Familiensache: Torpedo-Alarm!
Aktualisiert

FamiliensacheTorpedo-Alarm!

Schwimmer Flori Lang trainiert 14-mal pro Woche. Hat er mal keinen Bock, muss ihn seine Schwester aufbauen.

von
Martin Fischer
«Manchmal schwimmt er über langsamere Schwimmer»: Sandra und Flori Lang.

«Manchmal schwimmt er über langsamere Schwimmer»: Sandra und Flori Lang.

Sandra, 23, am Beckenrand

«Nach der Matura hatte ich nichts zu tun. Da habe ich Flori ein Mail geschrieben, dass ich genug Zeit hätte, mit ihm zu trainieren. Ich bin nicht bei jedem Training dabei. Aber wenn er mich braucht, dann bin ich dort, wenn nötig auch morgens um sechs im Pyjama. Wenn Flori im öffentlichen Hallenbad trainiert, wirds manchmal gefährlich: Er schwimmt über die langsameren Schwimmer drüber oder verpasst ihnen aus Versehen einen Kinnhaken — und er merkts nicht mal! Wenn er dann aus dem Wasser kommt, wundert er sich, dass ihm die Hand weh tut. Einmal sind wir seinetwegen im Lift stecken geblieben. Er hat während der Fahrt versucht, die Tür aufzureissen. Danach waren die Türen blockiert. Wir konnten zwar noch rauf und runter fahren, aber nicht mehr aussteigen. Ich hatte Panik! Wenn wir uns nicht beim Training sehen, telefonieren wir. Eigentlich täglich, manchmal auch zweimal am Tag. Meine Kollegen finden, das sei nicht ganz normal.»

Flori, 27, im Wasser

«Ich habe 14 Trainings in der Woche. Natürlich habe ich nicht immer Bock, ich brauche jemanden, der mich motiviert. Dafür ist Sandra als meine Trainerin da. Wenn ich im Training mal nicht so fit bin, dann sagt sie mir schon: ‹Hey, heute wars aber nicht gut.› Laut wird sie nie. Früher war Sandra extrem, sie hat alles für mich gemacht! Wenn es hiess: ‹Flori, hol mir schnell dies oder das›, dann war sie schon unterwegs und holte es. Aber ich hab auch gut zu ihr geschaut: Ich hab sie dauernd rumgetragen. Und ihr die Windeln gewechselt. Sandra ist ein Party-Girl. Für mich ist Ausgang natürlich nicht so ein Thema — ich bin auch nach einem Schluck Bier manchmal schon angetrunken. Bei uns hat jeder seine Rollen: Wenns um Geld geht, holt sie sich Tipps bei mir. Sie hilft mir dafür mit Geschenkideen für meine Freundin. Oder ich koche und sie wäscht ab, das ist immer so. Wobei: Jetzt habe ich seit zwei Wochen eine Abwaschmaschine.»

Die Schwester als Trainerin

Florian und Sandra Lang sind Wasserratten: Hier posieren sie 1997 am Strand auf Gran Canaria. Auf­­ge­wachsen sind die beiden bei ihren Grosseltern in Zürich-Witikon. Flori ist der erfolgreichste Schweizer Schwimmer mit drei EM-Medaillen, mehr als vierzig Schweizermeister-Titeln und zurzeit acht Schweizer Rekorden. Soeben hat er die letzten Prüfungen in Banking & Finance an der Uni Zürich abgelegt. Sandra hat vergangenes Jahr die Matura gemacht und ihr Sportstudium unterbrochen, um als Schwimm­lehrerin und Assistenztrainerin von Flori zu arbeiten.

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