Dübendorf ZH - «Totaler Blödsinn» – Anwohner ärgern sich über entfernte Zebrastreifen
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Dübendorf ZH «Totaler Blödsinn» – Anwohner ärgern sich über entfernte Zebrastreifen

Anwohnende aus Dübendorf kritisieren, dass Zebrastreifen wegen der 30er-Zone im Stadtzentrum entfernt wurden. Sie sorgen sich um die Verkehrssicherheit.

von
Monira Djurdjevic
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Im Dübendorfer Stadtzentrum wurden mehrere Fussgängerstreifen entfernt. 

Im Dübendorfer Stadtzentrum wurden mehrere Fussgängerstreifen entfernt.

20min/Lynn Sachs
In den sozialen Medien ist die Empörung gross. «Vor allem für Kinder ist das saugefährlich», schreibt eine Nutzerin auf Facebook. 

In den sozialen Medien ist die Empörung gross. «Vor allem für Kinder ist das saugefährlich», schreibt eine Nutzerin auf Facebook.

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Die 30er-Zone im Dübendorfer Stadtzentrum wurde Ende Mai vom Stadtrat in eigener Kompetenz eingeführt. Gemäss aktueller Bundesverordnung sind Fussgängerstreifen in einer 30er-Zone nicht zulässig.

Die 30er-Zone im Dübendorfer Stadtzentrum wurde Ende Mai vom Stadtrat in eigener Kompetenz eingeführt. Gemäss aktueller Bundesverordnung sind Fussgängerstreifen in einer 30er-Zone nicht zulässig.

20min/Lynn Sachs

Darum gehts

  • In einer Tempo-30-Zone in Dübendorf wurden drei Fussgängerstreifen entfernt.

  • Der Grund: Gemäss aktueller Bundesverordnung sind Fussgängerstreifen in einer 30er Zone nicht zulässig.

  • In den sozialen Medien ist die Empörung gross.

Die kürzlich entfernten Zebrastreifen im Dübendorfer Stadtzentrum sorgen bei den Anwohnenden für Unmut. «Ich habe langsam Mühe mit dieser 30er-Zone. Da soll man sich sicher fühlen, aber den Fussgängern werden alle Zebrastreifen entzogen. Sorry, das geht gar nicht», schreibt eine Anwohnerin am Dienstag auf Facebook.

Innerhalb kürzester Zeit gab es Dutzende Kommentare dazu. «Ich bin voll deiner Meinung. Vor allem für Kinder ist das saugefährlich», heisst es etwa. Als «totalen Blödsinn» bezeichnet ein andere Nutzerin die 30er-Zone. «Will man die Strasse überqueren, muss man rund fünf Minuten warten. Kein Autofahrer lässt einen durch.»

Die 30er-Zone im Stadtzentrum wurde Ende Mai vom Stadtrat in eigener Kompetenz eingeführt. Laut Stadtschreiber Martin Kunz wurden seither verschiedene Fussgängerstreifen entfernt. Der Grund: «In einer 30er-Zone sind Fussgängerstreifen gemäss massgebender eidgenössischer Verordnung über Tempo 30 Zonen grundsätzlich nicht vorgesehen.»

«Die gefühlte Unsicherheit wird erhöht»

Ausnahmen seien möglich, wenn besondere Vortrittsbedürfnisse für Fussgänger dies erfordern, namentlich bei Schulen und Heimen oder bei grossem Fussgängeraufkommen im Bereich von Haltestellen. «Wir haben in der Zwischenzeit schon Rückmeldungen von einigen Anwohnenden erhalten», sagt Kunz. Man werde die Thematik deshalb im Auge behalten und das weitere Vorgehen gemeinsam mit der zuständigen Kantonspolizei prüfen.

Beim Verein Fussverkehr Schweiz begrüsst man flächendeckendes Tempo 30 innerorts. Damit werde einerseits der Strassenlärm reduziert, andererseits steige die Lebensqualität und die Verkehrssicherheit. «Die Zahl und die Schwere der Unfälle nimmt deutlich ab, je langsamer gefahren wird», sagt Pascal Regli, Verkehrsplaner und Projektleiter bei Fussverkehr Schweiz. Die Erfahrungen in verschiedenen europäischen Städten mit Tempo 30 auf dem ganzen Stadtgebiet hätte dies gezeigt.

Motion eingereicht

Laut Regli bedeutet Tempo 30 aber nicht, dass zwingend Fussgängerstreifen aufgehoben werden müssen. «In der Schweiz muss momentan rechtlich zwischen Tempo-30-Zonen und Tempo-30-Strecken unterschieden werden.» In Tempo-30-Zonen auf untergeordneten Strassen seien Fussgängerstreifen eher in Ausnahmefällen möglich und nötig. Auf Tempo-30-Strecken auf übergeordneten Strassen und viel Fahrzeugverkehr sollten hingegen an Stellen mit Querungsbedarf nicht darauf verzichtet werden.

«Vor allem Kinder, ältere Personen und Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung orientieren sich am Fussgängerstreifen und sind auf vortrittsberechtigte Querungen angewiesen, um sich selbständig im eigenen Lebensraum bewegen zu können», erklärt Regli. «In der Stadt Zürich sind bereits recht viele Tempo-30-Strecken auf vielbefahrenen Strassen realisiert worden, wo die Fussgängerstreifen beibehalten wurden. Die Erfahrungen für Menschen zu Fuss sind grundsätzlich positiv.»

Bereits Anfang Juli sorgte die Einführung der Tempo-30-Zone im Stadtzentrum für Diskussionen. Nachdem im Juni das Stimmvolk mit knapp 60 Prozent Nein-Stimmen zum dritten Mal eine Vorlage, die grossflächig Tempo 30 einführen wollte, ablehnte, haben Gemeinderat Orlando Wyss und elf Mitunterzeichnende die Motion «Rückgängigmachung Tempo 30 Zone Stadtzentrum» eingereicht. «Wenn Tempo 30 schon in den Quartieren so wuchtig abgelehnt wurde, wäre diese im Stadtzentrum noch deutlicher abgelehnt worden, hätte sich das Stimmvolk dazu äussern können», heisst es unter anderem in der Motion.

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