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Spielsüchtiger AdmiralTop-Militär pokert mit gefälschten Chips

Admiral Timothy Giardina, Vizechef der US-Nuklearstreitkräfte, ist leidenschaftlicher Pokerspieler. Um seine Sucht zu finanzieren, griff er zu unlauteren Mitteln.

von
Robert Burns
AP
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Timothy Giardina, Vizechef der US-Nuklearstreitkräfte, hat möglicherweise gefälschte Pokerchips im Wert von je 500 Dollar (480 Franken) selbst hergestellt, um seine Spielleidenschaft zu finanzieren.

Timothy Giardina, Vizechef der US-Nuklearstreitkräfte, hat möglicherweise gefälschte Pokerchips im Wert von je 500 Dollar (480 Franken) selbst hergestellt, um seine Spielleidenschaft zu finanzieren.

Keystone/Uncredited
Ermittler erklärten, sie hätten seine DNS auf der Rückseite eines Aufklebers gefunden, mit dem echte Pokerchips im Wert von einem Dollar so verändert wurden, dass sie wie 500-Dollar-Chips aussahen.

Ermittler erklärten, sie hätten seine DNS auf der Rückseite eines Aufklebers gefunden, mit dem echte Pokerchips im Wert von einem Dollar so verändert wurden, dass sie wie 500-Dollar-Chips aussahen.

Keystone/Eric Jamison
Giardina war Drei-Sterne-Admiral und Vizekommandeur des Strategic Commands. Dieses spielt unter anderem auch eine wichtige Rolle in der Raketenabwehr, der Cyberverteidigung und für Operationen im Weltraum.

Giardina war Drei-Sterne-Admiral und Vizekommandeur des Strategic Commands. Dieses spielt unter anderem auch eine wichtige Rolle in der Raketenabwehr, der Cyberverteidigung und für Operationen im Weltraum.

epa/mc1 Woody Shag Paschall / Handout

Er hatte Zugang zu geheimsten Informationen des US-Militärs – und offenbar ein grosses Spielsucht-Problem. Der als Vizekommandeur der US-Nuklearstreitkräfte gefeuerte Admiral Timothy Giardina hat möglicherweise gefälschte Pokerchips im Wert von je 500 Dollar (480 Franken) selbst hergestellt, um seine Spielleidenschaft zu finanzieren.

Dies geht aus einem Untersuchungsbericht hervor, welcher der Nachrichtenagentur AP vorliegt. Zwar wurde die Ablösung von Konteradmiral Giardina als Nummer zwei des für Atomwaffen zuständigen Strategic Commands bereits im vergangenen Jahr bekannt gegeben. Doch Hinweise auf seine mögliche Rolle bei der Herstellung der gefälschten Chips waren bislang nicht veröffentlicht worden.

Aus 1 Dollar wurden 500

Ermittler erklärten, sie hätten dessen DNS auf der Rückseite eines Aufklebers gefunden, mit dem echte Pokerchips im Wert von einem Dollar so verändert wurden, dass sie wie 500-Dollar-Chips aussahen. Auch hatte die Marine nicht öffentlich gemacht, wie extensiv Giardina spielte.

Die Unterlagen, die die AP gemäss dem Informationsfreiheitsgesetz erhielt, zeigen, dass Giardina ein gewohnheitsmässiger Pokerspieler war. In den 18 Monaten, bevor er im Juni 2013 mit drei gefälschten Chips ertappt wurde, verbrachte er 1096 Stunden – oder durchschnittlich 15 Stunden pro Woche – an den Tischen des Horseshoe-Casinos in Council Bluffs im Staat Iowa.

In dem Casino, von seinem Büro nahe Omaha in Nebraska nur eine kurze Fahrt über den Missouri entfernt, war Giardina regelmässig Gast. Die Beschäftigten dort wussten aber möglicherweise nicht, dass er ein Drei-Sterne-Admiral und Vizekommandeur des Strategic Commands war. Dieses spielt unter anderem auch eine wichtige Rolle in der Raketenabwehr, der Cyberverteidigung und für Operationen im Weltraum.

Zugang zu höchst brisanten Daten

Sogar nachdem er mit den gefälschten Chips erwischt worden war, habe er im ebenfalls in Council Bluffs gelegenen Harrah's Casino weiterhin regelmässig Poker gespielt. Am 18. Juli erhielt Giardina in beiden Casinos für 90 Tage Hausverbot, doch in dieser Zeit pokerte er dennoch mindestens zwei Mal im Horseshoe. Beim zweiten Mal, im Oktober, erhielt er lebenslanges Hausverbot in allen Spielstätten, die von der Horseshoe-Muttergesellschaft Caesar's Entertainment Group betrieben werden.

Im Strategic Command hatte Giardina Zugang zu höchst vertraulichen Themen der nationalen Sicherheit. Zwar ist Offizieren des Commands legales Glücksspiel gesetzlich nicht verboten. Sollten sie sich aber über Gebühr verschulden, sind sie nach Angaben einer Sprecherin verpflichtet, dies zu melden.

Lüge gegenüber Ermittler

Giardina steht weiterhin als Stabsoffizier in Washington auf der Soldliste der Marine. Er wurde nie offiziell der Chipsfälschung beschuldigt. Doch wurde er im Mai 2014 in zwei Fällen eines für Offiziere unziemlichen Verhaltens schuldig gesprochen: der Lüge gegenüber einem Ermittler und des Ausgebens gefälschter Spielchips. Er erhielt einen schriftlichen Verweis und musste auf Sold in Höhe von 4000 Dollar (3800 Franken) verzichten. Die Marine entschied, ihn nicht vor ein Militärgericht zu stellen, da nicht sicher war, ob die Beweise für eine Verurteilung ausreichen würden.

Anfang September 2013 wurde Giardina stillschweigend seines Postens beim Strategic Command enthoben, den er im Dezember 2011 angetreten hatte. Einen Monat später wurde er gefeuert und vom Drei-Sterne- zum Zwei-Sterne-Admiral degradiert. Auf eine Bitte der AP um Stellungnahme vom Freitag reagierte Giardina nicht.

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