Aktualisiert 02.09.2015 07:31

Mysteriöser Agenten-Krimi

Toter Spion hatte Bill Clintons Agenda gehackt

Der britische MI6-Spion, dessen Leiche in einer Tasche steckte, soll kurz vor seinem Tod die Agenda des Ex-US-Präsidenten gehackt haben.

von
kle
1 / 4
Die Leiche des MI6-Spions Gareth Williams wurde im August 2010 in einer in seiner Badewanne liegenden Tasche entdeckt. Am 30. August 2015 liegen im rätselhaften Fall neue Hinweise vor.

Die Leiche des MI6-Spions Gareth Williams wurde im August 2010 in einer in seiner Badewanne liegenden Tasche entdeckt. Am 30. August 2015 liegen im rätselhaften Fall neue Hinweise vor.

Keystone/AP
Der 31-Jährige soll kurz vor seinem Tod den Terminkalender des ehemaligen US-Päsidenten Bill Clinton gehackt haben.

Der 31-Jährige soll kurz vor seinem Tod den Terminkalender des ehemaligen US-Päsidenten Bill Clinton gehackt haben.

AP/John Cogill
Im November 2013 erklärte die Londoner Polizei den Fall für abgeschlossen. Der Tod sei «höchstwahrscheinlich» durch einen Unfall verursacht worden, hiess es.Im Bild: Ein Yoga-Lehrer hat im Mai 2012 für die Metropolitan Police erfolglos versucht, sich selbst in eine Tasche einzuschliessen.

Im November 2013 erklärte die Londoner Polizei den Fall für abgeschlossen. Der Tod sei «höchstwahrscheinlich» durch einen Unfall verursacht worden, hiess es.Im Bild: Ein Yoga-Lehrer hat im Mai 2012 für die Metropolitan Police erfolglos versucht, sich selbst in eine Tasche einzuschliessen.

Metropolitan Police

Neue Hinweise zum rätselhaften Todesfall des britischen Geheimdienstagenten Gareth Williams: Fünf Jahre nachdem seine Leiche in einer abgeschlossenen Sporttasche entdeckt wurde, will «Sun on Sunday» herausgefunden haben, dass Williams den Terminkalender des früheren US-Präsidenten Bill Clinton gehackt hat. Der Spion soll dabei an «äusserst sensible Daten» gekommen sein.

Eine nicht namentlich genannte Quelle erzählte der britischen Sonntagszeitung, dass Williams die Gästeliste eines Events gehackt hatte, an dem Bill Clinton teilnehmen sollte. Die Liste habe der Spion dann einem Kollegen weitergereicht, der ebenfalls zur Veranstaltung eingeladen war.

Spion wurde «immer depressiver»

«Der Datenklau kam zu einem Zeitpunkt, als Williams mit den USA zusammenarbeitete. Für MI6-Direktor John Sawers, damals neu im Amt, war es ein diplomatischer Albtraum», so die Quelle weiter. Der Technologie-Experte Williams war für das Spionagesystem Echelon tätig, welches die USA zusammen mit Grossbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland betreiben. Das streng geheime Abhörsystem wurde 1948 gegründet, um die damalige Sowjetunion zu überwachen.

Der Informant erzählte der «Sun on Sunday», dass Williams kurz vor seinem Tod eine neue Identität bekommen habe. «In den letzten Monaten seines Lebens machten sich die Leute in seinem Umfeld grosse Sorgen um ihn. Er hatte Mühe mit seiner neuen Identität und vor allem mit den strengen Agenten-Trainings. Er wurde immer depressiver.»

Williams' Familie glaubt an einen Mord

Der Tod des 31-jährigen Kodierungs-Spezialisten hatte in Grossbritannien für grosses Aufsehen gesorgt, und er ist bis heute ungeklärt. Während den Ermittlungen fand die Londoner Polizei in seinem Kleiderschrank diverse Frauenkleider, auf seinem Handy ein Video, das Williams nackt in schwarzen Lederdamenstiefeln zeigt, sowie Hinweise auf ein Interesse des Toten an Fesselspielen.

Im November 2013 schloss Scotland Yard seine Akte. Der stellvertretende Polizeipräsident Londons, Martin Hewitt, erklärte, dass «niemand anderes an Williams' Tod beteiligt gewesen» sei und dass der 31-Jährige «höchstwahrscheinlich» durch einen Unfall starb. Williams' Angehörige lehnen diese Theorie ab. Sie gehen weiter von Mord aus.

Widersprüchliche Erkenntnisse

Tatsächlich sind die Umstände seines Todes umstritten. So stimmt das damalige Urteil der Polizei nicht mit der Feststellung der Todesursache durch die Gerichtsmedizin überein. Ihr zufolge wurde der Mann wahrscheinlich durch Fremdeinwirkung getötet.

Als die Tasche gefunden wurde, die von aussen mit einem Vorhängeschloss abgeschlossen war, stellte sich zudem die Frage, wie Williams das allein habe bewerkstelligen können. Sicherheitsexperten haben damals versucht, sich in die Tasche einzuschliessen – ohne Erfolg (siehe auch Diashow oben). Die Polizei war dagegen zum Schluss gekommen, dass es Williams möglich gewesen war, in die Sporttasche zu kriechen und das Schloss zu schliessen.

Allerdings wurde am Schloss keine DNA von Williams festgestellt. Es gab von ihm auch keine Fingerabdrücke an der Badewanne, in der die Sporttasche lag. Für den Tod gibt es bis heute zahlreiche Theorien – von einem Attentat durch einen in- oder ausländischen Geheimdienst bis hin zur Vermutung, ein sexuelles Abenteuer sei fehlgeschlagen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.