Aktualisiert 13.11.2007 12:59

Tote Matrosen an Land gespült

Nach mehreren Schiffsunglücken im Schwarzen Meer hat die russische Küstenwache drei an Land gespülte Leichen geborgen. Damit stieg die Zahl der Toten auf mindestens fünf. 20 Seeleute wurden am Montag noch vermisst. Russische Umweltbehörden begannen unterdessen damit, das genaue Ausmass der Ölverschmutzung nach dem Untergang des Tankers «Wolganeft-139» zu erfassen. 30 000 tote Vögel hat man bisher am Strand gezählt.

Bei den an Land gespülten Toten handle es sich vermutlich um Seeleute des russischen Frachtschiffs «Nachitschewan», das im Hafen von Kawkas gesunken war, sagte ein Sprecher des Katastrophenschutzministeriums nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax.

Die Toten, die Rettungswesten trugen, seien in der Nähe der Insel Tusla gefunden worden. Etwa 200 Kilometer weiter westlich waren am Sonntag zwei russische Seeleute vor der Hafenstadt Sewastopol ertrunken, als ihr mit Metallschrott beladenes Frachtschiff im Unwetter unterging.

Bei schwerem Seegang waren im Schwarzen Meer gleich fünf Schiffe gesunken, darunter ein Öltanker und drei Schwefelfrachter. Sechs weitere Schiffe liefen auf Grund und viele andere gerieten in Seenot.

Die meisten Unglücke ereigneten sich beim russischen Kawkas, das am nordöstlichen Ufer der Meerenge von Kertsch liegt. Während des Sturms konnten 36 Seeleute von in Not geratenen Schiffen gerettet werden. 40 Schiffe im Hafen von Kawkas wurden evakuiert.

Kaum Überlebenschancen

Stundenlang hatte das Unwetter am Sonntag rund um die zur Ukraine gehörende Halbinsel Krim gewütet. Zwischen dem Asowschen Meer und dem Schwarzen Meer liegt die vielbefahrene Meerenge von Kertsch.

Schiffe und Helikopter waren am Montag bei Kawkas und Sewastopol im Einsatz, um nach den Vermissten zu suchen. «Es war der schwerste Sturm seit Jahrzehnten», sagte ein Steuermann nach seiner Rettung dem russischen Staatsfernsehen. Experten hielten es kaum für möglich, dass die Seeleute am Tag nach der Havarie im kalten Wasser noch lebten.

30 000 tote Vögel

Behörden und Umweltschützer fürchten, dass mit dem Untergang der Schwefelfrachter und des Tankers «Wolgoneft-139» dem Schwarzen Meer eine Katastrophe droht. Aus dem in zwei Teile zerbrochenen Tanker waren 1300 Tonnen Öl ausgelaufen. 3000 Tonnen Öl befanden sich noch an Bord des Wracks.

An den Küsten wurden bereits 30 000 tote Vögel gefunden, wie der Gouverneur des betroffenen Gebietes Krasnodar, Alexander Tkatschow, sagte. «Der Schaden ist so gross, dass man ihn gar nicht abschätzen kann. Das kommt einer ökologischen Katastrophe gleich.»

Die Meerenge von Kertsch liegt auf einer wichtigen Route für Zugvögel, die zurzeit auf dem Weg in den Süden sind, und beherbergt zudem Wasserschildkröten. Hunderte Helfer waren unterwegs, um die Ölschäden zu erfassen und zu beseitigen.

Die Arbeiten wurden durch das raue Wetter erschwert. Zunächst war der Wind etwas abgeflaut, die russischen und ukrainischen Behörden gaben jedoch eine neue Sturmwarnung aus.

Im Vergleich zu anderen Ölkatastrophen war die Menge des ausgelaufenen Öls im Schwarzen Meer gering. Beim Unglück des Tankers «Prestige» vor fünf Jahren im Atlantik vor Frankreich, Spanien und Portugal waren etwa 64 000 Tonnen Öl ins Meer gelangt. Im eingeschlossenen Schwarzen Meer kann aber schon eine geringe Menge Öl verheerende Folgen haben. (dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.