Aktualisiert 07.10.2014 12:39

Attacke in Argentinien«Top Gear»-Team versteckt sich unter Bett

Der Moderator von «Top Gear», Jeremy Clarkson, fürchtete bei der Attacke im Süden Argentiniens um sein Leben. Der Angriff sei «politisch motiviert» gewesen. Ein Einheimischer widerspricht.

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Jeremy Clarksons Porsche mit dem strittigen Nummernschild.

Jeremy Clarksons Porsche mit dem strittigen Nummernschild.

Die «Top Gear»-Crew ist wieder in London, unversehrt. In der Nacht auf Freitag hatten die Briten jedoch noch um ihr Leben gefürchtet, nachdem eine aufgebrachte Gruppe argentinischer Kriegsveteranen sie vor ihrer Ankunft in die Stadt Ushuaia mit Steinen beworfen hatte. Das Team rund um Moderator Jeremy Clarkson war durch Patagonien mit einem Porsche gefahren mit dem Kennzeichen «H982 FKL» - eine Anspielung auf den britisch-argentinischen Falkland-Krieg im Jahr 1982.

In seiner Kolumne in der «Sunday Times» erzählte Clarkson nach seiner Rückkehr seine Version der Geschichte. Der Brite wies dabei jede Schuld von sich. Die Attacke sei «politisch motiviert» gewesen, die «meisten Menschen, die uns mit Steinen bewarfen, waren um die 20 Jahre alt, also machen Sie die Rechnung, das waren keine Kriegsveteranen.» Sein Team habe die Gastgeber keinesfalls provozieren wollen, das strittige Nummernschild sei «ein unglücklicher Zufall» gewesen.

Clarksons Version wird dementiert

«Es hätten Leute sterben können», enervierte sich Clarkson via Twitter weiter. Er selber habe sich unter einem Bett im Hotel verstecken müssen, während wütende Menschen ihn und seine Crew suchten. Ihre Autos hätten sie am Strassenrand stehen lassen müssen. Schliesslich seien er und die zwei Co-Moderatoren James May und Richard Hammond mit Polizeischutz und mitten in der Nacht nach Buenos Aires ausgeflogen worden. Der Rest der Crew habe bis zur Grenze nach Chile eskortiert werden müssen.

Von Provokation oder unangebrachtem Benehmen will Clarkson nichts wissen. Der Grund für den Angriff sei einfach, «weil wir Engländer sind.» Das sieht man in Argentinien etwas anders: Marcelo Ruiz wohnt seit über sechs Jahren in der südlichsten Stadt der Welt. Zu 20 Minuten sagt er: «Hier wohnen viele Engländer, wie die Familie Harberton zum Beispiel, die eine riesige Estancia in der Gegend besitzt. Sie sind bei den Argentiniern sehr beliebt», meint der 49-Jährige.

Auch mit den Kelpers, den Bewohnern der Falkland-Inseln, die auf Festland arbeiten, sei das Zusammenleben friedlich. «Man provoziert sich nicht, man lässt sich in Ruhe. Sie wissen, dass sie ihre Fahne bei uns nicht hissen dürfen.» Was sich «Top Gear» geleistet habe, sei einfach «respektlos.» Die «Top Gear»-Macher hätten mit ihrer Aktion respektive der deplatzierten Autonummer die Gefühle der Kriegsveteranen und der Familien der Gefallenen verletzt. «Die hatten echt Glück, dass sie nicht umgebracht wurden», sagt Ruiz.

So berichtete ein argentinischer Radio-Sender die Attacke. (Video: YouTube/El Seis Bariloche)

«Sie sind doch viel zu dünn, um Amerikanerin zu sein!»

Das Moderatoren-Trio von «Top Gear» - allen voran Jeremy Clarkson - polarisiert und provoziert seit je her durch politisch unkorrekte Äusserungen und satirisch-ironische Seitenhiebe. Bei Clarkson kriegen am häufigsten US-Amerikaner das Fett weg aber auch Deutsche, Franzosen, Schweizer und nicht zuletzt seine britischen Landsleute.

Die BBC hat sich trotz mancher empörter Reaktionen von Zuschauern wiederholt demonstrativ hinter Clarkson und sein Team gestellt. «Provokative Äusserungen» von Jeremy Clarkson und seinen beiden Co-Moderatoren James May und Richard Hammond dürften nicht ernst genommen werden und machten einen entscheidenden Reiz der Show aus, wird die BBC auf Wikipedia zitiert. Sarkasmus sei nun mal Teil des Konzeptes und die Zuschauer sollten das mittlerweile wissen. Ferner sei es bekannt, dass Clarkson oft zu sehr stark übertriebenen Stereotypen greife, um seine Ansichten zu untermauern. «Selbstverständlich würde die BBC einschreiten, wenn es den Anschein hätte, die provokativen Äusserungen seien ernst gemeint.»

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