Nach Rückzug der UNO: Tote in Syrien - Familien sollen evakuiert werden
Aktualisiert

Nach Rückzug der UNOTote in Syrien - Familien sollen evakuiert werden

Kaum sind die Uno-Beobachter aus Syrien abgezogen, werden wieder mehr Menschen getötet - unter anderem 11 Kinder. Die Regierung zeigte sich aber bereit, Zivilisten aus der umkämpften Stadt Homs in Sicherheit zu bringen.

In Syrien hat sich der blutige Konflikt ohne die Präsenz der UNO-Militärbeobachter weiter verschärft. Aktivisten berichteten von Dutzenden von Toten. Die Rebellenhochburg Homs mit ihrer eingeschlossenen Zivilbevölkerung wurde weiter beschossen.

Das Regime von Präsident Baschar al-Assad wollte nach eigenen Angaben rund 1000 Familien aus dem westsyrischen Homs in Sicherheit bringen. Die Aufständischen würden allerdings die Frauen und Kinder als «menschliche Schutzschilde» missbrauchen, behauptete die staatliche Nachrichtenagentur Sana.

Nach Angaben von Aktivisten in Homs bestehen die Rebellen darauf, dass nicht die syrischen Behörden, sondern internationale humanitäre Organisationen notleidende Menschen in Sicherheit bringen.

Die UNO hatte von den Konfliktparteien schon vor Tagen verlangt, Frauen, Kinder und Kranke aus Homs und anderen umkämpften Gebieten in Sicherheit zu bringen.

Offensive der Assad-Truppen

Schwerer Beschuss wurde am Dienstag in den von Rebellen gehaltenen Bezirken Chaldije und Dschuret al-Schaje in Homs sowie nahegelegenen Gebieten gemeldet.

Berichten von Aktivisten zufolge sollen Soldaten des Regimes zudem mit Unterstützung von Kampfhelikoptern die Stadt Rastan nördlich von Homs bombardiert haben. Die Ortschaft wird ebenfalls von den Rebellen kontrolliert.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London forderte die internationalen Staats- und Regierungschefs erneut zu einer Intervention auf, um den Beschuss und «die systematischen Tötungen» zu stoppen, «denen das syrische Volk in Homs ausgesetzt ist».

Das Bombardement von Homs ist Teil einer grösser angelegten Offensive der Truppen von Präsident Assad, mit der sie die Kontrolle über von Rebellen gehaltene Gebiete zurückgewinnen wollen.

Bergungsarbeiten zu gefährlich

Aktivisten berichteten am Dienstag, am Vortag seien 83 Menschen von den Truppen des Regimes getötet worden. Unter den Toten seien elf Kinder. Die meisten Opfer habe es in Duma im Umland von Damaskus gegeben, hiess es.

Ein Regimegegner in der syrischen Hauptstadt sagte, viele Verletzte und Leichen hätten noch nicht geborgen werden können. «Wegen der andauernden Bombardierung ist es bisher niemandem gelungen, mögliche Überlebende zu bergen, die noch unter den Trümmern liegen.»

Die unbewaffneten UNO-Militärbeobachter hatten angesichts der zunehmenden Gewalt, auch gegen die Beobachter selbst, ihren Einsatz bis auf weiteres eingestellt.

Appell von Obama und Putin

In einem gemeinsamen Appell forderten US-Präsident Barack Obama und Russlands Präsident Wladimir Putin am Montag (Ortszeit) eine Waffenruhe in Syrien.

Bei ihrem Treffen am Rande des Gipfels der grossen Industrie- und Schwellenländer (G-20) im mexikanischen Los Cabos verlangten beide «eine sofortige Einstellung aller Gewalt». Man unterstütze die Bemühungen für einen politischen Übergang zu einem «demokratischen und pluralistischen» System.

Putin liess sich aber offensichtlich nicht dazu bewegen, seine Blockadehaltung im UNO-Sicherheitsrat aufzugeben. Russland steht seit Beginn des Konflikts im Frühjahr 2011 auf der Seite des syrischen Machthabers Assad. Zu dieser Bündnistreue gehören auch russische Waffenlieferungen, die aber nicht immer bis nach Syrien kommen.

Kampfhelikopter gestoppt

So ist ein russisches Schiff, das offenbar in Russland reparierte syrische Kampfhelikopter zurückbringen sollte, von den britischen Behörden vor Schottland gestoppt worden.

Das bestätigte das britische Aussenministerium am Dienstag in London. Die britische Versicherungsgesellschaft Standard Club habe ihren Versicherungsschutz für das Schiff «Alaed», das zur russischen Frachter-Linie Femco gehört, auf Geheiss der Regierung in London zurückgezogen. Auch alle anderen Schiffe der Gesellschaft seien nicht mehr versichert. (sda)

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