Aktualisiert 08.06.2015 15:42

Unwetter in der SchweizTornado hielt Neuenburg in Atem

Das Unwetter hat schweizweit grosse Zerstörungen hinterlassen. In Neuenburg wurde am Sonntagnachmittag sogar ein Tornado gesichtet.

von
slw/woz/chk/mlr
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Bei der Zulg in Steffisburg hat es viel Holz angeschwemmt.

Bei der Zulg in Steffisburg hat es viel Holz angeschwemmt.

Leser-Reporter
Über Aarburg AG sorgte das Gewitter für beeindruckende Lichteffekte.

Über Aarburg AG sorgte das Gewitter für beeindruckende Lichteffekte.

Leser-Reporter/Kevin Kaeser
Auch über Zürich Seebach war der Himmel am Sonntagabend hell erleuchtet.

Auch über Zürich Seebach war der Himmel am Sonntagabend hell erleuchtet.

Leser-Reporter/Gianluca Oswald

Heftige Gewitter haben am Sonntagabend und in der Nacht für Hunderte Feuerwehreinsätze gesorgt. Besonders stark betroffen waren Bern, Zürich und die Zentralschweiz. Eine 32-jährige Frau und ihre fünfjährige Tochter sind in Dierikon LU ertrunken. Ein Mediensprecher der Luzerner Polizei bestätigte am Montag Informationen des SRF. Zuvor war in einer Meldung der Nachrichtenagentur SDA von einem Sohn die Rede.

Offenbar gingen die 32-jährige Frau und ihr Kind ins Untergeschoss ihres Wohnhauses, während der Ehemann Auto und Roller aus der Tiefgarage in Sicherheit brachte. Dort wurden die beiden Opfer von den schnell eindringenden Wassermassen überrascht. Erst beim Auspumpen des Kellergeschosses wurden Mutter und Tochter von der Feuerwehr gefunden. Ein Rettungsteam konnte nur noch ihren Tod feststellen. Warum sie sich zum Zeitpunkt des Unwetters ins Untergeschoss begaben, ist noch unklar.

Tornado in Neuenburg

Wie MeteoNews mitteilt, haben kräftige Gewitter mit örtlichem Hagelschlag und vor allem viel Regen und Blitzen im Sekundentakt den ersten hochsommerlichen Wetterabschnitt in diesem Jahr beendet. Innerhalb weniger Stunden fielen gestern Abend oder in der Nacht zum Montag an einzelnen Messstationen uber 60 Liter Regen pro Quadratmeter. Am meisten Regen gab es mit 67 Litern in Giswil. Es erstaunt kaum, dass solche Regenmengen in kurzer Zeit auch fur Probleme gesorgt haben.

In der Gegend um Neuenburg sorgte am Sonntagnachmittag ausserdem ein Tornado für Aufsehen. Wie Meteo Europe auf seiner Facebook-Seite berichtet, bahnte sich der Luftwirbel seinen Weg durch eine Landschaft, die glücklicherweise nicht stark bebaut ist. Demnach wurden einige Häuser in Brout-Dessus beschädigt.

Mehrere hundert Kleinschäden im Kanton Luzern

Im Kanton Luzern waren ab 20.40 Uhr rund 20 Feuerwehren im Einsatz, wie der Feuerwehrinspektor in der Nacht auf Montag auf Anfrage sagte. Bei der Polizei gingen zwischen 19.30 Uhr und 23.30 Uhr 165 Meldungen ein. Es sei grosser Sachschaden entstanden, teilte die Luzerner Polizei mit. Dieser könne indes noch nicht beziffert werden.

Schwer betroffen waren das Gebiet Würzenbach in der Stadt Luzern sowie die Gemeinden Ebikon, Dierikon, Adligenswil und Udligenswil. In Letzterer habe ein Bach einen neuen Lauf genommen und das Dorf verwüstet. Die Kantonsstrasse zwischen Udligenswil und Küssnacht ist wegen Sturmschäden in beiden Richtungen gesperrt, eine Umleitung ist eingerichtet.

In Luzern wurde eine 75-jährge Frau aus ihrem Auto evakuiert. Das Fahrzeug blieb aufgrund des Wassers stecken. Die Frau konnte unverletzt ihren Nachbarn übergeben werden.

350 Einsätze im Kanton Zürich

350-mal mussten auch 31 Feuerwehrorganisationen im Kanton Zürich ausrücken. Ab 21.30 Uhr wurden zahlreiche überflutete Keller gemeldet, wie ein Sprecher von Schutz & Rettung mitteilte. Die Gewitterfront zog aus Richtung Süden über das Kantonsgebiet und sorgte insbesondere in den Bezirken Affoltern, Dietikon, Horgen und Zürich für Schäden.

89 Einsätze entfielen auf die Stadt Zürich. Um die zahlreichen Notrufe entgegennehmen und bearbeiten zu können, wurde das Personal in der Einsatzleitzentrale von Schutz & Rettung zeitweise auf bis zu 30 Personen aufgestockt.

Gewitter legte Airport lahm

Auch dem Flughafen Zürich machte das Unwetter zu schaffen. Zwischen 22.30 Uhr und 23 Uhr musste ein so genannter Handlingstop verfügt werden. Während dieser halben Stunde ging gar nichts. Einen Handlingstop gibt es, wenn im Umkreis von fünf Kilometern um den Flughafen Blitzeinschläge registriert werden, wie Flughafensprecherin Sonja Zöchling am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte.

Aber schon seit Sonntagnachmittag machten laut Zöchling die Vorboten des Gewitters dem Flugbetrieb zu schaffen. Das Pistenkonzept musste immer wieder geändert werden: Starts nach Osten, Starts nach Westen – je nach Windverhältnissen. Weil jede Konzeptänderung mit Aufwand verbunden ist, führte dies zu Verspätungen. Ein Dutzend Maschinen konnten erst nach Beginn der Nachtsperre um 23.30 Uhr starten.

Erdrutsch auf Zuglinie

Die SBB meldeten einen Erdrutsch zwischen Birmensdorf und Schlieren, der die Zuglinie verschüttete. Auf Online-Portalen waren zudem Bilder eines halb versunkenen Autos in Schlieren zu sehen.

Zwischen Giswil und Lungern auf der Linie Luzern – Meiringen ist die Strecke bis mindestens Dienstagabend ebenfalls unterbrochen, wie die SBB auf ihrer Homepage informieren.

Mattequartier in Gefahr

Die starken Regenfälle stellten auch die Feuerwehr in Bern auf die Probe. Die Zulg, die bei Thun in die Aare mündet, führte Hochwasser und viel Schwemmholz. Auch aus dem Thunersee floss Schwemmholz in die Aare, was im Berner Mattequartier zu einer bedrohlichen Situation führte.

Weil es nicht gelang, genügend verkeiltes Holz aus dem Fluss zu fischen, wurden schliesslich im Bereich Schwellenmätteli die mobilen Schwellenelemente entfernt. So entspannte sich kurz vor Mitternacht die Situation binnen Minuten. Zu einem Erdrutsch kam es zwischen Thun und Interlaken. Die Hauptstrasse ist dort in beiden Richtungen gesperrt.

Blitz verursacht Brand

Auch im Kanton Solothurn hinterliess das starke Gewitter Schäden. Rund 50 Meldungen gingen laut Kantonspolizei am Sonntagabend ein. Betroffen war fast ausschliesslich die Region zwischen Olten und Schönenwerd. In Obergösgen löste ein Blitzeinschlag einen Brand in einem Einfamilienhaus aus, verletzt wurde aber zum Glück niemand. Weiterhin wurden viele Wasserschäden und auf den Strassen liegende Bäume gemeldet.

Der Wetterdienst Meteocentrale gab für Graubünden kurz nach Mitternacht eine Unwetterwarnung heraus. Das Gewitter sei kurz und intensiv gewesen, doch Schadensmeldungen seien keine eingegangen, hiess es bei der Bündner Kantonspolizei auf Anfrage.

Heute gibt es laut Meteonews vor allem in den Alpen und im Suden noch Regengusse oder Gewitter, im Flachland wird es nur noch selten nass. Vorubergehend ist es auch weniger warm. Dies wird sich dann in der zweiten Wochenhalfte wieder andern, dann zeigt die Temperaturkurve deutlich nach oben.

Zur Situation auf dem Bahnnetz finden Sie Informationen von den SBB hier. (slw/woz/chk/mlr/sda)

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