Aktualisiert 01.10.2010 12:34

Datenklau

Toter Spion war Daten-Dieb

Jetzt ist klar: Gegen den am Mittwoch in U-Haft tot aufgefundenen Mann ist wegen Bankdatendiebstahl ermittelt worden. Dies bestätigt die Bundesanwaltschaft gegenüber 20 Minuten Online.

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amc/kle/am

Beim 42-jährigen Mann handelt es sich um jenen geheimen Informanten, der Anfang des Jahres deutsche Finanzbehörden mit einer so genannten Steuerdaten-CD beliefert hat, wie die «Krone» schreibt. Dadurch kamen die Finanzbehörden in den Besitz von über 2000 brisanten Kundendaten aus Schweizer Banken.

Die Bundesanwaltschaft bestätigt am Mittag: «Der verstorbene Mann war im Rahmen der Strafuntersuchung wegen Bankdatendiebstählen und dem Verkauf der Daten nach Deutschland seit Mitte September inhaftiert», so Sprecherin Jeannette Balmer.

Die Bundesanwaltschaft machte keine weiteren Angaben zu den Hintergründen. Das gerichtspolizeiliche Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf nachrichtendienstliche Tätigkeit sei im Februar eingeleitet worden. Über den Mann wurden ebenfalls keine weiteren Informationen bekannt.

Spion lag tot in seiner Zelle

Gemäss der österreichischen Zeitung «Krone», die als erste die Informationen veröffentlichte, handelt es sich bei dem Datendieb um einen Österreicher aus Tirol. Er soll geraume Zeit in Winterthur gelebt haben und heisse mit Vornamen Wolfgang. Die Zeitung beruft sich auf Geheimdienstinformationen aus der Schweiz und Österreich. «Krone»-Reporter Klaus Loibnegger zu 20 Minuten Online: «Wir vertrauen unserer Quelle. Seine Informationen haben sich schon mehrfach als richtig herausgestellt.» Es sei aber nicht klar, ob der tote Österreicher der Hauptakteur oder bloss ein Mittäter gewesen sei. Der Umstand, dass die Bundesanwaltschaft weiterermittle, deute aber auf mehrere Täter.

Der Österreicher wurde am Mittwochmorgen tot in der Zelle eines Berner Gefängnisses aufgefunden. Seine Familie hat zuvor offenbar wochenlang nichts von der Festnahme erfahren: «Wir wussten nicht einmal, dass unser Sohn verhaftet wurde. Davon wurden wir erst in Kenntnis gesetzt, als uns die Schweizer Behörden über seinen Tod informierten», sagt der Vater des mutmasslichen Spions der «Krone».

Umstrittener Kauf von 2000 Steuerdaten

Der Kauf von Steuer-Daten-CD hatte Anfang Jahr für grossen Wirbel gesorgt. Im Februar wurde bekannt, dass eine CD mit gestohlenen Daten deutschen Behörden angeboten wurde. Darauf sollen sich die Daten Steuerhinterziehern befinden, die angeblich ihr Geld bei der Credit Suisse geparkt haben. Der Anbieter der Steuer-CD hatte laut Medienberichten 2,5 Millionen Euro für die CD verlangt. Die Deutsche Regierung entschied sich damals schnell für den Kauf der Daten, was die Beziehungen zwischen der Schweiz und dem nördlichen Nachbarn erheblich trübte.

Das Bundesland Nordrhein-Westfalen hat den Kauf schliesslich vollzogen und der Justiz übergeben. Zur Kaufsumme wurden keine Angaben gemacht. In diesen Deal soll laut «Krone» der gebürtige Tiroler involviert gewesen sein. Nach dem Verkauf wurden dem deutschen Fiskus weitere CDs angeboten. Mit welchen CD-Daten der tote Spion gehandelt und welche Rolle er dabei gespielt hatte, ist nicht klar.

Der Erwerb von Steuerdaten liess in Deutschland die Zahl der Selbstanzeigen in die Höhe schnellen. Binnen einer Woche habe sich die Zahl der Selbstanzeigen fast verdoppelt, teilte das Düsseldorfer Finanzministerium nach dem Kauf der Bankdaten-CD durch das Bundesland Nordrhein-Westfalen mit.

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