Aktualisiert 17.03.2004 20:09

Top Speed

Eisenbahnen sind ihnen zu lahm, richtige Autos zu teuer,
Jass-Abende ohnehin zu öde. Tempo-Freaks greifen deshalb auf Slot Cars zurück – die kleinen Raser für den grossen Kick.

Text -- Claudia Schlup

Fotos -- Dina Haas

«Es wird knapp», ruft Cäsi Weidmann, «wir bewegen uns in Abständen von Zehntausendstelsekunden!» Der Speed-Freak sitzt im Kontrollhäuschen in einem Keller in Dottikon AG und kommentiert das Geschehen auf der Rennbahn: sechs Boliden, die vor seiner Nase durchrasen. In Miniaturversion, versteht sich.

Slot Cars nennen Kenner die Miniflitzer, die – hier im Massstab 1:24 – auf der knapp vierzig Meter langen Holzbahn um die Kurven jagen. Sechs Männer stehen davor am Drücker, voll konzentriert. Mit knapp dreissig Stundenkilometern fetzen die Slot Cars über die Piste – das fordert volle Beherrschung des Fahrzeugs. Die erste Runde geht mit einer Zeit von etwas mehr als acht Sekunden an Beat von Glenck. Die Tigermilch, mit der er die Reifen seines Gefährts präpariert hat, zeigt Wirkung. Beat ist Mitbegründer des S.B.S. Club – für die Freunde der guten alten Rennbahn, eines Zirkels von Tempo-Teufeln, die sich regelmässig im Stammlokal in Dottikon treffen.

Die Liebe zum «Rennautölen» wurzelt bei praktisch allen in der Kindheit und wurde später reanimiert. Die Faszination am Hobby kommt von der Mischung aus Bastelei, Geselligkeit und Speed-Fieber. «Uns geht es um den Spass», sagt Martin Schmid, einer, der zum harten Kern des Clubs gehört. «Um Geld wird hier nicht gespielt. Und es findet auch kein Wettrüsten statt wie an anderen Orten.» Lieber ein Bierchen zu viel, sagt man sich beim S.B.S., dafür ist es lustig.

In der Slot-Car-Szene geht es da und dort anders zu. Da werden die Kleinmaschinen getunt, mit zusätzlicher Gear versehen, die den Grundwert von etwa hundert Franken um ein Mehrfaches übersteigt. Viel spielt sich in Clubs, Geschäften wie dem Zürcher Slotter's Paradise oder in privaten Kellern ab, wo die Liebhaber ihre Tempo-Träume auf den eigenen Bahnen ausleben.

Einer davon ist Norwin (40). Als der Lastwagenchauffeur und Berufstänzer zum Hausmann mutierte, begann er in seinem Keller in Wollishofen zu wüten. Verlegte auf zwölf Quadratmetern sechzig Meter Ninco-Bahn auf vier Etagen. Verbringt Stunden im Keller, bastelt, tüftelt, baut. Denn wenn es um Geschwindigkeit geht, gibt es bei ihm kein Halten mehr. Und die siebzig 1:32er-Autos, die er hat, wollen gehegt sein. «Natürlich», sagt Norwin, «von anderen Erwachsenen wird man als Slotter belächelt.» Was freilich kein Grund zur Aufregung ist. «Meist sind es dann genau die Spötter», grinst er, «die kaum von der Bahn wegzukriegen sind.»

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