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Ölpest«Top Kill» noch nicht am Ziel

Die Operation «Top Kill» hat auch zwei Tage nach ihrem Beginn noch nicht den ersehnten Durchbruch im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko gebracht.

BP-Chefingenieur Doug Suttles räumte am Samstag auf einer Pressekonferenz ein, dass noch immer Öl aus dem defekten Bohrkopf ströme und er nicht sagen könne, ob das Verfüllen mit Schlamm und Zement Erfolg haben werde. Andere Möglichkeiten würden geprüft.

Zuvor hatte Suttles noch gesagt, alles laufe nach Plan. Zwar gebe es immer wieder Unterbrechungen, aber dieser Tatsache solle nicht zu viel Bedeutung beigemessen werden. Sollte das als «Top Kill» bezeichnete Verfahren scheitern, könnte im schlimmsten Fall noch mehr Öl ins Meer fliessen als bisher.

Noch kein dramatischer Effekt

Experten erklärten, anhand der Bilder der Webcam auf dem Meeresboden, die ständig auf das defekte Bohrloch gerichtet ist, sei derzeit bestenfalls ein geringer Fortschritt zu erkennen. Tony Wood von der Universität Texas A&M erklärte, wenn das, was aus dem Bohrloch komme, zumeist schwarz bleibe, dann handele es sich um Öl und BP habe verloren. Wenn es weisslich sei, dann sei es meist Gas und BP habe ebenfalls verloren. Wenn das austretende Material schlammig-braun sei, wie dies am Freitag häufig der Fall war, dann könne es ein Zeichen dafür sein, dass BP langsam gewinne.

Professor Philip Johnson von der Universität von Alabama erklärte, den Kamerabildern zufolge seien zwei Löcher offenbar etwas kleiner geworden. Top Kill habe möglicherweise einen geringen, aber keinen dramatischen Effekt gehabt. Der Top-Kill-Versuch begann am Mittwoch. BP hat dafür rund 9,5 Millionen Liter Bohrschlamm herangeschafft. Seit Beginn des Unglücks am 20. April strömten nach Schätzung der US-Regierung zwischen 68 Millionen und 151 Million Liter Öl ins Meer. (sda)

Nachfrage für Öl-Plattformen stabil

Die Nachfrage nach Ölplattformen für US-Gewässer wird dem Betreiber Transocean zufolge trotz der Ölpest langfristig stabil bleiben. «Historisch gesehen sind die USA eine sehr attraktive Provinz für unsere Kunden», sagte Transocean-Chef Steven Newman.

«Ich glaube nicht, dass sich das langfristig ändern wird.» Der Marktführer hat im Golf von Mexiko gegenwärtig etwa 14 Plattformen unter Vertrag, was ein Viertel seines Umsatzes ausmacht.

Dort kämpft BP seit Wochen darum, nach der Explosion auf der «Deepwater Horizon» ein Ölleck abzudichten. Transocean mit Sitz in Zug war am Betrieb beteiligt. Die US-Regierung hat ein sechsmonatiges Moratorium über neue Bohrungen in tiefen Gewässern verhängt. (sda)

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