Unfall bei Wädenswil: Topmanager fährt mit BMW durch Rettungsgasse
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Unfall bei WädenswilTopmanager fährt mit BMW durch Rettungsgasse

Ein Topmanager ist mit seinem Auto mitten durch die Rettungsgasse gefahren. Der Betroffene nennt die Gründe dafür.

von
jen

Das Video zeigt, wie der Mann in der Rettungsgasse fährt (Video: Leser-Reporter). 20 Minuten zeigt dieses Video, weil der Leser-Reporter filmte, während er im Stau stand und dabei nicht fuhr.

Leser-Reporter F. Z.* geriet kürzlich während des Feierabends auf der A3 von Zürich in Richtung Chur in einen Stau. Grund dafür war ein Auffahrunfall bei Wädenswil, bei dem zwei Personen verletzt worden waren.

Wie es sich gehört, bildeten Z. und die anderen Autofahrer eine Rettungsgasse. Ein Notarzt, Polizeiautos und Ambulanzen kamen mit Blaulicht angefahren und erreichten so die Unfallstelle.

«Er missbrauchte die Rettungsgasse»

Doch die Rettungskräfte waren nicht die Einzigen, die zwischen den Autokolonnen in der Mitte durchfuhren. Zu ihnen gesellte sich unerlaubterweise ein Autofahrer mit seinem weissen BMW. «Er missbrauchte die Rettungsgasse dafür, dass er schneller vorwärtskam», sagt Z.

Beim fehlbaren Fahrer handelt es sich um einen Topmanager. «Es verwundert mich wirklich nicht, dass solche Leute sich das Recht nehmen, auf egoistische Weise den Stau durch eine Rettungsgasse zu umgehen», sagt der Leser-Reporter.

«Ich würde nie das Leben anderer Menschen riskieren»

20 Minuten hat den Mann darauf hingewiesen, dass es ein Video seiner Fahrt gibt. Der Topmanager bestreitet, die Rettungsgasse missbraucht zu haben. «Ich war auf dem Weg nach Hause und stand extrem lange im Stau», sagt er. Er sei auf der linken Spur gestanden, als er Rettungskräfte und Polizei habe vorbeifahren sehen. 500 bis 600 Meter vor der Ausfahrt Wädenswil hätten sich die Autos auf dem Pannenstreifen eingereiht, so der Manager. Er habe angenommen, dass all diese Autos abfahren würden. Die rechte Fahrspur sei frei gewesen, die er dann auch genutzt habe.

«Ich habe zu keiner Zeit die Polizei oder Rettungskräfte behindert», sagt der Manager. Es sei nie seine Absicht gewesen, einen persönlichen Vorteil aus der Situation zu ziehen. «Ich würde nie absichtlich das Leben anderer Menschen riskieren.»

«Im Notfall zählt jede Sekunde»

Die Kantonspolizei Zürich hatte bisher keine Kenntnis vom Vorfall und ermittelt dementsprechend zurzeit auch nicht. Ein in der Rettungsgasse fahrender privater Lenker würde sich laut einem Sprecher grundsätzlich des Überholens einer stehenden Kolonne oder des links Vorbeifahrens schuldig machen. Über die Höhe der Strafe entscheidet der zuständige Richter.

Im Moment gibt es noch keine gesetzliche Grundlage für das Bilden einer Rettungsgasse. «Wenn dereinst die Rettungsgasse Pflicht sein wird, werden bei Zuwiderhandlungen auch Sanktionen wie Bussen möglich sein. In welcher Form, steht allerdings noch nicht fest.»

Julia Graf, Sprecherin von Schutz & Rettung Zürich, betont, wie wichtig es sei, dass eine Rettungsgasse gebildet und auch frei gehalten werde. «Es kommt immer wieder vor, dass uns Autofahrer den Weg zum Einsatzort versperren.» Dabei seien Rettungskräfte darauf angewiesen, dass Automobilisten schnell die Rettungsgasse bildeten, sodass die Einsatzkräfte von Rettungsdienst und Feuerwehr zum Einsatzort gelangen. «Nur so können wir Menschen in Not rasch die nötige Hilfe zukommen lassen.» Offen bleiben müsse die Gasse, damit auch nachalarmierte Einsatzfahrzeuge passieren können.

Auch Guido Bielmann, Sprecher beim Astra, sagt: «Im Notfall zählt jede Sekunde.» Zudem sei es so, dass je schneller ein Unfallort bereinigt werden könne, desto schneller werde die Strasse wieder frei.

Kampagne erklärt Schweizern die Rettungsgasse

Der Basler Jungpolitiker Pascal Rey (20) will mit einer Kampagne Schwezer Autofahrer für die Rettungsgasse sensibilisieren. (Video: Maiori Films/20 Minuten)

Sehen Sie, wie auf der Autobahn eine Rettungsgasse gebildet wird. (Video: Maiori Films)

*Name der Redaktion bekannt.

Das droht Fahrern, welche die Rettungsgasse missachten

Wenn sich Autofahrer nicht an das Bilden einer Rettungsgasse halten, droht ihnen eine Verzeigung durch die Polizei. Über die Höhe der Strafe entscheidet der Richter, wenn der Fall überhaupt bei dieser Instanz landet. Zwei Beispiele: 1. Ein Mann (55) fuhr im Mai 2015 auf der A3 in Richtung Basel in der Gasse den Rettungskräften hinterher. Das Bezirksgericht Dietikon bestrafte ihn mit einer Busse von 500 Franken. Hinzu kamen Verfahrenskosten von 430 Franken. 2. Ein Lieferwagen reihte sich im Januar beim Schöneichtunnel in eine Rettungsgasse ein. Das Heck des Fahrzeuges ragte jedoch auf die Strasse. Die Rettungskräfte konnten nicht passieren, weil die Gasse dadurch zu eng war. Der Lenker blieb straffrei, weil niemand das Kennzeichen notiert hatte.

So bilden Sie eine korrekte Rettungsgasse

Fahrzeuge auf dem linken Fahrstreifen fahren nach links, alle anderen Fahrzeuge weichen nach rechts aus. Bei herannahenden Einsatzfahrzeugen mit eingeschaltetem Sondersignal gilt es laut Schutz & Rettung Zürich, Ruhe zu bewahren und an einer geeigneten Stelle auszuweichen. Automobilisten sollten auch bei einer roten Ampel Platz machen und gegebenenfalls mit der nötigen Vorsicht über den Haltebalken fahren. Dabei gilt es, auf nachfolgenden und kreuzenden Verkehr zu achten.

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