Online-Tests gefordert - «Total egoistisch» – Studierende gehen Corona-positiv an Prüfungen
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Online-Tests gefordert«Total egoistisch» – Studierende gehen Corona-positiv an Prüfungen

Studierende befürchten, dass der Prüfungssaal zum Corona-Hotspot wird. Sie fordern, ihre Testate online ablegen zu können. An anderen Unis erscheinen positiv Getestete zum Examen. Die Unis wissen davon, sehen aber keinen Handlungsbedarf.

von
Jeanne Dutoit
Shila Ochsner
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Schweizer Studierende befinden sich zurzeit in der Prüfungsphase.

Schweizer Studierende befinden sich zurzeit in der Prüfungsphase.

20min/Marco Zangger
Trotz konstant hohen Coronazahlen und der hochansteckenden Covid-Variante Omikron führen viele Unis und Hochschulen Präsenzprüfungen durch.

Trotz konstant hohen Coronazahlen und der hochansteckenden Covid-Variante Omikron führen viele Unis und Hochschulen Präsenzprüfungen durch.

Universität Basel
So etwa die Uni Zürich …

So etwa die Uni Zürich …

Universität Zürich/Frank Brüderli

Darum gehts

  • Studierende fürchten sich vor Corona-Ansteckungen an Präsenzprüfungen und der daraus resultierenden Quarantäne-Welle.

  • Die Studentinnen und Studenten wünschen, ihre Testate online ablegen zu können.

  • Studierende der Universität Basel und Zürich sollen trotz Symptomen oder positivem Corona-Test an den Präsenzprüfungen teilgenommen haben.

Studentinnen und Studenten von Schweizer Universitäten und Hochschulen befinden sich zurzeit in der Prüfungsphase. Ein Grossteil der Studentenschaft muss trotz der anhaltend hohen Zahl an täglichen neuen Corona-Fällen und der hochansteckenden grassierenden Covid-Variante Omikron zu den Präsenzprüfungen antraben.

Dies obwohl bereits harsche Kritik von Seiten der Studierenden geäussert wird, die Unis würden mit jedem Examen einen Superspreader-Event in Kauf nehmen. Die Studentinnen und Studenten der FHNW in Muttenz BL üben harsche Kritik am aktuellen Prüfungssystem. «Ich finde es sehr fragwürdig, eine Prüfung mit so vielen Studenten vor Ort durchzuführen», ärgert sich ein Student. Eine andere Studentin sagt: «Uns fehlt das Verständnis, warum Prüfungen, die auch online abgelegt werden können, trotzdem vor Ort stattfinden. Es wäre sicher möglich, auch diese Prüfung in einem solchen Setting durchzuführen.» Die FHNW bestätigt gegenüber 20 Minuten, dass im Dezember sowie im Januar jeweils zwei Prüfungen vor Ort stattfinden.

Angst um vulnerable Personen

Viele der Studierenden arbeiten studienbegleitend in einer stationären Einrichtung, teils mit vulnerablen Personen, wird von Seiten der Studentinnen und Studenten kritisiert. Das Risiko, sich bei einer Prüfung mit Covid anzustecken, das Coronavirus folglich in besagte Institutionen zu verschleppen und Klientinnen und Klienten anzustecken, sei zu gross, so die Bedenken einer Studentin. Die Studierenden verweisen darauf, dass andere Universitäten, beispielsweise die Uni Bern, ihre Reglemente bereits angepasst haben und die Prüfungen nicht mehr in Präsenzpflicht geschrieben werden müssen.

Von Seiten der FHNW Muttenz heisst es: «Wir verstehen die Besorgnis und es ist der Hochschule für Soziale Arbeit ein Anliegen, den Studierenden das Studieren und Ablegen von Prüfungen in einem sicheren Umfeld auch vor Ort zu ermöglichen und gleichzeitig die schweizweiten Bemühungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu unterstützen.» Darum halte sich die Hochschule an das 3G-Schutzkonzept. «150 Studierende werden im Januar mit Maske und Abstand, verteilt auf sechs Räume mit Platz für insgesamt 584 Personen, ihre Prüfung schreiben», so die FHNW Muttenz.

«Das ist total verantwortungslos und egoistisch»

Die Präsenz-Prüfungen bringen viele Studentinnen und Studenten aber in Bedrängnis. So sollen Studierende am Rechtswissenschaftlichen Institut (RWI) der Universität Zürich (UZH) trotz Symptomen oder positivem Corona-Test an Prüfungen teilgenommen haben. So schreibt ein User auf Jodel: «Ich bin mit Symptomen an die Prüfung gegangen. Am Abend wurde ich dann positiv getestet.» Und ein anderer meint: «Ich wünschte, ich hätte es nicht machen müssen. Ich wurde am letzten Sonntag positiv getestet und hatte am Dienstag eine Prüfung. Es war meine letzte Bachelorprüfung.»

Gegenüber 20 Minuten sagt eine Jus-Studentin: «Das ist total verantwortungslos und egoistisch.» Dass vereinzelte Studierende trotz Symptomen und positivem Test an den Präsenzprüfungen teilnehmen, liege daran, dass die Prüfungen aufgrund von Corona erst wieder im Sommer angetreten werden können. «Damit verlängert sich ihr Studium um mindestens ein Semester. Das ist natürlich mühsam, aber trotzdem keine Rechtfertigung, andere mit einer Ansteckung zu gefährden», so die Studentin.

Laut dem RWI hat man keine Hinweise auf ein solches Verhalten. Wie es bei der UZH auf Anfrage heisst, nimmt man die derzeitige Corona-Lage ernst und setzt alles daran, den laufenden Betrieb so sicher wie möglich zu gestalten. Die Sicherheitsvorkehrungen für Präsenzprüfungen seien deshalb streng. Für den Zutritt in die Prüfungsräume benötigen die Studierenden ein gültiges Covid-Zertifikat oder einen Testnachweis der ETH oder PHZH, welche flächendeckend kontrolliert werden. «Wie positiv getestete Personen eine Präsenzprüfung ablegen sollen, können wir nicht nachvollziehen. Ausser das vorgelegte Zertifikat entspricht nicht den aktuellen Tatsachen», sagt Sprecherin Melanie Nyfeler.

Mit Symptomen zur Prüfungen, erst danach zum Coronatest

Dies scheint kein Einzelfall zu sein: Auch in Basel-Stadt hat bereits eine wissentlich infizierte Person inmitten ihren Kommilitonen ihre Prüfung abgelegt, so die «bz Basel» (Bezahlartikel). Matthias Geering, Sprecher der Uni Basel, kommentiert dies gegenüber der Zeitung wie folgt: «Diese Person verstösst gegen die aktuellen Richtlinien.» Zu einem allfälligen Ersatztermin, den einige Studierende tunlichst vermeiden wollen, sagt Geering: «Wenn Studierende wegen einer Quarantäneanordnung die Prüfung verpassen, dann können sie einen Nachholtermin wahrnehmen – dies gilt auch, wenn jemand krank wird.» In einigen Studienrichtungen finde dieser schon ein paar Wochen nach dem ersten Examen statt – «bei anderen im kommenden Semester.»

Die Kritik am Vorgang der Universität Basel-Stadt ist indes nicht neu. Bereits im Dezember 2020, als in der Schweiz öffentliche Veranstaltungen verboten waren und alle Restaurants geschlossen bleiben mussten, liess die Uni ihre Studierenden zu den Prüfungen antraben. «Der Schutz ist gewährleistet», hielt Geering damals fest.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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