«Tod durch Maskenzwang»: Erstickte Kinder wegen Maske – Polizei warnt vor Fake News
Publiziert

«Tod durch Maskenzwang»Erstickte Kinder wegen Maske – Polizei warnt vor Fake News

In Blogs und auf Social Media kursieren Gerüchte, dass mehrere Kinder erstickt seien, weil sie eine Schutzmaske getragen haben. Experten kritisieren die Meldungen, die Polizei warnt vor der Weiterverbreitung.

von
Daniel Krähenbühl
1 / 8
Auf Social Media kursiert das Gerücht, dass mehrere Kinder gestorben seien, weil sie eine Schutzmaske getragen haben. (Symbolbild) 

Auf Social Media kursiert das Gerücht, dass mehrere Kinder gestorben seien, weil sie eine Schutzmaske getragen haben. (Symbolbild)

Getty Images/iStockphoto
Nun warnt die Polizei Unterfranken vor den Gerüchten, die sie als Fake News bezeichnet, und ruft dazu auf, diese nicht zu teilen. 

Nun warnt die Polizei Unterfranken vor den Gerüchten, die sie als Fake News bezeichnet, und ruft dazu auf, diese nicht zu teilen.

Screenshot Twitter
Den Fall des sechsjährigen Mädchens sei erfunden. «Es gab keinen Vorfall. Nicht mit Todesfolge und auch nicht mit ohne», wird online mitgeteilt. Wie die Polizei weiter schreibt, hat die Kriminalpolizei Schweinfurt erste Ermittlungen eingeleitet, um die Urheber hinter den Behauptungen ausfindig zu machen. (Symbolbild)

Den Fall des sechsjährigen Mädchens sei erfunden. «Es gab keinen Vorfall. Nicht mit Todesfolge und auch nicht mit ohne», wird online mitgeteilt. Wie die Polizei weiter schreibt, hat die Kriminalpolizei Schweinfurt erste Ermittlungen eingeleitet, um die Urheber hinter den Behauptungen ausfindig zu machen. (Symbolbild)

Getty Images

Darum gehts

  • Der deutsche Arzt Bodo Schiffmann verbreitet Gerüchte über den Tod von mehreren Kindern, die gestorben sein sollen, weil sie eine Schutzmaske trugen.
  • Die Polizei Unterfranken warnt nun in einem Beitrag vor der Falschmeldung.
  • Deutsche und Schweizer Mediziner geben Entwarnung. Für Kinder sei das Tragen von Schutzmasken generell unbedenklich.

«Vier tote Kinder wegen Maske in einer Woche»: Auf Social Media, in diversen Chats und auf von Corona-Kritikern betriebenen Blogs kursieren seit Dienstag diverse Gerüchte über Todesfälle bei Kindern, die durch das Tragen von Schutzmasken ausgelöst worden sind. Die Kinder sollen unter anderem in Nordfriesland, in Baden-Württemberg und in Wiesbaden gestorben sein. Beim jüngsten Vorfall in Schweinfurt sei ein sechsjähriges Mädchen auf dem Heimweg im Schulbus bewusstlos zusammengebrochen. Trotz der sofortigen Versorgung durch Rettungskräfte sei das Kind im Spital verstorben. Laut den Informationen der Corona-Kritiker hat der Arzt den Eltern gesagt, dass ihre Tochter an einer CO₂-Vergiftung gestorben sei.

Nun warnt die Polizei Unterfranken vor den Gerüchten, die sie als Fake News bezeichnet, und ruft dazu auf, diese nicht zu teilen. Den Fall des sechsjährigen Mädchens sei erfunden. «Es gab keinen Vorfall. Nicht mit Todesfolge und auch nicht ohne», wird online mitgeteilt. Wie die Polizei weiter schreibt, hat die Kriminalpolizei Schweinfurt erste Ermittlungen eingeleitet, um die Urheber hinter den Behauptungen ausfindig zu machen.

Kritik von deutschen Medizinern

Die Gerüchte, die auch unter Schweizer «Corona-Rebellen» fleissig geteilt werden, haben ihren Ursprung bei deutschen Arzt Bodo Schiffmann, einem der bekanntesten «Gegenexperten» der Corona-Skeptiker. Die Schutzmaske bezeichnete er kürzlich als «Sklavenmaske» und als «Symbol der Unterdrückung». In einem Video erzählt er, dass das Kind «mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit» erstickt sei, weil es eine Maske getragen habe. Auf die Frage nach der Quelle verweist er auf sich selbst – er wolle seine Informanten «nicht in die Schusslinie» bringen. Weitere Beweise für die Behauptung gibt es nicht.

Deutsche Mediziner kritisieren die Gerüchte scharf. «Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass ein Mensch lebensbedrohliche Symptome entwickelt, weil er eine Maske trägt», sagt Michael Pfeifer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, zur «Süddeutschen Zeitung». Das Tragen einer Schutzmaske als Todesursache sei sehr unwahrscheinlich, sagt auch Burkhard Rodeck, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), gegenüber ARD. Zudem seien die Meldungen nicht plausibel, da CO₂ durch die Masken entweichen könne.

«Kinder bekommen genug Luft zum Atmen»

«Mir sind aus der Schweiz keine Vorfälle bekannt, in der Kinder aufgrund des Tragens von Schutzmasken starben», sagt Christoph Berger, Leiter der Abteilung für Infektiologie und Spitalhygiene am Universitäts-Kinderspital Zürich. «Aus meiner Sicht ist die aufgestellte Behauptung schlicht unmöglich.» Mit den in der Schweiz zertifizierten Masken und den empfohlenen Stoffmasken bekommen Kinder laut Berger ausreichend Luft zum Atmen. Bei Kindern, die an einer Immunschwäche gelitten hätten und darum eine Maske tragen mussten, sei das bisher problemlos gegangen.

Wichtig sei dabei, dass die Eltern ihr Kind über den richtigen Umgang mit Schutzmasken aufklären und dessen Einsatz üben. «Wenn ein Kind aufgrund eines anderen Problems – etwa eines Asthma-Anfalls – Probleme mit der Atmung bekommt, dann weiss es, dass es die die Schutzmaske problemlos entfernen kann.» Das Tragen von Schutzmasken wegen Covid-19 sei in der Schweiz aber sowieso erst ab zwölf Jahren empfohlen, sagt Berger. «Kleinkinder müssen grundsätzlich keine Maske anziehen.»

Deine Meinung

1069 Kommentare