Milzbrand: Tote Zebras liefern Mittel gegen Anthrax
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MilzbrandTote Zebras liefern Mittel gegen Anthrax

Nicht nur Huftiere werden von Milzbrand befallen, auch Menschen sind gefährdet. Doch ein in Zebraleichen gefundenes Virus könnte bei der Entwicklung eines Gegenmittels helfen.

von
lmm
Huftiere wie Zebras sind die häufigsten Anthrax-Opfer.

Huftiere wie Zebras sind die häufigsten Anthrax-Opfer.

Ein neu entdecktes Riesenvirus kann Anthrax-Bakterien, die Erreger von Milzbrand, töten. Ein internationales Forscherteam mit Schweizer Beteiligung hat die Viren in Zebraleichen in Namibia gefunden. Die Forschenden hoffen, mit seiner Hilfe künftig Anthrax besser entdecken oder bekämpfen zu können.

Anthrax-Bakterien befallen vor allem Huftiere, können aber auch für den Menschen tödlich sein – weshalb sie immer wieder als Biowaffen eingesetzt werden. Die Bakteriensporen überleben sehr lange im Boden. Huftiere nehmen sie beim Grasen auf, sterben an der Krankheit und geben neue Sporen in den Boden ab.

Viren, die Bakterien fressen

In Proben von Zebras im Etosha-Nationalpark fanden die Wissenschaftler um Holly Ganz von der University of California in Berkeley nun sogenannte Bakteriophagen, Bakterien fressende Viren, die sich in Bakterienzellen einnisten und sie töten. Sie tauften sie Tsamsa, nach den Staubteufeln in der Etoshapfanne, wie sie im Fachjournal «PLOS One» schreiben.

Der Tsamsa-Bakteriophage sei ausserordentlich gross, berichten die Forschenden, darunter das Team um Martin Loessner von der ETH Zürich sowie Kollegen aus Südafrika und Deutschland. Er habe einen riesigen Kopf, einen langen Schwanz und ein grosses Erbgut. Er infiziere nicht nur Anthrax, sondern auch verwandte Bakterien, die zum Beispiel Lebensmittelvergiftungen verursachen.

Gen für Bakterienkiller isoliert

Den Forschenden gelang es, das Gen für ein Enzym des Virus zu isolieren, das die Bakterien tötet. Dieses könnte potenziell als Antibiotikum oder Desinfektionsmittel wirksam sein, hiess es einer Mitteilung der University of California. Bakteriophagen greifen meist sehr spezifisch bestimmte Bakterienstämme an. Als sie Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt wurden, war das Interesse daran gross. Es liess im Westen nach, als Penizillin und moderne Antibiotika entdeckt wurden.

Doch besonders in der Sowjetunion, wo diese Medikamente schwer zu bekommen waren, wurde noch lange Zeit an Phagen geforscht. «Mit den wachsenden Problemen mit Antibiotikaresistenzen und Superkeimen beginnen die Leute, sich Phagen wieder genauer anzusehen», liess sich Ganz in der Mitteilung zitieren. (lmm/sda)

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