Aktualisiert 06.02.2020 11:08

Tote Tiere in Oftringen AG

Staatsanwaltschaft beantragt Tierhalteverbot

Beamte der Kapo Aargau entdeckten am Dienstag mehrere tote Nutztiere auf einem Hof in Oftringen. Gegen den Tierhalter wurde ein Verfahren eröffnet.

von
km / rc / miw

Gemeindeammann Hanspeter Schläfli spricht im Video über das Tierdrama von Oftringen. (Video: 20min)

Eine Patrouille der Kantonspolizei Aargau entdeckte auf einer Weide in Oftringen ein totes Schaf. Am Dienstagabend kam es beim Tierhalter namens M.P.*(57), der auf seinem Grundstück eine kleine Geflügelfarm betrieben hat, zu einer Hausdurchsuchung. Den Beamten bot sich ein Bild des Grauens: Mehrere tote, sogar bereits verweste Tiere lagen in den Stallungen. Spuren am Tatort zeigen, dass einige der Tiere bereits vor langer Zeit verendet sein müssen.

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm hat gegen den 57-jährigen Schweizer ein Verfahren wegen mehrfacher Tierquälerei eröffnet und beantragt ein Tierhalteverbot. Es gilt die Unschuldsvermutung. Der Beschuldigte macht geltend, durch die langjährige und intensive Pflege seiner hochbetagten Mutter sowie deren kürzlichen Tod mit der Tierhaltung überfordert gewesen zu sein.

Tierhalter ist bereits vorbestraft

Der Beschuldigte ist wegen Widerhandlungen gegen das

Tierschutzgesetz vorbestraft: Er wurde im Juli 2019 von der

Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse verurteilt. Im November 2019 erging ein weiterer Strafbefehl, gegen den Einsprache erhoben wurde.

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Am Dienstag, 4. Februar 2020, stellte eine Patrouille der Kantonspolizei Aargau während einer Patrouillenfahrt ein totes Schaf auf einer Weide in Oftringen fest.

Am Dienstag, 4. Februar 2020, stellte eine Patrouille der Kantonspolizei Aargau während einer Patrouillenfahrt ein totes Schaf auf einer Weide in Oftringen fest.

Kantonspolizei Aargau
Am Dienstagabend kam es beim Tierhalter namens M.P.*(57), der auf seinem Grundstück eine kleine Geflügelfarm betrieben hat, zu einer Hausdurchsuchung.

Am Dienstagabend kam es beim Tierhalter namens M.P.*(57), der auf seinem Grundstück eine kleine Geflügelfarm betrieben hat, zu einer Hausdurchsuchung.

Den Beamten bot sich ein Bild des Grauens: Mehrere tote, sogar bereits verweste Tiere lagen in den Stallungen. Spuren am Tatort zeigen, dass einige der Tiere bereits vor langer Zeit verendet sein müssen.

Den Beamten bot sich ein Bild des Grauens: Mehrere tote, sogar bereits verweste Tiere lagen in den Stallungen. Spuren am Tatort zeigen, dass einige der Tiere bereits vor langer Zeit verendet sein müssen.

Kantonspolizei Aargau

Die noch lebend vorgefundenen Tiere – 16 Schafe, 4 Ziegen und 35 Hühner – wurden umgehend fremdplatziert. Viele von ihnen befinden sich in einem schlechten Zustand und müssen nun sorgfältig aufgepäppelt werden. Der Tierhalter M.P., der für die Missstände verantwortlich ist, wurde vorläufig festgenommen.

Zu lange weggeschaut?

Zwar ist man in Oftringen über das Ausmass der Tragödie geschockt. Doch dass auf Nachbar M.P.s Hof etwas schiefläuft, ahnten Einheimische schon seit langem: «Es war hier allen klar, dass diese Tiere unter miserablen Umständen gehalten werden», sagt ein Anwohner. «Wir beschwerten uns bei der Behörde mehrfach wegen der Tiere. Auch wegen des Gestanks, der vom Anwesen ausging, haben wir mehrfach Meldung gemacht», sagt ein Nachbar. Erst kürzlich, Mitte Dezember 2019, wurden gar die lokalen Medien auf den Oftringer Tierhalter aufmerksam. Dies wegen eines Schafes, dass sich im Zaun verheddert hatte und dort schliesslich qualvoll verendete.

Mehrere Dorfbewohner werfen den Ämtern vor, zu lange weggeschaut zu haben. Sie fragen sich, warum die Behörden erst jetzt rigoros durchgegriffen haben.

Die Gemeinde Oftringen weist den Vorwurf der Untätigkeit zurück: «Die Missstände waren auch uns bekannt. Doch man muss wissen: Eine Aktion, wie die vom Dienstagabend, kann nur der Kanton durchsetzen. Wir als Gemeinde können uns nur auf das Baugesetz berufen», sagt Gemeindeammann Hanspeter Schläfli. Als im Herbst gemunkelt wurde, auf dem Hof seien zu viele Hühner untergebracht, sah man eine Option zu handeln. «Da wollten wir mittels Baugesetz die Hühner beschlagnahmen», rapportiert der Gemeindeammann. M. P., dem man das Vorhaben von Gesetzes wegen habe ankündigen müssen, habe diese Aktion aber umgehend sabotiert: «Als wir auf dem Hof eintrafen, waren da keine Hühner mehr vorzufinden», sagt Schläfli. So seien ihnen erneut die Hände gebunden gewesen.

Gemeindeammann Schläfli ist nun aber erleichtert, dass auf kantonaler Ebene etwas passiert ist: «Endlich ist es dem Kanton mithilfe der Staatsanwaltschaft gelungen, etwas gegen den Missstand zu unternehmen.» (Ganze Stellungnahme der Gemeinde im Video)

Der Kanton nimmt Stellung

Frau Breitenmoser*, weshalb hat der Kanton erst am Dienstag eingegriffen?

Dem Veterinärdienstes ist der Tierhalter bereits seit längerem aktenkundig. Er wurde auch regelmässig kontrolliert. Es gab Beanstandungen, Verfügungen und Strafanzeigen. Verfügte Massnahmen hat der Besitzer stets umgesetzt. Wieso die Polizei nun eingegriffen hat, ist mit ihr zu klären.

Wann ist es dem Kanton erlaubt, Massnahmen zu ergreifen?

Wenn Verstösse gegen die Eidgenössische Tierschutzgesetzgebung vorliegen.

Der Tierhalter war bereits im Dezember 2019 in den Medien, weil er ein Schaf auf der Wiese verenden liess. Reicht das nicht aus, um aktiv zu werden?

Wenn nicht zuvor noch andere Verstösse festgestellt wurden, nicht. Ein totes oder ein im Zaun verfangenes Tier ist nicht zwangsläufig ein Vergehen und kommt leider immer wieder vor. Der Veterinärdienst klärt aber solche Meldungen ab und ordnet Massnahmen an, wo dies erforderlich ist.

Während die Polizei und die Staatsanwaltschaft den Fall nun gemeinsam untersuchen und das Veterinäramt abklärt, ob vom Hof allenfalls eine Seuchengefahr ausgeht, haben die Anwohner bereits einen gewissen Durchblick, was die Hintergründe des Falls sein könnten. So wollen sie wissen, wieso M.P. derart schlecht zu seinen Tieren geschaut hat: Seit dem Tod des Vater vor zehn Jahren sei es auf der Geflügelfarm stetigs abwärts gegangen. «Erst vor kurzem ist nun auch noch seine Mutter, die er über Jahre hatte pflegen müssen, gestorben.» Das ganze habe das Fass zum Überlaufen gebracht. Man ist sich aber einig: «Trotz allem ist es auch tragisch, dass der Kanton nicht schon lange durchgegriffen hat.»

*Alda Breitenmoser, Leiterin Amt für Verbraucherschutz im Departement Gesundheit und Soziales

*Name der Redaktion bekannt

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