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WindsorTory will Obdachlose vor Harrys Hochzeit verbannen

Bis zur Hochzeit von Prinz Harry ist es noch etwas hin. Doch der Ratsvorsitzende von Windsor hat jetzt schon Sorge, die Obdachlosen könnten im Weg sein.

von
mlr
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In der englischen Stadt Windsor im Südwesten Londons gehören Obdachlose und Bettler zum Strassenbild.

In der englischen Stadt Windsor im Südwesten Londons gehören Obdachlose und Bettler zum Strassenbild.

epa/Neil Hall
Angesichts der bevorstehenden Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle auf Schloss Windsor sieht ein Kommunalpolitiker darin ein Problem.

Angesichts der bevorstehenden Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle auf Schloss Windsor sieht ein Kommunalpolitiker darin ein Problem.

Keystone/Chris Jackson
Der konservative Ratsvorsitzende Simon Dudley hat die Polizei in einem Brief aufgefordert, Massnahmen zu ergreifen, um die Obdachlosen aus der Stadt zu entfernen.

Der konservative Ratsvorsitzende Simon Dudley hat die Polizei in einem Brief aufgefordert, Massnahmen zu ergreifen, um die Obdachlosen aus der Stadt zu entfernen.

Twitter/@MrSimonDudley

Dem konservativen Politiker Simon Dudley sind die Obdachlosen in Windsor ein Dorn im Auge. Um so mehr, seit bekannt ist, dass Prinz Harry und seine Verlobte Meghan Markle am 19. Mai auf Schloss Windsor heiraten werden. Der Chef des Royal Borough of Windsor and Maidenhead, des Verwaltungsbezirks, zu dem Windsor gehört, hat die Polizei gebeten, die Gegend im Vorfeld der Feierlichkeiten von Obdachlosen zu säubern.

Dudley schrieb dem «Guardian» zufolge einen Brief an die zuständige Polizeibehörde und bat um Massnahmen gegen «aggressives Betteln und Einschüchterung» sowie gegen «Taschen und Müll», die auf den Strassen herumliegen würden.

Zuvor hatte der Ratsvorsitzende bereits auf Twitter seinem Unmut über die «Epidemie der Obdachlosigkeit und Landstreicherei» Luft gemacht und laut «Daily Mail» behauptet, Bettler würden Touristen sogar dazu bringen, an Geldautomaten Bares für sie abzuheben.

Sicherheitsrisiko Obdachlose

In seinem Brief betont Dudley, es gebe genügend Anlaufstellen für Hilfesuchende, wie Notunterkünfte in der Nacht oder Betreuungsstellen für Drogen- und Alkoholkranke. Viele Menschen auf den Strassen von Windsor, so fährt der Kommunalpolitiker fort, bettelten, aber seien nicht obdachlos. Und die, die wirklich obdachlos seien, seien es freiwillig, weil sie alle Hilfsangebote zurückwiesen.

Das Problem, so Dudley, lasse «eine hübsche Stadt in einem leider unvorteilhaften Licht» erscheinen. Zudem seien Unrat und Habseligkeiten der Obdachlosen, die teilweise unbeaufsichtigt zurückgelassen werden, ein Sicherheitsrisiko. Weil Windsor für viele Touristen attraktiv sei, müsse man hier ausserdem härter gegen Bettler vorgehen. Diese würden für Bewohner und Touristen eine «besorgniserregende und feindselige Atmosphäre» schaffen. Der Vorsitzende des Kommunalparlaments forderte die Polizei auf, nach einem Gesetz von 1824 zu handeln, das Obdachlosigkeit und Bettelei unter Strafe stellt.

NGOs laufen Sturm

Gegen Dudleys Vorstoss formiert sich reger Widerstand. Mehrere Hilfsorganisationen für Obdachlose haben die lokalen Behörden aufgefordert, mehr für Heimatlose zu tun, anstatt sie zu drangsalieren. «Obdachlose zu stigmatisieren oder zu bestrafen, ist komplett kontraproduktiv», sagte etwa Greg Beales von der Hilfsorganisation Shelter.

Auch die Polizei befremdet Dudleys Forderung: «Wir müssen die Schwächsten der Gesellschaft beschützen, indem wir zusammenarbeiten. Aber jede Behörde sollte sich auf ihre eigenen Zuständigkeiten besinnen», zitiert der «Guardian» einen Sprecher.

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