«Muss unter uns bleiben»: Tony Blair wollte Rupert Murdoch helfen
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«Muss unter uns bleiben»Tony Blair wollte Rupert Murdoch helfen

Im Prozess um die Abhöraffäre der britischen Zeitung «News of the World» ist ein brisantes E-Mail aufgetaucht: Ex-Premier Tony Blair soll den Verantwortlichen seinen Rat angeboten haben.

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Der frühere britische Premierminister Tony Blair hat sich offenbar inmitten des Abhörskandals um Zeitungen des Medienmoguls Rupert Murdoch als dessen «inoffizieller Berater» angeboten. Das geht aus einer E-Mail hervor, die am Mittwoch im Prozess gegen Murdochs damalige Verlagsleiterin Rebekah Brooks verlesen wurde.

Darin schrieb Brooks im Juli 2011 an Murdochs Sohn James, sie habe Blair um einen Rat gebeten und dieser habe erklärt, er würde für sie und Murdoch als inoffizieller Berater zur Verfügung stehen. «Aber das muss unter uns bleiben», betonte sie. Sechs Tage darauf, am 17. Juli 2011, wurde Brooks verhaftet und unter anderem des Abhörens von Telefonen beschuldigt.

Die vier Ratschläge des Ex-Premiers

Laut Brooks hat Blair den Verantwortlichen der Boulevardzeitung geraten, dieselben Schritte zu tun, die er unternommen hatte, um den Ärger in der Bevölkerung über den britischen Irak-Einsatz einzudämmen.

Wie der britische Nachrichtendienst BBC berichtet, beschrieb die ehemalige Verlagsleiterin in ihrer Mail an James Murdoch in vier Punkten, was ihr der Ex-Premier während eines einstündigen Telefongesprächs geraten habe. Sie solle standhaft bleiben und keine kurzsichtigen Massnahmen ergreifen, das führe nur zu «langfristigen Kopfschmerzen».

Weitere Tipps des Premiers: Stark bleiben und Schlaftabletten nehmen, um am Tag einen klaren Kopf bewahren zu können. Blair soll zudem angeregt haben, einen unabhängigen Untersuchungsbericht in Auftrag zu geben, bevor dies von offizieller Seite gefordert werde.

Brooks streitet alles ab

Im Londoner Prozess um die Methoden der inzwischen eingestellten «News of the World» muss sich neben Rebekah Brooks auch David Camerons Ex-Pressesprecher Andy Coulson verantworten. Auch ihm wird vorgeworfen, illegal Nachrichten auf Anrufbeantwortern von Mobiltelefonen abgehört zu haben. Brooks und Coulson haben die Anschuldigungen stets zurückgewiesen.

Murdochs britische Zeitungen mussten jedoch einräumen, sich bei der Jagd nach exklusiven Nachrichten Zugang zu Telefonen verschafft und insbesondere private Telefonate von Prominenten abgehört zu haben. Zu den berühmtesten Abhöropfern gehören die Schauspielerin Sienna Miller und ihr Kollege Hugh Grant sowie die Ex-Frau von Prinz Andrew, Sarah Ferguson. (kle/sda)

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