Aktualisiert 10.04.2014 14:58

Matias Delgado«Tore schiessen ist nicht meine primäre Aufgabe»

Der FCB-Regisseur war der Matchwinner beim 3:0-Sieg der Bebbi im Viertelfinal-Hinspiel der Europa League vor einer Woche. Schlägt Matias Delgado in Valencia wieder zu?

von
Eva Tedesco, Valencia

Der Gaucho hat mit zwei Toren die Basis für den deutlichen Sieg der Basler im Geisterspiel letzten Donnerstag gelegt. Für den FCB bedeutete der 3:0-Sieg im Viertelfinal-Hinspiel der Europa League eine hervorragende Ausgangslage für das Rückspiel in Valencia. Und auch dem Torschützen selber ist eine grosse Last von den Schultern gefallen. Wie viel Kritik musste der Rückkehrer in den letzten Monaten doch erdulden, Schelte kassieren und Zweifel ertragen, nachdem er seit seiner Rückkehr nach drei Jahren in der Wüste beim FCB nie richtig auf Touren gekommen ist.

«Finalmente». Endlich, war auch das erste Wort, das ihm dazu einfiel und wie eine Erlösung von den Lippen rutschte. Und die Erleichterung darüber, dass ihm endlich wieder ein Highlight gelungen ist, war dem 31-Jährigen deutlich anzusehen. Auch wenn er im weiteren Gespräch die Kirche im Dorf lässt. «Ich spiele nicht nur dann gut, wenn ich Tore erziele. Ich bin kein Torjäger und meine primäre Aufgabe ist es nicht, Tore zu schiessen. Ich bin ein Spielmacher oder Regisseur, wenn man es so bezeichnen will. Meine Aufgabe ist, das Spiel zu machen, es anzukurbeln und meine Mitspieler mit guten Zuspielen zu füttern. Wenn ich in einem Spiel dann auch noch treffe – umso besser.»

Druck? Was ist Druck?

Über die Spekulationen, dass er nur Tore in Partien ohne oder mit nur wenigen Zuschauern schiesst, ärgert ihn mehr, als das er es als humoristisch interpretieren könnte. «Auf keinen Fall. Zuschauer gehören zum Fussball. Sie sind das A und O in jedem Fussballspiel. Was ist Druck? Eine gewisse Anspannung gehört doch zum Spitzensport. Es ist wirklich nicht so, dass ich vor leeren Rängen deshalb weniger Druck empfinden würde, wie auch geschrieben wurde.» Befreiend haben die beiden Treffer aber gewirkt – mit oder ohne Fans. Aber kann der Spielmacher seine hervorragende Performance wiederholen?

Ein Tor im Mestalla-Stadion und der FCB steht wohl definitiv im Halbfinal der Europa League – zum zweiten Mal in Folge. Aber Delgado warnt: «Das Resultat ist ‹fantastico›, toll und in den meisten Fällen reicht es auch, um in die nächste Runde zu kommen. Aber im Fussball ist immer alles möglich und so wie sie in Basel in der zweiten Halbzeit aus der Kabine gekommen sind, haben wir einen Vorgeschmack dafür erhalten, was uns erwarten wird. Valencia wird zuhause viel konzentrierter und aggressiver auftreten. Es wird ein schweres Stück Arbeit und hart werden im Rückspiel. Das muss uns bewusst sein und da müssen wir gewappnet sein.»

Delgado hat sich das 0:0 Valencias in der Liga gegen Valladolid am letzten Wochenende am TV angesehen. «Ich verfolge die spanische Liga immer, wenn ich Zeit habe, und ich bin sicher, dass die Spanier im eigenen Stadion ganz anders auftreten werden. Aber wir haben uns eine Ausgangslage erarbeitet und wollen diese nicht aus der Hand geben.»

Bittere Erinnerungen an 2002

Wie schnell es gegen Valencia gehen kann, dafür muss der FCB-Profi und auch Fan nicht lange in den Statistikbüchern blättern. Im Oktober 2002 setzte es für Rotblau im dritten Gruppenspiel der Champions League eine fürchterliche Ohrfeige ab. Vor 32'000 Zuschauern verlor Basel bei sintflutartigen Regenfällen 2:6. Nach 28 Minuten lag der FCB bereits mit 0:4 zurück. Und sollte einer den Geschichtsbüchern noch immer nicht trauen, kann er bei Trainer Murat Yakin nachfragen – der war in dieser bitteren Nacht in Spanien nicht nur dabei, sondern als Abwehrchef mittendrin.

Der FCB reiste mit einem Rumpfteam nach Valencia. Yakin fehlen gleich acht (!) arrivierte Spieler. Ivanov, Streller, Stocker, Philipp Degen, Ajeti, Voser, Suchy (gesperrt), Callà (nicht spielberechtigt) und die Aufstellung macht sich fast von allein. Doch der FCB-Trainer beklagt sich nicht und nahm wie zuletzt die Jungen Albian Ajeti, Simon Dünki, Naser Aliji, Breel Embolo mit nach Spanien. Weil mit Streller der Captain und mit Stocker sein Ersatz fehlen, wird Yann Sommer die Mannschaft als Captain aufs Feld führen – und hoffentlich als Halbfinalist verlassen.

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