Gemeinsames Sorgerecht: Tonnenweise Pflaster-Steine für Sommaruga
Aktualisiert

Gemeinsames SorgerechtTonnenweise Pflaster-Steine für Sommaruga

Dicke Post für Bundesrätin Sommaruga: Weil die Einführung des gemeinsamen Sorgerechts vertagt wird, schicken ihr verärgerte Väter tonnenweise Steine.

von
Désirée Pomper
Pflastersteine für Bundesrätin Simonetta Sommaruga: Oliver Hunziker, Marcel Enzler, Stephan Brunner. Simonetta Sommaruga (kleines Bild). (Keystone)

Pflastersteine für Bundesrätin Simonetta Sommaruga: Oliver Hunziker, Marcel Enzler, Stephan Brunner. Simonetta Sommaruga (kleines Bild). (Keystone)

Tausende Pflastersteine – 3,6 Kilogramm pro Stück – liegen bereit für die grösste Aktion, die die Schweizerische Vereinigung für gemeinsame Elternschaft GeCoBi jemals durchgeführt hat. Bestimmt sind sie für Bundesrätin Simonetta Sommaruga. «Die Justizministerin soll erfahren, wie es ist, wenn einem so viele Steine in den Weg gelegt werden», sagt Oliver Hunziker, Präsident der GeCoBi, der 13 Väterorganisationen angehören. Beigelegt werden den Paketen auch Kerzen, «damit ihr endlich ein Licht aufgeht». Letzten Monat gab Sommaruga bekannt, dass die seit 2005 aufgegleiste Vorlage für ein gemeinsames Sorgerecht als Regelfall bei Trennungen um ein Jahr verzögert wird (siehe Info-Box). «Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Väter, die sich seit Jahren für das gemeinsame Sorgerecht einsetzen», sagt Hunziker. Das Leid unzähliger Väter und Kinder werde so völlig unnötig verlängert.

Um dies zu verhindern, ruft Hunziker dazu auf, auf der Internetseite SchickEnStei.ch einen Pflasterstein zu bestellen, der an die Bundesrätin persönlich adressiert ist. Stein und Versand sind gratis. «Durch Spenden der rund 2000 Mitglieder sind inzwischen 30 000 Franken zusammengekommen», so Hunziker. Nach erfolgreicher Aktion seien die Väter aber gerne dazu bereit, die Steine wieder beim Bundeshaus abzuholen und einem guten Zweck zu spenden.

Bereits einen Pflasterstein bestellt hat Stephan Brunner, Präsident des Vereins Vaterverbot Schweiz: «Wenn mein vierjähriger Sohn erwachsen ist, soll er sehen, dass ich mit allen Mitteln für ihn gekämpft habe – sogar mit Steinen.»

«Ich nehme die Steine gerne entgegen»

Frau Bundesrätin Sommaruga, man will Ihnen tonnenweise Pflastersteine schicken. Verstehen Sie die Wut der Väter?

Simonetta Sommaruga: Ich verstehe ihre Enttäuschung. Das fehlende gemeinsame Sorgerecht für Väter kann zu dramatischen Situationen führen. Ich nehme aber auch die Sorgen der Mütter ernst. Sie sind bei den Unterhaltszahlungen oft schlechter gestellt.

Die Väter argumentieren, die Verknüpfung des gemeinsamen Sorgerechts und der unterhaltsrechtlichen Fragen sei willkürlich und verzögere eine fairere Sorgerechtspraxis unnötig. Was war dabei Ihre Absicht?

Ich möchte, dass Väter und Mütter in allen Bereichen gleiche Rechte und Pflichten haben. Ich werde die Vorlage bereits in der zweiten Hälfte dieses Jahres in die Vernehmlassung schicken. Dieser Zeitplan ist ehrgeizig, von einer Verzögerung kann also keine Rede sein.

Was machen Sie mit der schweren Post?

Ich nehme die Steine gerne entgegen. Ich werde mit den Vätern aber auch das direkte Gespräch suchen.

Gemeinsames Sorgerecht: Neue Regel vertagt

Justizministerin Simonetta Sommaruga hat Mitte Januar informiert, dass sich die Botschaft zur Gesetzesrevision der gemeinsamen elterlichen Sorge erneut um ein Jahr verzögert. Bislang wird in der Schweiz die elterliche Sorge entweder der Mutter oder dem Vater übertragen. In den meisten Fällen aber verlieren die Väter ihre Rolle als Erzieher. Die Begründung der Bundesrätin: Mit der Revision müsse nicht nur das gemeinsame Sorgerecht eingeführt, sondern müssten auch unterhaltsrechtliche Fragen neu geregelt werden. Ziel sei es, die Situation jenes Elternteils zu verbessern, der trotz gemeinsamer elterlicher Sorge das Kind hauptsächlich betreue. De facto sind dies vor allem die ledigen und geschiedenen Mütter.

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