Aktualisiert 03.12.2006 08:07

Tote bei Experimenten von Viagra-Hersteller

Der amerikanische Pharma-Konzern Pfizer hat die Entwicklung eines neuen Cholesterol-Medikaments wegen einer unerwartet hohen Zahl von Todesfällen und Komplikationen in klinischen Tests eingestellt.

Der grösste Arzneihersteller der Welt, der die Potenzpille Viagra herstellt, teilte am Samstag in New York mit, er folge damit der Empfehlung eines unabhängigen Gremiums, das eine Studie zur Erprobung des Medikamentes Torcetrapib ausgewertet habe. Torcetrapip sollte das so genannte gute Cholesterol im Körper HDL erhöhen. Das Gremium empfahl den Stopp der Forschungsarbeiten wegen «eines Ungleichgewichts von Todesfällen und Herz-Kreislauf-Ereignissen».

Für Pfizer ist der Stopp der Forschung für das potenziell lukrative Medikament ein schwerer Rückschlag. Torcetrapib sollte die Einnahmeverluste in Milliardenhöhe ausgleichen, die dem Konzern wegen des Ablaufs des Patentschutzes für eine Reihe seiner wichtigsten Produkte drohen. Für die Entwicklung von Torcetrapib wurden laut Pfizer rund 800 Millionen Dollar (940 Millionen Franken) investiert.

Pfizer-Sprecher Paul Fitzhenry sagte zu der Studie, in klinischen Tests seien von 7500 Patienten 82 gestorben, die das neue Medikament in Verbindung mit Lipitor einnahmen. Lipitor senkt das so genannte schlechte Cholesterol und ist weltweit das am besten verkaufte Medikament. Von 7500 Patienten, die als Vergleichsgruppe nur Lipitor einnahmen, seien 51 gestorben. Die Studie habe keine Zweifel an der Sicherheit von Lipitor erhoben, betonte Pfizer.

Der Ablauf des Patentschutzes für eingeführte Medikamente wird Pfizer nach eigenen angaben zwischen 2005 und 2007 jährlich 14 Milliarden Dollar (10,6 Milliarden Euro) kosten. Für Lipitor, das im vergangenen Jahr 12,2 Milliarden Dollar einbrachte, könnte 2010 der Patentschutz ablaufen. (dapd)

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