Entscheidungshilfen: Torlinientechnik kurz vor dem Durchbruch
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EntscheidungshilfenTorlinientechnik kurz vor dem Durchbruch

Der englische Fussballverband steht vor einer Revolution: In der Premier League sollen nächste Saison technische Hilfsmittel darüber entscheiden, ob der Ball im Tor war oder nicht.

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Tor oder nicht? Bald kann diese Frage zu 100% beantwortet werden.

Tor oder nicht? Bald kann diese Frage zu 100% beantwortet werden.

Bei umstrittenen Toren stellen sich Fussballfans eine Frage: Technische Hilfe ja oder nein? Die Fifa ist sich darüber im Klaren: Die Torlinientechnologie soll so bald wie möglich angewendet werden. Momentan läuft in England eine erste Testphase und endet diese zufriedenstellend, so wird die Technologie bereits nächste Saison in der Premier League angewendet.

Im Mai diesen Jahres beauftragte das International Football Association Board (internationales Gremium, das Änderungen der Fussballregeln berät und beschliesst) den englischen Fussballverband (FA) dazu, Tests mit der Torlinientechnologie voranzutreiben. Fifa-Präsident Sepp Blatter hatte darauf bestanden, dass sich das Gremium schnellstmöglichst darum kümmert.

Der Generalsekretär der FA, Alex Home, bestätigte nun gegenüber «BBC», dass die Tests in Angriff genommen wurden. «Wenn eines oder mehrere der zurzeit getesteten Systeme funktionieren, dann wird die Torlinientechnik bald Einzug halten.» In der ersten Testphase (September bis Dezember 2011) wird jedes System sowohl bei Tages- als auch unter Flutlicht (Nacht) nach strengen Kriterien getestet. Laut einer Medienmitteilung des IFAB sind dies die Kriterien: Toranzeige auf der Uhr des Schiedsrichters (automatische Anzeige durch Vibration und ein optisches Signal), Signalreichweite (gesamtes Spielfeld und technische Zonen), Erkennung von 100% der freien Schüsse aufs Tor, so wie die statische und dynamische Genauigkeit (mindestens 90% aller Torsituationen müssen in der ersten Phase korrekt angezeigt werden).

Die Zeit wird knapp

Momentan testet eine unabhängige Instanz neun Systeme. Nach der ersten Phase wird das Testinstitut in Absprache mit dem IFAB Unternehmen für eine zweite Testphase (März bis Juni 2012) bestimmen. Dann werden unter anderem mehr Spielszenen simuliert und weitere Faktoren getestet. Die endgültigen Ergebnisse werden dem IFAB bei einer Sondersitzung im Juli 2012 präsentiert. Danach wird eine definitive Entscheidung erwartet.

Noch vor zwei Monaten schien es illusorisch, dass die Anwendung der Technologie bald kommen wird, nun geht der FA-Generalsekretär aber davon aus, dass es bereits kommende Saison so weit ist. «Es wird sehr eng, aber es ist durchaus realistisch». Dennoch steht die FA unter grossem zeitlichen Druck. «Ob ausreichend Zeit vorhanden ist, die Technologie zu beziehen, zu bezahlen und in jeden Wettbewerb einzubauen, dessen bin ich mir nicht sicher», so Home weiter.

Zwei Fussballfans entwickelten das System «Goalminer»

Bis zum 3. Juni 2011 konnten sich Firmen, die ein System zur Torlinientechnik entwickelt haben, bei der Fifa melden. Die Tests werden in zwei Phasen in einem Fussballstadion durchgeführt, welches vom jeweiligen Anbieter in Absprache mit der Fifa bestimmt wird. Nächste Woche stehen Tests in Rochedale auf dem Programm. Harry Barnes und David Parden, Fussballfans des englischen Premier-League-Klubs Bolton Wanderers, haben ein System mit dem Namen «Goalminer» entwickelt. Die beiden waren empört, als 1997 ein Tor eines Bolton-Spielers aberkannt wurde. Zusammen haben sie in der Garage während vielen Jahren an einem System gebastelt. Nun stehen Barnes und Parden vor dem Durchbruch.

Die Technologie wird vorerst nur im Einzelhandel erhältlich sein und rund 100 000 englische Pfund kosten (142 000 Schweizer Franken). Im Preis enthalten sind zwei Torpfosten mit 24 integrierten Kameras. Die Informationen der Kameras werden danach auf einem Computer abseits des Platzes überprüft. Ist der Ball drin, so erhält der Schiedsrichter in Form einer Vibration ein Signal auf seiner Armbanduhr. Der ganze Prozess dauert weniger als eine Sekunde.

Bald überall im Einsatz?

«Ich denke die Torlinientechnik wäre ein enormer Auftrieb für das Spiel», so Home. Während Jahren seien sie davon überzeugt gewesen, dass dies eine sinvolle Ergänzung des Repertoires eines Schiedsrichters sei. «Wir müssen diese dabei unterstützen, Entscheidungen zu treffen.» Ist der Einsatz von Torlinientechnologien beschlossene Sache, so dürfte es nicht lange dauern, bis auch abseits der Premier League mit technischen Hilfsmitteln gearbeitet wird. Es ist durchaus realistisch, dass bald überall im Profi-Fussball Kameras zum Einsatz kommen werden.

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