Samstag erhält der Nationalratspräsident mein Rücktrittsschreiben.»

Als Grund nennt der Wattwiler die fehlende Zeit mit der Familie und seinem Bauernhof. «Neben der Politik sind meine Familie, mein Bauernhof und der Landgasthof immer etwas zu kurz gekommen», sagt Brunner.

Von 2008 bis 2016 stand Brunner als Präsident der SVP vor. 2011 erreichte die SVP unter ihm mit fast 30 Prozent ein Rekordergebnis. Nun tritt er aus dem Nichts aus der Politik zurück. «Ich habe es gesehen», sagt er.

«Leben und leben lassen»

Der Kreis der eingeweihten Amtskollegen war sehr gering. Auch sein Nachfolger Mike Egger, der den Platz als Nationalrat erben wird, wusste nichts von dem Rücktritt. Brunner sagt: «Schön in der SVP war und ist, man hat sich immer respektiert nach dem Motto: Leben und leben lassen.»

Von einem Exekutivamt fühlte sich Brunner nie angelockt. Obwohl er laut eigenen Aussagen öfters als St.Galler Regierungsrat angefragt wurde. Abgeschreckt habe ihn auch das gute Gehalt, der Dienstwagen und der Chauffeur: «Ich habe viele Politiker gesehen, die abgehoben sind, sobald sie in der Limousine hinten eingestiegen sind. »

«Diese Auswüchse widern mich an»

Mit seinen Kollegen rechnet Brunner zum Abschluss nochmals ab: «Einige von ihnen haben vorher in ihrem Leben noch nie selber Löhne bezahlt oder ein Geschäft geführt, lassen sich dann aber im Tesla durch die Gegend chauffieren. Diese Auswüchse widern mich an.»

Brunner nennt der Zeitung auch einen Namen: «Da macht Stadtrat Guillaume Barazzone tatsächlich 17'000 Franken Telefonspesen geltend. So einer sollte sich schämen und sofort zurücktreten.»

Auch die ehemalige Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf wird zum Abschluss nochmals scharf kritisiert. In Brunners Landgasthof ist die ehemalige SVP-Politikerin nicht willkommen: «Würde sie hier aufkreuzen, sie bekäme keinen Kaffee. Das ist ein Haus für Menschen mit Charakter.»

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