Aktualisiert

Tote leben länger

Der Pulsschlag stimmt wieder: In Original-Besetzung kämpfen sich Life of Agony zurück
ins Leben.

Text -- Olivier Joliat

So hoch sich die Wolkenkratzer in den New Yorker Himmel schrauben, so tief stürzen die Protagonisten der Subkulturszene in die Abgründe ihrer eigenen Seele – und werden dafür geliebt. Life of Agony trafen mit ihrem 93er-Debüt «River Runs Red» das morbide Lebensgefühl im Big Apple. Die Songs des Konzeptalbums handelten vom Todeskampf eines jungen Mannes – bis zum Freitod in der Badewanne.

Life of Agony standen fortan auf gleicher Stufe wie die Stars der NY-Hardcore-Szene, Type O Negative oder Helmet. Und mit ihrer Tour eroberte die Band eine treu moshende Fangemeinde auf dem ganzen Globus. Der dunklen Aggressivität des Debüts folgte 1995 das eher Richtung Alternative Metal tendierende «Ugly». Wieder waren Tod und Drogen das Thema des Frontmannes Keith Caputo, der schon früh die Mutter und später auch den Vater wegen einer Überdosis verloren hatte.

Musik war Caputos Ventil und die Band seine Familie. Doch irgendwie

herrschte plötzlich Zwist. Drummer Sal Abruscato verliess die Truppe. Auf «Soul Searching Sun» bearbeitete deshalb Ex-Pro-Pain-Mann Dan Richardson die Felle. Die Härte des Erstlings war endgültig Harmonien gewichen. Songs wie «Weeds» oder «Hope» eigneten sich besser zum Rumhüpfen als zum Nackenschütteln. Mit ihrem Post-Grunge vergraulten Life of Agony jedoch alte Fans. Deshalb löste sich auch Caputo von der Familie. 1999 bedeutete das Ende von Life of Agony.

Zeitgleich veröffentlichte Caputo sein Solo-Debüt «Died Laughing». Dem Kritikerlob zum Trotz verkaufte sich die Platte mässig. Besser verdiente sein Label am Leichenfleddern und veröffentlichte munter Raritäten. Doch scheinbar konnten sich nicht nur die Fans nicht mit dem Ende von Life of Agony abfinden: So bereinigten die Ur-Mitglieder ihre Differenzen und meldeten sich mit der Live-CD «River Runs Again» zurück – und leben ihren wilden Todeskampf weiter.

Date

Sonntag, 2. November, 20 Uhr, Abart, Zürich.

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